Schönborn: Dichands Tod stellt vor Frage nach Umgang mit Macht

Wiener Erzbischof zelebrierte Requiem für verstorbenen "Krone"-Chef

Wien, 26.06.10 (KAP) "Wie gehen wir mit der uns anvertrauten Macht um?": Diese Frage stellt sich nach den Worten von Kardinal Christoph Schönborn nach dem Tod Hans Dichands. Der am 17. Juni verstorbene Herausgeber der "Kronen Zeitung", habe viel Macht gehabt in einer Zeit, da die vierte Macht im Staat - die Medien - oft zur ersten werde, sagte der Wiener Erzbischof am Samstagnachmittag im Wiener Stephansdom beim Requien für Hans Dichand. Die Seelenmesse sei Ausdruck der christlichen Überzeugung, dass der Tod "nicht Ende, sondern Durchgang" sei, und zugleich Aufforderung, für die Seele dieses "großen, aber gewiss auch umstrittenen Österreichers" zu beten, so Schönborn.

Am Trauergottesdienst für den erfolgreichen Publizisten nahmen neben dessen Familie auch Regierungsvertreter mit Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll an der Spitze teil.

Kardinal Schönborn betonte, dass am "Zahltag" beim Tritt vor Gottes Richterthron weder vorangegangene Wahltage noch die öffentliche bzw. veröffentlichte Meinung eine Rolle spielten, sondern die nach Paulus entscheidende Frage für ein geglücktes, gottgefälliges Leben: "Hast du geliebt?" Hans Dichand habe seine Frau, seine Kinder, seinen Beruf und seine Zeitung ohne Zweifel sehr geliebt. Und er habe auch das Land Österreich leidenschaftlich geliebt "und oft auch aufgeregt", wie Schönborn sagte.

Wer Macht habe, sei mehr als andere bedroht, Wesentliches aus den Augen zu verlieren, so der Kardinal. Dichand habe ein gutes Gespür dafür gehabt, dass Religion und Glaube kostbare Sinnressourcen in einer Zeit seien, die diese dringend braucht. Schönborn wies darauf hin, dass der "Krone"-Chef offen für Anliegen der Caritas und Diakonie gewesen sei, und nannte es "nicht selbstverständlich", dass Dichand dem Evangelium in seiner Zeitung allsonntäglich Platz gab:
"Hat es die restlichen Seiten der Zeitung durchsäuert?", fragte der Erzbischof in Anlehnung an das Bibelwort von Sauerteig und Brot.

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