WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Weltkonjunktur: Fred Sinowatz hatte doch Recht - von Michael Laczynski

Der Status quo kann auf längere Sicht nicht funktionieren

Wien (OTS) - "Es ist alles sehr kompliziert" - mit diesen mittlerweile zum österreichischen Kulturgut gehörenden Worten fasste Bundeskanzler Fred Sinowatz 1983 seine Regierungserklärung zusammen. Der gelernte Österreicher, der gestern einen Blick in die Konjunkturprognose des IWF werfen durfte, fühlt sich unweigerlich an die Sinowatzsche Sentenz erinnert. Denn wie man es auch dreht und wendet: Die Lage ist vertrackt, und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben.

Die neue Fassung des IWF-Ausblicks trägt diesem Zustand Rechnung. Wer (wie der Autor dieser Zeilen) die neunseitige Zusammenfassung gelesen hat, muss sich zwangsläufig die Frage stellen, wie die Neugewichtung des globalen Wirtschaftsgefüges jemals gelingen kann angesichts der Hindernisse, die sich auf dem Weg dorthin türmen.

Und erst die internen Widersprüche. Da wird auf der einen Seite von den verschuldeten Industrienationen ein realistischer Fahrplan zur Sanierung der Staatshaushalte gefordert, und auf der anderen Seite Deutschland, das als eines der wenigen Länder über einen solchen Plan in der Gestalt der gesetzlichen Schuldenbremse verfügt, als Mitverursacher der Probleme gegeißelt. Zugleich wünscht sich der Währungsfonds, dass jene Länder, die Leistungsbilanzüberschüsse anhäufen (also wie Deutschland Nachfrage aus dem Ausland importieren), ihre Währungen und Leitzinsen steigen lassen, um Sand ins Getriebe des Exportmotors zu streuen. Nur haben die IWF-Experten dummerweise ihre Rechnung ohne die Finanzmärkte gemacht, die den Euro in den vergangenen Monaten nach unten geprügelt und so den deutschen Exporteuren einen willkommenen Auftrieb verschafft haben. Und ob sich das für den Außenwert des Yuan zuständige Politbüro in Peking von den Überlegungen des Währungsfonds beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten.

Die traurige Wahrheit sieht so aus, dass uns auch im Jahr drei der Krise noch immer nicht eingefallen ist, wie mit der weltweiten Vernichtung der Nachfrage umzugehen ist. Der Status quo - alle versuchen gleichzeitig, ihre Exporte zu steigern und/oder die Importe zu senken - kann nicht funktionieren, wenn man den Gesetzen der Logik folgt. Der während seiner Amtszeit viel geschmähte Sinowatz hatte doch Recht: Alles ist wirklich sehr kompliziert.

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