Gewalt an Frauen ist immer auch Gewalt an Kindern

Frauenhäuser lehnen eine "automatische gemeinsame Obsorge" ab

Wien (OTS) - Justizministerin Claudia Bandion-Ortner plädiert für eine automatische gemeinsame Obsorge nach einer Scheidung für beide Elternteile und will diese Neuregelung morgen bei einer Enquete im Parlament mit verschiedenen ExpertInnen diskutieren.

Die österreichischen Frauenhäuser sehen jedoch keinen Handlungsbedarf für eine Änderung der derzeitigen Obsorgeregelung -weder für eheliche noch für uneheliche Kinder. "Solange Gewalt an Frauen und Kindern in der Familie und in der Beziehung bei der Scheidung wenig bis gar nicht berücksichtigt wird, sehen wir keinen Grund für eine Neuregelung", so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser.

Die Befürchtungen, die schon bei der Einführung der gemeinsamen Obsorge im Jahr 2001 geäußert wurden, haben sich vielfach bestätigt:
Zahlreiche Erfahrungen der Frauenhausmitarbeiterinnen zeigen, dass bei einer gemeinsamen Obsorge die Gewalt kein Ende nimmt. Gewalttätigen Vätern geht es oft nicht um das Wohl der Kinder, sondern häufig um die Fortsetzung der Kontrolle und Machtausübung über die Expartnerin und die Kinder.

Kinder sind direkt oder indirekt immer mitbetroffen bei Gewalt in der Beziehung. Oft werden sie selbst auch misshandelt und erleiden psychische Gewalt indem sie Zeuginnen und Zeugen der Gewalt gegen die Mutter werden. "Noch immer wird der Zusammenhang, dass Gewalt an Frauen/Müttern auch Gewalt an Kindern darstellt, von den Richtern und Richterinnen und von Vertretern und Vertreterinnen der Jugendwohlfahrt nicht dementsprechend ernst genommen, denn in Fällen von häuslicher Gewalt schadet eine gemeinsame Obsorge dem Wohl des/der Kindes/Kinder" weiß die Geschäftsführerin des Salzburger Frauenhauses, Birgit Thaler-Haag.

Frauen, die von Gewalt betroffen sind, müssen die alleinige Obsorge meist erkämpfen, sie müssen ihre eigenen Gewalterfahrungen und die der Kinder beweisen. Oft werden sie erst durch die Unterstützung der Frauenhausmitarbeiterinnen bei Gericht und Jugendwohlfahrt zum ersten Mal ernst genommen.
Migrantinnen geht es meist noch schlechter.

Mit der gemeinsamen Obsorge wurden zwar die Rechte der Väter gestärkt, nicht aber ihre Obsorgepflichten. Frauenhäuser fordern daher, die Sorgepflicht der Väter für ihre Kinder in den Vordergrund zu stellen. Solange es in der Kinderbetreuung soviel Ungleichheit zwischen den Eltern gibt und die Hauptlast im Haushalt und bei der Erziehung bei den Frauen liegt (nur 4% der Kindergeldbezieher sind männlich) wie auch der kürzlich veröffentlichte Frauenbericht des BM für Frauen bestätigt, sehen wir keinen Anlass zur gesetzlichen Änderung der Obsorge, so Maria Rösslhumer.

Frauenhäuser fordern darüber hinaus, dass eine gemeinsame Obsorge entzogen werden kann, wenn die Sorgepflicht für die Kinder nicht eingehalten wird.

Das Wohl der Kinder auf ein gewaltfreies Leben muss im Vordergrund stehen, nicht das Wohl der Väter bzw. das Recht der Väter auf ihre Kinder!

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Maria Rösslhumer, Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, Tel. 0664/ 793 07 89 maria.roesslhumer@aoef.at
Mag.a Birgit Thaler-Haag, Salzburger Frauenhaus, Tel: 0664/ 5864534 office@frauenhaus.salzburg.at

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