Von Kunst durchflutet Kunstbericht 2009 liegt dem Parlament vor

Wien (PK) - "Der Staat gewinnt in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die wir derzeit durchlaufen, in vielen Bereichen, aber im besonderen Maße in der Kultur, besondere Bedeutung als verlässlicher, stabiler und der Sache verpflichteter Partner. Ich sehe es als die zentrale Aufgabe meines Hauses, die Rahmenbedingungen für Künstlerinnen und Künstler sowie für Kulturinstitutionen finanziell sicher zu stellen." So leitet Bundesministerin Claudia Schmied den "Kunstbericht 2009" des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ein. (III-166 d.B.)

Dieses klare Bekenntnis zur Verantwortung des Staates für die Förderung der Kunst sei untrennbar verbunden, so Schmied, mit
einem solchen zur Wahrung der Autonomie von Kunst und Kultur. Es gelte zu fördern, zu unterstützen, zu ermutigen, "aber all das, ohne in die Freiheit der Kunst einzugreifen". Deshalb sei in den letzten Jahren die Abwicklung der Förderungen professionalisiert worden. Man habe darauf geachtet, dass alle Entscheidungen transparent und nachvollziehbar seien und dass mehrjährige Förderverträge den Kunstschaffenden und ihren Institutionen maximale Planungssicherheit garantieren.

Kulturpolitische Zielsetzungen

Sodann listet die Ministerin die "wichtigen kulturpolitischen
Ziele" auf, denen die besondere Aufmerksamkeit des Hauses
gegolten habe: "Wir haben den Fokus auf die Förderung junger Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Karriere gerichtet.
Sie werden unter anderem mit Stipendien, Auslandsaufenthalten
oder Galerie- und Messeförderungen unterstützt." Und weiter heißt es im "Kunstbericht" wörtlich: "Als Beispiel dafür stehen die Start-Stipendien, die 90 jungen Menschen aus allen Bereichen der Kunst die Umsetzung ihrer künstlerischen Vorhaben erleichtern und ihnen helfen, in die österreichische und internationale
Kunstszene einzusteigen. Die nachhaltige Beachtung des Gender-Aspekts, auf den wir auch alle Jurys verpflichtet haben, hat dazu geführt, dass bei den Start-Stipendien ein Frauenanteil von 62 Prozent erreicht werden konnte."

Zu den weiteren Zielen zählt die Ministerin schließlich noch die Kunstvermittlung an den Schulen und Kunst in der Lehrerbildung.
Die Gesamtheit der genannten Ziele solle, so Schmied, "zu einem breiten Verständnis für eine offene Kultur führen".

Sodann betont das Regierungsmitglied, dass "wir - ob Ministerin
oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sektionen für Kunst und Kultur" von "Leidenschaft erfasst", sich "auch im Jahr 2009 mit aller Kraft dafür eingesetzt" haben, "Kunst und Kultur zu
pflegen".

Schließlich kommt die Ministerin zum eigentlichen Thema des Berichts, der Kunst, und meint, die Kunstsektion habe "in diesem Jahr eine große Anzahl von Projekten neu entwickelt und
umgesetzt." Besonderer Schwerpunkt sei auf die
Internationalisierung gelegt worden, hätten doch junge KünstlerInnen die Chance erhalten, durch Stipendienprogramme und durch Auslandsaufenthalte "wichtige Schritte nach außen" zu
machen. Auch interdisziplinäre Ansätze seien gefördert worden.

Zusammenfassend hält die Ministerin fest: "Im Bereich der Kunstsektion wurden große, gemeinsame Bemühungen unternommen, die Verhältnisse, unter denen Kunst in Österreich stattfindet, zu verbessern. Für alles, was wir der Kunst geben können, bekommen wir in reichem Maße das zurück, wofür wir uns im Ministerium einsetzen: eine von Kunst und Kultur durchflutete Gesellschaft."

Das Kunstjahr 2009

Insgesamt wurden die Mittel für die heimische Kunst auch 2009 leicht angehoben, sodass im Berichtszeitraum insgesamt 91,3 Mio. Euro zur Verfügung standen. Hauptprofiteur dieser Aufstockung
waren die Festspiele und die Großbühnen, die nunmehr bereits fast die Hälfte aller Kunstmittel auf sich vereinen können, während der international höchst erfolgreiche Film rund 10 Prozent Einbußen gegenüber 2008 hinnehmen musste. Die übrigen Sparten blieben in etwa gleich.

Sechs Institutionen sind es, die wie alle Jahre das Gros der Subventionen zuerkannt bekommen. Das "Theater in der Josefstadt" erhielt 6 Mio. Euro, die "Salzburger Festspiele" 5,6 Mio. Euro,
das Wiener "Volkstheater" 4,6 Mio. Euro, die Philharmoniker 2,3
Mio. Euro, die "Bregenzer Festspiele" 2,3 Mio. Euro und das
"Theater der Jugend" 2 Mio. Euro. Diese Einrichtungen beziehen
rund 30 Prozent aller Budgetmittel.

