"KURIER"-Kommentar von Stefan Galoppi: "Agentenkrise abgehakt"

Moderne Spione arbeiten anders. Im Notfall aber fliehen sie weiter via Wien.

Wien (OTS) - Auch im Agentengeschäft ändern sich die Zeiten:
Spioniert wird zwar nach wie vor, was das Zeug hält, aber die raketenzählenden Schlapphüte von einst wurden von Datensammlern im großen Stil abgelöst. Intellektuelle und Wissenschaftler arbeiten heute ebenso den geheimen Diensten zu wie glamouröse Kontaktanbahnerinnen à la Anna Chapman.
Wo früher jahrelang um das Schicksal ertappter Agenten gefeilscht wurde, wird jetzt auf höchster Ebene blitzartig ein Austausch organisiert. Und der erfolgt nicht bei Nacht und Nebel in irgendwelchen Dritter-Mann-Kanälen, sondern am helllichten Tag vor neugierigen Kameras.
In Washington und Moskau wissen die Verantwortlichen genau, dass sie weiter allen Grund haben, einander herzhaft zu misstrauen. Aber sie haben auch begriffen, dass es politisch gar nichts bringt, auf diesem Fakt herumzureiten: Lieber lässt man sich bespitzeln als in der Weltpolitik durch offene Streitereien blockieren.
Eines hat sich nicht geändert: Wien als UNO-Sitz ist weiter eine Drehscheibe - für Informationen und Informanten, legale und illegale. Und: Ein neutraler Staat kann manchmal mit Diskretion und Understatement Reibungslosigkeit herstellen, wo sonst die Funken fliegen könnten.

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