Experten: Finanzkrise nicht Schuld einzelner sondern eines Systems

Beid Ökumenischer Sommerakademie Kresmmünster diskutierten prominente Wirtschaftswissenschafter

Linz, 15.07.10 (KAP) Schuld an der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise sind nicht irgendwelche "Bosse", sondern ist das gesamte System mit - in abgestufter Form - allen, die davon in irgendeiner Weise profitieren: Das war Tenor der Ausführungen des Wiener Volkswirtschaftlers em.Prof. Erich Streissler, des Linzer Finanzwirtschaftlers Prof. Teodoro Cocca und des Innsbrucker Sozialethikers em.Prof. Herwig Büchele SJ bei der Ökumenischen Sommerakademie in Kremsmünster. Bei der Veranstaltung zum Thema "Gerechtigkeit will ich - Christliche Provokation für die Ökonomie" diskutieren prominente Wirtschaftswissenschafter und Theologen über die ethischen Fragen, die in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise besonders aktuell geworden sind.

Cocca, Leiter der Abteilung für Asset-Management an der Johannes-Kepler-Universität Linz, erläuterte, dass die Suche nach "Schuldigen" ins Leere gehe. Letztlich komme man bei der "Systemfrage" an: Banken, Investoren, interne Kontrollen, Wirtschaftsprüfer, Aufsichtsbehörden und Politik - alle hätten versagt. Das Fundament gelegt habe jedoch die Finanzwissenschaft mit der Erfindung von Risikomodellen, mit Modellen zur Bemessung der Risiken, mit dem Glauben an die Kontrollierbarkeit der Risiken, was sich jedoch als "Scheinkontrolle" erwiesen haben, erklärte Cocca.

Eine Konsequenz aus all dem sei die Forderung nach Gerechtigkeit im Finanzwesen: strengere Auflagen bei der Bankenrettung; eine Bankensteuer; Limits bei Boni und Gehältern der Bankmitarbeiter. Verlierer der Krise sei wahrscheinlich der Sozialstaat bzw. der Wohlfahrtsstaat, prognostizierte Cocca.

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