Michaeler Gruft: Auftakt zur Restaurierung der bedeutenden Särge

Abtransport der ersten Holzsärge in die Restaurierwerkstätte; Stadt Wien übernimmt ein Drittel der Kosten

Wien (OTS) - In der Michaeler Gruft liegen mehr als 200 kulturhistorisch bedeutsame Holz- und Metallsärge aus der Zeit der Renaissance und des Barock, bei denen der Zahn der Zeit unübersehbar seine Spuren hinterlassen hat. Um die Särge vor dem drohenden Verfall zu retten, wurde vom Bundesdenkmalamt schon vor einigen Jahren ein maßgeschneidertes Konzept für die Klimatisierung der Gruft und die Restaurierung der Holzsarkophage initiiert und umgesetzt.

"Die Särge der Michaeler Gruft sind als kunst- und kulturhistorische Relikte von unschätzbarem Wert", unterstrich Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. "Sie haben mehr als 300 Jahre überdauert und erzählen mit ihren Ausformungen, Verzierungen und Bemalungen Geschichten über diese vergangene Epoche. Es ist daher eine selbstverständliche Pflicht für die Stadt Wien, zum Erhalt dieses Kulturguts maßgeblich beizutragen".

Zur Vorgehensweise bedarf es klarer fachlicher Richtlinien. "Die Kernkompetenz des Bundesdenkmalamtes ist es", betont Wiens Landeskonservator Friedrich Dahm, "eine fachgerechte Restaurierung der Särge nach den international anerkannten Regeln der Restaurierungspraxis zu gewährleisten. Dies setzt ein breit gefächertes Know-how voraus, denn nur so kann sichergestellt werden, das kulturelle Erbe Wiens auch für künftige Generationen zu bewahren."

Die Erzdiözese hat sich entschlossen, Mittel für die Restaurierung bereit zu stellen, um den Erhalt eines singulären Kulturdenkmals nördlich der Alpen zu ermöglichen, so die Wiener Diözesankonservatorin Elena Holzhausen. Die Objekte aus der Michaeler Gruft gehören zu den bedeutendsten Beispielen dieser sonst für den mediterranen Barock typischen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Todes. Zudem sei die Gruft von St. Michael von dem "Glauben an ein Leben nach dem Tod" geprägt.

Zur Restaurierung

In den letzten Jahren wurden unter Aufsicht des Bundesdenkmalamtes der Bestand und der teilweise besorgniserregende Zustand der Holzsärge erhoben und an drei Sarkophagen Musterrestaurierungen vorgenommen. Damit wurden die Voraussetzungen für die schrittweise durchgeführte Restaurierung der ersten 50 Särge geschaffen: In einer ersten Etappe verlassen nun sechs hölzerne Sarkophage - eingebettet in eigens dafür gezimmerten Transportkisten und einem Kühlwagen - die Gruft von St. Michael in Richtung der Restaurierungswerkstätte der Firma Fankl. Dort werden die stark verschmutzten Särge gereinigt und der Schimmelbefall entfernt. Des weiteren werden die Holzoberflächen und Fassungen konserviert und gesichert, ehe sie wieder in die Michaeler Gruft zurückkehren.
Die Kosten für die fachgerechte Restaurierung der ersten 50 Särge belaufen sich auf 550.000 Euro; die Kulturabteilung der Stadt Wien übernimmt ein Drittel der Kosten, den restlichen finanziellen Aufwand tragen des Bundesdenkmalamt, die Erzdiözese Wien und die Pfarre St. Michael.

Bisherige Sanierungsmaßnahmen

Durch unterschiedliche Faktoren schien die Erhaltung dieses bedeutenden kulturhistorischen Denkmals der Stadt Wien zu Beginn des 21. Jahrhunderts gefährdet. Die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, ein bis vor kurzem in Europa gänzlich unbekannter Rüsselkäfer, aber natürlich auch der Zahn der Zeit haben den Holzsärgen stark zugesetzt. Vor allem in den letzten Jahren entwickelte sich der Verfallsprozess rapide. Ab 2004 wurden daher vom Bundesdenkmalamt Klimamessungen und in der Folge Maßnahmen zur Verbesserung und dauerhaften Stabilisierung des Raumklimas veranlasst. Mittlerweile ist der progressive Verfall der sensiblen Kunstwerke gestoppt und auch der Rüsselkäfer hat seine gefräßige Tätigkeit eingestellt.

Die Geschichte der Michaeler Gruft und deren Särge

Die barocke Gruft unterhalb der Wiener Michaelerkirche zählt zu den bedeutendsten Anlagen dieser Art in Wien und Österreich. Im 16. Jahrhundert wurden zunächst Einzelgrüfte angelegt. Später, im 17. Jahrhundert, erfolgte die Errichtung der Gemeinschaftsgrüfte, die nach und nach durch unterirdische Gänge miteinander verbunden wurden. So entstand ein weit verzweigtes Netz von Gängen, Räumen aber auch gewölbten "Hallen", in denen neben den herrschaftlichen Metallsärgen nach und nach auch einfachere, bemalte Holzsärge Platz fanden. Bis heute haben sich mehr als 200 solcher barocker Särge erhalten, die -zumal sie vereinzelt auch noch in historischen Trachten gekleidete mumifizierte Verstorbene bergen - von außerordentlicher und über die Grenzen Österreichs reichender Bedeutung sind. Sie geben neue Erkenntnisse über Begräbniskunst und -kultur, aber auch über Gesellschaft und Brauchtum des 17. und 18. Jahrhunderts preis.

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