Der Anteil der Bühnenkunst an den Fördermitteln betrug rund 48 Prozent, jener des Films 24 Prozent. Die Architektur schlägt sich mit knapp 10 Prozent zu Buche, regionale Kulturinitiativen
erhielten etwa fünf Prozent des budgetären Kuchens. Und jeder zehnte Subventionseuro wurde in die heimische Literatur
investiert.

Akzentuierungen betrafen die Bereiche kulturelle Partizipation
und die Förderung des künstlerischen Nachwuchses in allen
Sparten. Wie schon seit geraumer Zeit sind die Mittelzuteilungen auch im vorliegenden Bericht wieder nach dem LIKUS-System
gelistet, was eine bessere Vergleichbarkeit ermöglicht. Dabei
sind auch jene Förderungsbereiche ausgewiesen, die an sich nicht
in den Kompetenzbereich der Kunstsektion fallen. Sie werden
dennoch angeführt, um einen interministeriellen, nationalen und internationalen Budgetvergleich zu ermöglichen.

Literatur

Die Förderung literarischer Vereine und Veranstaltungen nimmt mit 4,75 Mio. Euro den größten Bereich dieser Kunstsparte ein. Die Literaturabteilung fördert die Literaturhäuser in den Bundesländern und die dort ansässigen größeren literarischen Institutionen, die nicht nur wesentlich zum literarischen Leben
im jeweiligen Bundesland, sondern zu einem positiven und
anregenden literarischen Klima in ganz Österreich beitragen. Sie beteiligt sich aber auch an Projekten kleinerer Veranstalter und
an der Finanzierung von Literaturvereinen und Literaturzeitschriften, die für junge Autorinnen und Autoren von besonderer Bedeutung sind.

Heute gibt es in Österreich ein flächendeckendes Netz von Literaturhäusern, Literaturveranstaltern und Literaturgruppen und mit dem Österreichischen P.E.N.-Club, der Grazer Autorinnen
Autoren Versammlung, der Interessengemeinschaft Autorinnen
Autoren und der Übersetzergemeinschaft vier repräsentative Schriftstellerverbände.

Musik

Die Förderung von Orchestern, Musikensembles und größeren Konzertveranstaltern nimmt mit 7,14 Mio. Euro den Löwenanteil in dieser Sparte ein. In der Bundeshauptstadt Wien befinden sich die beiden großen traditionellen Konzerthäuser (Musikverein und Konzerthaus). Die modernen Räumlichkeiten in beiden Häusern
dienen vor allem als Veranstaltungsort für Programmschienen, mit denen neue Publikumskreise (Kinder, Jugendliche usw.) erschlossen werden und aktuelle musikalische Strömungen in das Angebot einbezogen werden können.

Die Zusammenarbeit mit großen Wiener Orchestern wie den Wiener Philharmonikern oder den Wiener Symphonikern und mit diversen Kammermusikformationen ermöglicht eine große Programmvielfalt.
Die Programmgestaltung umfasst neben International-Renommiertem
auch Österreichisch-Innovatives. Etablierte Konzertserien mit prominenten internationalen Orchestern, Dirigentinnen und
Dirigenten sowie Solistinnen und Solisten und eine Anzahl von thematisch strukturierten Einzelprojekten oder spezielle Kinderprogramme runden die Programmpalette ab. Seit Jahrzehnten vorbildhaft im Bereich der Musikvermittlung tätig ist die Musikalische Jugend Österreichs (Jeunesse).

Darstellende Kunst

Die Besonderheit des Theatersystems in den deutschsprachigen Ländern besteht darin, dass es im europäischen Vergleich über eine besonders hohe Theaterdichte verfügt. Dies hat zur Folge,
dass die Theaterbudgets einen Großteil der für Kultur aufgewendeten kommunalen (regionalen) Landes- oder Bundesmittel ausmachen.

Der zur Gänze von der Abteilung 2 zur Verfügung gestellte Betrag von 17,84 Mio. Euro repräsentiert fast 20 % des Budgets der Kunstsektion und liegt damit in der LIKUS-Reihung an erster
Stelle vor dem Film und den Festspielen. Förderungen erhielten
u.a. in Salzburg das Schauspielhaus Salzburg (Elisabethbühne), in Oberösterreich das Theater Phönix und in Wien folgende Bühnen:
Theater in der Josefstadt, Volkstheater Wien, Theater der Jugend, Schauspielhaus, Wiener Kammeroper und Vienna´s English Theatre.

