WirtschaftsBlatt-Leitartikel:Panik ist absolut nicht angebracht von Isabell Widek

Wir brauchen Zuwanderer ohne Wenn und Aber

Wien (OTS) - Was haben wir uns nicht gefürchtet. Sobald die Länder des Ostens Europas dann EU-Mitglieder seien, würde der österreichische Arbeitsmarkt von billigen Arbeitskräften überrollt, hieß es. Eine These, der selbst die Offensten im Lande etwas abgewinnen konnten. Also wurden nach guter alter Manier 2004 Vorkehrungen getroffen, damit der heimische Arbeitsmarkt für die Nachbarn aus Ungarn, Slowenien, der Slowakei, Tschechien, aber auch Estland, Lettland, Litauen und Polen fest verschlossen bleibt.

Ein paar Lücken blieben. Es gab und gibt etwa Kontingente für Facharbeiter, Pflege- und Schlüsselkräfte, die aber in den vergangenen Jahren so gut wie nie ausgeschöpft wurden - eine Beschäftigung in der Alpenrepublik ist, so scheints, bei Weitem nicht so erstrebenswert, wie es hierzulande den Anschein hat.
Im kommenden Mai folgt nun der nächste Schritt: Staatsbürger der acht oben genannten Länder unterliegen am heimischen Arbeitsmarkt keinerlei Beschränkungen mehr. Der Moment, vor dem sich so viele gefürchtet hatten, ist da. Und plötzlich herrscht keine Panik mehr. AMS-Chef Johannes Kopf spricht im Interview (siehe Seite 4) von bis zu 20.000 Menschen, die die Arbeitnehmerfreizügigkeit nutzen werden. Eine Summe, die so gering scheint, dass sie eher erstaunt als einem den kalten Schauer über den Rücken jagt. Vor allem aber, hört man, ist es ein Datum ohne Wert. Denn die Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes für Fachkräfte sei schon längst geschehen, der 1. Mai 2011 nur noch das Vollzugsdatum.

Das ist auch gut so, denn Panik vor ausländischen Arbeitskräften ist absolut nicht angebracht. Ganz im Gegenteil brauchen wir Zuwanderer sehr dringend. Und zwar ohne jedes Wenn und Aber.

Bis zum Jahr 2020, so prognostiziert die OECD, wird die Migration in diesen Staaten gerade einmal 1,9 Prozent betragen. Viel zu wenig, als dass wir damit unser demografisches Loch zwischen Rentnerschwemme und Geburtenstopp ausreichend füllen könnten. Auch qualifikationsmäßig gerät das Facharbeiter-Paradies Österreich immer mehr ins Hintertreffen. So schlugen Ende vergangener Woche die Gewerbe- und Handwerksbetriebe Niederösterreichs und Wiens Alarm: Ihnen fehlen Facharbeiter, jedes vierte Unternehmen findet keine qualifizierten Kräfte mehr. Handlungsbedarf ist dringend angesagt.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt. Denn ganz sicher ist sich die österreichische Politik noch nicht, ob das mit den ausländischen Fachkräften glatt geht. Bulgaren und Rumänen bleiben weiterhin aus dem österreichischen Arbeitsmarkt ausgesperrt. Vorerst.

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