Allianz Invest Quarterly 3/2010 - Defizitsünder entzweien Kapitalmärkte: Norden top, Süden flop

Wien (OTS) - Stoppten die Bären vor etwas mehr als einem Jahr
ihren Beutezug an den Börsen, so ist nun vor allem der hohe Schuldenstand in südeuropäischen Staaten ein zentrales Thema. Für das dritte Quartal erwarten die Allianz Experten weiterhin ein Wachstum unter Trend.

Risikoaversion und Verunsicherung sind an die Börsen zurückgekehrt. Sparpakete und Steuererhöhungen nehmen an Fahrt auf und drücken regional unterschiedlich auf die Kapitalmärkte. "Die globale Konjunkturerholung setzte sich im ersten Halbjahr 2010 weiter fort, regional gibt es jedoch gewaltige Unterschiede'", erklärte Martin Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank AG, am Donnerstag vor Journalisten. Während die USA, Deutschland und Japan stärker wachsen sollten, hinke der Euroraum deutlich hinterher.

Regionale Aktienmärkte in der EU: Je weiter südlich, desto schlechter

"Hohe Staatsverschuldung und zukünftige Maßnahmenpakete gefährden die Erholung der Realwirtschaft und bremsen die Entwicklung regionaler Aktienmärkte", so Mag. Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG. Dies lasse sich an den Unterschieden zwischen den regionalen Kapitalmärkten innerhalb Europas ablesen: Wirft man einen Blick auf die Performance der Leitindizes in Europa, so liegen seit Jahresanfang nur der DAX mit 3,35 Prozent und der schwedische Markt OMX mit 7,79 Prozent im Plus. Der portugiesische PSI (-11,37 Prozent), der italienische FTSE IMB (-13,41 Prozent) und der spanische IBEX (-18,86 Prozent) weisen eine deutlich schlechtere Performance als der EuroStoxx 50 (-9,99 Prozent) auf. Der griechische Leitindex ASE bildet mit -34,11 Prozent das Schlusslicht, der österreichische Leitindex ATX liegt mit -4,25 Prozent im Mittelfeld. "Die 'Budgetmusterschüler' Deutschland, Schweiz und Schweden wurden an ihren regionalen Aktienmärkten mit einer positiven Performance belohnt. Auch für die langfristige Entwicklung bedeutet ein niedrigeres Budgetdefizit eine bessere Startposition", so Ramberger.

CDS-Spreads: Starke Ausweitung in Südeuropa

Die Staatsschuldenkrise hinterlässt damit auch auf den Anleihemärkten ihre Spuren: Schwache Bonität und hohes politisches Risiko sind spätestens seit diesem Jahr mit südeuropäischen Industrieländern assoziiert, es kommt zu einer stärkeren Differenzierung seitens der Investoren. Eine Verschlechterung der Bonitätseinschätzung, ablesbar an einer Vergrößerung der CDS-Spreads (Credit Default Swap, also die Ausfallsprämie für einen CDS-Kontrakt), ist besonders für südeuropäische Staaten zu beobachten: Lagen diese zu Beginn des Jahres 2010 auf einem niedrigen Niveau, so ist seit Beginn des zweiten Quartals ein Anstieg zu verzeichnen: Spanien, Griechenland und Portugal liegen aktuell bei Werten über 3 Prozent, Griechenland weist mit aktuell knapp 10 Prozent den höchsten CDS-Spread in der Euro-Zone auf. Zum Vergleich:
Der CDS-Spread für Deutschland liegt seit Jahresanfang konstant bei 0,5 Prozent. "Mit den steigenden Budgetdefiziten wird der Handlungsspielraum für tiefgreifende Reformen immer enger", erklärt Ramberger.

Chancen für Anleger

"In Zeiten wie diesen, wo an den Märkten eine derart hohe Verunsicherung herrscht, empfiehlt es sich, mit beiden Beinen fest am Boden zu stehen und Aktien und Anleihen ausgewogen zu gewichten", erklärt Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal. Renditen von Staatsanleihen befinden sich auf historisch niedrigen Niveaus, die Staatsverschuldung dagegen auf Rekordniveau. Inflation ist weiterhin kein Thema, Dividendenrenditen liegen über Anleiherenditen. Auf der Aktienseite rät die Allianz, Japan über- und die USA unterzugewichten. In Japan belebe das Asien-Exposure die Konjunktur, in den USA winkt 2010 das stärkste Wachstum der entwickelten Länder, die Aktienbewertungen liegen jedoch über jenen anderer Regionen. In Europa und den Emerging Markets ist die Allianz neutral gewichtet: In Europa begünstige die Euroschwäche exportorientierte Unternehmen und Länder. In den Emerging Markets ist hohes Wirtschaftswachstum bei langfristig positiven demographischen Trends ungebrochen. Die Stärkung der Binnenwirtschaft Chinas könnte das Exportmodell ablösen, kurzfristig dürfte sich das Wachstum verlangsamen. Als Risiko lässt sich laut Bruckner Protektionismus charakterisieren, auch eine "Double Dip"-Rezession sei nicht auszuschließen.

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Staatsanleihen unter-sowie Unternehmensanleihen überzugewichten. In den USA und in Japan ist die Allianz untergewichtet: In den USA wurde das Wachstum zuletzt von den Analysten nach oben revidiert, Zinsschritte seien möglich. In Japan bleibt das absolute Zinsniveau weiterhin unattraktiv. Für Europa sowie die Emerging Markets lautet das Anlagevotum "Übergewichten": In Europa bleibt das Wirtschaftswachstum weiterhin niedrig, die EZB werde daher länger als geplant eine Niedrigzinspolitik fahren müssen. Anleihen aus den Emerging Markets verzeichnen höhere Renditen trotz besserer Qualität der Staatsbilanzen. Dabei seien Länder mit hoher Bonität zu bevorzugen.

Für den Gesamtausblick auf das nächste Quartal rät die Allianz weiterhin zur Vorsicht: "Wer als Privatanleger seine Risken in einem volatilen Umfeld begrenzen möchte, sollte auf Diversifikation setzen", so Bruckner abschließend.

Downloads im Internet unter
http://www.unternehmen.allianz.at/presse/news/

Foto: Martin Bruckner ((C) Allianz) - Abdruck honorarfrei
Foto: Mag. Christian Ramberger ((C) Allianz) - Abdruck honorarfrei Pressemeldung als PDF
Handout als PDF

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Marita Roloff
Unternehmenskommunikation
Allianz Gruppe in Österreich
Hietzinger Kai 101-105
1130 Wien
Tel: 01/878 07 - 80690, Fax: - 40261
E-Mail: marita.roloff@allianz.at
Internet: www.allianz.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AEV0001