WirtschaftsBlatt-Leitartikel: ÖVAG: Zurück an den Start - von Christian Kreuzer

Im Finanzministerium schrillen die Alarmglocken immer lauter

Wien (OTS) - Eine klare Strategie sieht anders aus. Seit Monaten versuchen die Volksbanker, für ihr Spitzeninstitut ÖVAG ein zukunftsträchtiges Konzept zu erarbeiten. Wie es nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung aussieht, ist dies klar gescheitert. Dass die Partnersuche mangels Interessenten beendet werden musste, hat sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet. Ohne potenten Partner fehlt dem Institut jedoch das, was es dringend benötigt: Ein Geschäftsmodell, das nicht nur Geld verbrennt, sondern tragfähig für die kommenden Jahre ist. Ob dieser Entwicklung schrillen im Finanzministerium die Alarmglocken immer lauter. Wie zu hören ist, musste ÖVAG-Chef Gerald Wenzel und Aufsichtsratschef Hans Hofinger gestern zum Rapport bei Finanzminister Josef Pröll antreten. Die Angst, noch eine Bank retten zu müssen, beunruhigt den Vizekanzler zusehends. Zwar ist die ÖVAG derzeit noch mit ausreichend Eigenkapital ausgestattet - dank der Staatshilfe -, doch könnte dieses weiter aufgezehrt werden. Anfang 2008 lag es noch bei knapp drei Milliarden Euro, Ende 2009 betrug es dann nur noch 2,1 Milliarden Euro - und das, obwohl die Republik eine Milliarde Euro zur Verfügung stellte. 300 Millionen Euro davon muss die ÖVAG im nächsten Jahr zurückzahlen. Zwar gab es im Aufsichtsrat die grundsätzliche Einigung, in den kommenden Monaten eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Über die Höhe konnten sich die Eigentümer jedoch nicht einigen. Kein Wunder, die DZ Bank, RZB und Ergo wollen auf keinen Fall mitziehen, die Volksbanken müssten somit das gesamte Volumen übernehmen. Doch unter den 63 eigenständigen Volksbanken herrscht große Uneinigkeit.

Daher spielen die Verantwortlichen auf Zeit. Die Immobilien-Tochter Europolis ist verkauft, bei der Investkredit, bei der erhebliche Risiken vermutet werden, hofft man auf einen konjunkturellen Rückenwind. Derzeit ist die Spezialbank unverkäuflich. Sie soll nun voll in die ÖVAG integriert und saniert werden. So richtig wusste man im Konzern ja nie, was man mit der Spezialbank anfangen sollte:
Eigenständig belassen oder doch voll fusionieren - und das mehr als fünf Jahre nach dem Kauf. Konzern-Chef Wenzel und Aufseher Hofinger stehen jetzt wieder ganz am Beginn ihrer Arbeit - und unter steigendem Druck der Aufsichtsbehörden.

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