Film

Wie die Literatur ist auch der Film in Österreich durch eine relative Randlage innerhalb einer großen Sprachgruppe geprägt,
die für Kino und Fernsehen einen geschlossenen Markt darstellt.
So hat sich eine der österreichischen Filmkultur angepasste Filmförderungspolitik entwickelt, die die Besonderheiten und die Größe Österreichs ebenso berücksichtigt wie dessen Leistungsfähigkeit bei der Produktion von Spiel-, Experimental-
und Low-Budget-Filmen.

Während sich die Filmförderung durch das ÖFI dem Kinospielfilm (arbeitsteiliger Produktionsprozess, ökonomische Professionalität usw.) widmet, bezog sich 2009 die Filmprojektförderung der Abteilung 3 mit einem Budget von ca. 2,1 Mio. Euro vor allem auf
die Bereiche der Avantgarde, des Experiments, der Innovation, des Nachwuchses und der künstlerisch gestalteten Dokumentation. Neben der Filmherstellung wurden auch die Medienkunst sowie die
nationale und internationale Verwertung der geförderten Filme mitfinanziert und die in der Sparte Film- und Medienkunst tätigen Verbreitungseinrichtungen und Verbreitungsinitiativen, Künstlervereinigungen, Programmkinos sowie die Filmarchivierung, Publikationen und Präsentationen gefördert.

Im Berichtsjahr gab es mit 376 Förderanträgen einen neuen Rekord, wobei die zur Verfügung stehenden Mittel zu 10 Prozent an den Avantgarde-, zu 26 Prozent an den Spielfilm und zu 64 Prozent an Dokumentationen gingen.

Bei den geförderten Institutionen sind besonders der Verleih für künstlerisches Film- und Videoschaffen "Sixpack Film", das Österreichische Filmmuseum, das mit anspruchsvollem
internationalen Programm in der Albertina neue Maßstäbe setzt,
das Österreichische Filmarchiv, dessen vom Bund und dem Land Niederösterreich finanziertes Filmlager in Laxenburg dem österreichischen Filmerbe Raum gibt, und die an der Donau-Universität Krems lozierte Filmgalerie mit ihrem umfangreichen Ausbildungsangebot und der digitalen Restaurierstation hervorzuheben. Um österreichische Kinos, die dem Publikum durch vielfältige Programmierung ein ambitioniertes,
abwechslungsreiches und künstlerisch wertvolles Filmangebot
bieten, in ihrer Arbeit finanziell zu unterstützen, wurden 2009 knapp 450.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Vom ÖFI gefördert wurden 2009 etwa Nikolaus Leytners Verfilmung von Stefan Slupetzkys Roman "Der Fall des Lemming", Wolfgang Murnbergers "Der Knochenmann", Michael Hanekes "Das weiße Band", Michael Glawoggers "Das Vaterspiel" und Reinhard Schwabenitzkys "Furcht und Zittern". In den Genuss von Förderungen kamen auch
die bekannten Regisseure und Regisseurinnen Harald Sicheritz,
Sabine Derflinger, Jessica Hausner und Ulrich Seidl.

Architektur

Architektur und Design bilden gleichfalls einen wichtigen Förderungsbereich. Die Förderungsmaßnahmen zielen darauf ab, die zeitgenössische österreichische Architektur und das heimische Design strukturell zu stärken, einzelne Vorhaben zu fördern, die öffentliche Rezeption zu verbessern, die Diskussion zu vertiefen und ein Problembewusstsein bei den öffentlichen und privaten Bauträgern sowie einer interessierten Öffentlichkeit zu schaffen.

Dazu werden die in allen Bundesländern eingerichteten Häuser und Foren für Architektur maßgeblich mitfinanziert. Diese präsentieren national und international in verschiedenen Ausstellungen nicht nur neuere österreichische architektonische Entwicklungen, sondern veranstalten auch Tagungen, Seminare und Vorträge, führen Baubesichtigungen und Exkursionen durch und bieten Workshops u.ä. für Kinder und Jugendliche an.

Mit dem Architektur Zentrum Wien existiert eine Institution, die auch international als Knotenpunkt der Diskussion über das architektonische Geschehen Beachtung findet. Dieser Umstand hat
dazu beigetragen, den Kommunikationsprozess zwischen
Architektinnen und Architekten, Bauträgern und Baubehörden bzw. mit einem zunehmend größer werdenden Publikum in Gang zu setzen und ihm eine strukturelle Basis zu geben, die einen permanenten Informationsaustausch ermöglicht.

Preise

Wie jedes Jahr gibt auch der vorliegende Bericht wieder einen Überblick über die heimischen Preise und Auszeichnungen. So erhielt Per Olov Enquist den "Staatspreis für Europäische Literatur", Peter Esterhazy den "Manes Sperber Preis" und Lydia Mischkulnig den Förderungspreis für Literatur.

Ein umfangreiches Register mit nützlichen Adressen,
Gesetzestexten und Glossar rundet den Bericht ab. (Schluss)

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