"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Tirol Milch muss Chaos beenden" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 23. Juni 2010

Innsbruck (OTS) - Bei der Tirol Milch geht es drunter und drüber. Im Sinne Tausender heimischer Bauern braucht es jetzt rasch einen Befreiungsschlag.

Mit der Beurlaubung von Tirol-Milch-Geschäftsführer Carl-Albrecht Benker haben die Turbulenzen um Tirols mit Abstand größte Molkerei einen neuen Höhepunkt erreicht. Benker, Schwiegersohn des deutschen Müllermilch-Chefs, war erst im Vorjahr als Sanierer geholt worden. Die früher so solide Tirol Milch, die Nummer vier in Österreich, ist seit einiger Zeit auf Talfahrt. Verluste und Rückfall beim Milchgeld auf den letzten Platz waren echte Alarmsignale. Der Chefsessel wurde regelrecht zum Schleudersitz.

Eskaliert ist der Streit um die geplante Fusion mit der Berglandmilch. Benker, der in die Verhandlungen nicht eingebunden war, revoltierte gegen den Zusammenschluss - via TT-Interview und auch bei ranghohen Tirol-Milch-Funktionären, die er bereits teilweise auf seine Seite ziehen konnte. Die Fusion steht Spitz auf Knopf. Obmann Hans Schweiger ließ sich das nicht bieten und setzte den Deutschen an die Luft. Ob die kolportierten Vermutungen und Vorwürfe stichhaltig sind - von geschönten Zahlen bis zur Sorge um Tiroler Rezepturen - müsste wohl erst bewiesen bzw. gerichtlich ausgefochten werden.

An der Tirol Milch hängt die Existenz der Familien von 4000 Tiroler Milchbauern und über 300 Beschäftigten. Allein schon deshalb muss diese Krise rasch beigelegt werden. Daher müssen alle Fakten auf den Tisch. Etwa, ob die Tirol Milch bei entsprechender Führung allein bestehen kann oder nicht. Oder ob sie, wie Benker behauptet, tatsächlich ähnliche Preise zahlen kann wie die Berglandmilch. Zuletzt konnte sie das offenbar nicht, riesige Milchmengen mussten als No-name-Produkte zu Billigstpreisen verramscht werden. Von hochwertigen Tiroler Produkten keine Spur.

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