TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" 10. Juli 2010, von Mario Zenhäusern: "Rotes Kreuz muss endlich Flagge zeigen"

Das Ausscheren der Schwazer Retter ist die Chance, neue Strukturen zu schaffen und Bezirkskaiser zu entmachten.

Innsbruck (OTS) - Das Tiroler Rettungsbündnis hätte sich einen weniger holprigen Start verdient. Bei aller gerechtfertigten Kritik am undurchsichtigen Ausschreibungsverfahren: Die Entscheidung, alle Rettungsorganisationen des Landes in einem Boot zu versammeln, ist nachzuvollziehen, sichert den heimischen Einrichtungen das Überleben und sorgt dafür, dass die unbezahlbare Leistung Tausender freiwilliger Helfer nicht verloren geht. Das ist kein schlechtes Verhandlungsergebnis in Zeiten wie diesen.
Bedingung für das Funktionieren des Bündnisses ist allerdings eine klare Struktur. Die fehlt derzeit ausgerechnet bei der größten Organisation, dem Roten Kreuz. Da gibt es zwar einen Landesverband, aber der hat so gut wie nichts zu melden. Die wahren Chefs sitzen in den eigenständigen Bezirksorganisationen. Das erschwert die Arbeit für die Verhandler der Landesregierung auf der einen und für die Partner im Rettungsbündnis auf der anderen Seite.
Das Rote Kreuz im Bezirk Schwaz zum Beispiel zeigt der Landesorganisation seit Jahren ihre Grenzen auf. Mit dem Transfer des aus öffentlichen Mitteln angeschafften Vereinsvermögens in eine (unantastbare) Stiftung haben die Schwazer Retter dem Landesverband schon vor Jahren ungestraft die lange Nase gezeigt. Mit ihrem Austritt aus dem Bündnis haben sie den Bogen wohl endgültig überspannt.
Das Ausscheren der Schwazer stellt das Rettungsbündnis, vor allem aber das Tiroler Rote Kreuz auf eine harte Probe. Sie bietet dem Landesverband aber gleichzeitig die Gelegenheit, Stärke zu zeigen und auf diesem Weg vielleicht Strukturen zu schaffen, die eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ermöglichen und nicht behindern. Dass auf diesem Weg die bisherigen Bezirkskaiser auf der Strecke bleiben, liegt auf der Hand.

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