- 08.07.2010, 14:07:15
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Prof. Claus Gatterer-Preis 2010 an unbequeme Journalisten vergeben
Preis an Edith Meinhart (profil), Ehrende Anerkennung an Johannes Kaup (ORF-Radio Ö1)

Wien (OTS) - Die Forderung an die österreichischen und Südtiroler
Journalisten sich gegen den "Zeitgeist-Journalismus" zu stellen und
für den "unvoreingenommenen Haltungsjournalismus" einzutreten war die
wichtigste Aussage bei der heurigen Verleihung des Prof. Claus
Gatterer- Preises im Casino Kleinwalsertal in Riezlern in Vorarlberg.
Der Preis wird seit 1984 vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC)
vergeben. Die Finanzierung erfolgt gemeinsam dem Land Südtirol und
dem Renner-Preis-Kuratorium. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.
Quotenjagd, Versuche von politischer Einflussnahme auf die
Berichterstattung und verschärfte juristische Rahmenbedingungen für
die Journalisten machen in Österreich einen modernen, demokratischen
Journalismus kaum mehr möglich.
ÖJC-Präsident Fred Turnheim rief in seiner Laudatio alle
Journalisten auf "unbequeme" Journalisten zu sein, so wie es der
Namensgeber des Preises, Claus Gatterer Zeit seines Lebens war.
Der Gatterer-Preis wurde heuer an zwei unbequeme Journalisten
verliehen. Der "Prof. Claus Gatterer-Preis 2010" geht an die
profil-Journalistin Edith Meinhart. Sie verkörpert einen ganz neuen
Stil im Journalismus, den der Geschichtenerzählerin. Sie erreicht mit
ihren einprägsamen Reportagen über "kleine" Menschen, daß die
"Großen" zum nachdenken kommen. Meinhart wurde 1965 in Wels geboren,
studierte in Wien Germanistik und Publizistik. Begonnen hat sie ihre
journalistische Karriere im "New Business", seit 1998 ist sie
Redakteurin im profil.
Meinhart hat mit besonderer journalistischer Akribie den Fall der
Arigona Zogaj über Jahre verfolgt und so zu einem neuen Bewusstsein
in großen Teilen der Bevölkerung über Migrationsprobleme beigetragen.
Doch praktisch gebracht - und das zeigt auch die Grenzen des
Journalismus auf - hat diese intensive Form eines
Haltungsjournalismus - wenig.
"Frau Meinhart steht für ein neues WIR-Gefühl im Journalismus und
spricht sich gegen die ICH-AG - Lüge aus, die in unserer Gesellschaft
aber auch im Journalismus noch stark verbreitet ist. Deshalb zeichnen
wir sie heute mit dem Prof. Claus Gatterer-Preis aus", so begründet
Juryvorsitzender Fred Turnheim die Entscheidung der Jury.
In ihren Dankesworten warnt Edith Meinhart: "In postdemokratischen
Gesellschaften des 21. Jahrhunderts wird der politische Prozess
zunehmend zu einem Elitenprozess. Wenige steuern und lenken, und nur
wenige schauen Ihnen dabei auf die Finger. Zu einem neuen Wir gehört,
dass es nicht der Politik überlassen wird, von oben herab zu
verfügen, wer dazugehört."
Die Ehrende Anerkennung geht heuer an den ORF-Journalisten
Johannes Kaup, Radio Ö1. Er wurde 1965 in Magdeburg in der damaligen
DDR geboren. Sein Vater war ein österreichischer Schauspieler, seine
Mutter eine deutsche Sängerin. Er wächst in einer katholischen
Diaspora auf, ein Erlebnis das ihn bis heute prägt. Mit vier Jahren
kommt er nach Österreich, studiert Theologie und Psychologie in Wien
und Psychotherapie in Zürich. Über die Kathpress und die Wiener
Blätter kommt er zu Ö 1.
"Kaup hat Angst vor Autoritäten und zugleich Wut gegen
Autoritäten. Er hat einen unbändigen Hass gegen totalitäre Systeme",
so würdigt Juryvorsitzender Turnheim den Preisträger.
Kaup:" Die vierte Macht im Staate ist ständig in Gefahr sich den
Interessen der jeweils Mächtigen anzudienen, sei es die Politik, sei
es die Wirtschaft oder sich selbst in Gestalt der ihr Schicksal
bestimmenden Eigentümer. Auch wenn sie in hundert verschiedenen
Kanälen senden und tausendfach buntes Papier bedrucken, - auch dann
sind Medien und ihre Macher nicht gefeit davor, im Konzert von
Kommerz, Unterhaltung und Quoten auch zu Totengräbern der Wahrheit zu
werden."
In Vertretung des Südtiroler Landeshauptmannes Luis Durnwalder, er
musste dringend zu einem Termin nach Rom, sprach die Vizepräsidentin
der Regionalregierung Trentino in Südtirol, Frau Dr. Martha Stocker:
"Die Gesellschaft braucht einen engagierten Journalismus, weil sie-um
funktionieren zu können- objektive Informationen braucht. Daher ist
ein sozialengagierter Journalismus immer auch ein anwaltschaftlicher
Journalismus".
ÖJC-Präsident Fred Turnheim stellte mehrere Forderungen für einen
unabhängigen Journalismus in Österreich auf. Dabei spricht er sich
für einen parteipolitisch unabhängigen, öffentlich-rechtlichen ORF
aus und forderte gleichzeitig die politischen Parteien auf, sich
sofort aus dem Unternehmen zurückzuziehen. "Nur so kann ein
öffentlich/rechtlicher Rundfunk in Österreich auch in Zukunft
gesichert werden", so der ÖJC-Präsident.
Turnheim weiters: "Wir fordern die Justiz- und Innenministerin
auf, die Pressefreiheit in Österreich zu garantieren und nicht
scheibchenweise zu demontieren. Der ÖJC lehnt jede Form der
Vorratsdatenspeicherung für Journalisten ab. Die Vertreter von
politischen Parteien werden aufgefordert, mit dem Versuch der
kalkulierten Manipulation von Medienmachern durch die Politik
aufzuhören":
Die Bundespresseförderung gehört nach Ansicht des ÖJC reformiert.
Sie soll künftig nur mehr an Medien ausgezahlt werden, die sich dem
Qualitätsjournalismus, der Pluralität der politischen Meinungen, der
Achtung der Menschenrechte und der Garantie von journalistischen
Arbeitsplätzen verpflichten.
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Rückfragehinweis:
ÖJC-Österreichischer Journalisten Club
Norbert Welzl
Blutgasse 3, 1010 Wien
Tel: 0650-982 85 55
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