"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Fischer bleibt Fischer"

Wer sich von ihm einen totalen Neustart erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Wien (OTS) - Die Stimmung war getragen, die Themen gewichtig - vom globalen Klimaschutz bis zum lokalen Ärgernis Kärntner Ortstafeln. "Die Zeit (für eine Lösung) ist reif", sagte der Bundespräsident -auf Deutsch und Slowenisch. Er werde "pointierter" werden, hatte Heinz Fischer vor seiner Wiederwahl versprochen. Wer sich deshalb erwartete, dass er der Regierung wegen des Versteckspiels beim Budget oder wegen des fahrlässigen Uni-Chaos die Leviten lesen werde, wurde enttäuscht.
Fischer bleibt auch in seiner zweiten Amtszeit seinem Naturell treu. Er ist in den goldenen 70er-Jahren groß geworden - vom Liebkind des Kreisky-Widersachers und Justizminister Christian Broda zum juristischen Mastermind im Küchenkabinett des SPÖ-Sonnenkönigs. Er suchte auch in der unappetitlichen rot-blauen Koalition nach Ende der SPÖ-Absoluten den Ausgleich. Er war Minister und Parlamentspräsident in der Ära seiner Lieblingsregierung, der Großen Koalition. Er wird weitere sechs Jahre im In- und Ausland ein würdiger Repräsentant des Landes sein. Auf den Tisch hauen werden andere müssen. Oder wir werden weiterwursteln, bis wir mit lautem Poltern endgültig von den widrigen Realitäten aus der trügerischen Biedermeier-Idylle gerissen werden.

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