WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nur beten wird langfristig nicht reichen - von Thomas Pressberger

Trotzdem muss ein erfolgreicher Touristiker gut im Beten sein

Wien (OTS) - Was macht einen erfolgreichen Touristiker aus? In Österreich sollte er gut beten können. Denn jahrein, jahraus muss sich die Branche mit dem Wettergott anlegen, im Winter auf rechtzeitigen und ausreichenden Schneefall und im Sommer auf möglichst keinen Regen hoffen. Die Sonne sollte möglichst das ganze Jahr scheinen - idealerweise auch, wenn es gerade doch regnet oder schneit. In einem Land, in dem das Wetter sich nicht wirklich an Regeln hält, ist das keine einfache Aufgabe.

Die zweite wichtige Eigenschaft: gute Stimmung verbreiten können. Auch Tourismus ist Psychologie. Egal, ob gerade ein Bombenanschlag in einem indischen Hotel verübt wird, ein isländischer Vulkan eventuell ein paar Flugzeugabstürze verursachen könnte, Terroristen auf einer beliebten Mittelmeerinsel ein paar Autos in die Luft jagen - ein Tourismusverantwortlicher muss immer bestens gelaunt verlautbaren können, dass alles halb so wild und eigentlich gar nichts passiert sei, im Gegenteil, den kritischsten Situationen sogar noch etwas Positives abgewinnen können.

In einem Land, in dem der Tourismus 21,4 Milliarden Euro an direkter und indirekter Wertschöpfung bringt und damit 7,7 Prozent Anteil am BIP ausmacht; das trotz winziger Größe in Europa einen Marktanteil von 6,72 Prozent erreicht hat und damit im Ranking hinter Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien auf Platz sechs folgt, sollte man sich ernsthaft überlegen, ob es nicht mehr als Gebete und Optimismus gibt.

Die hohe Fluktuation, der oft mangelhafte Ausbildungsstand oder die ewige Saisoniers-Debatte sind drei Baustellen, die auf der Mitarbeiterseite anzugehen wären. Mit Infrastruktur, die teilweise noch Nachkriegscharme versprüht, wird langfristig kein Gast von einer Fernreise abzuhalten sein. Die Forderung nach steuerlichen Erleichterungen und Unterstützungen für Investitionen sind gut und recht, mit einer Vergünstigung der Autobahnvignette oder Mehrwertsteuersenkung wird es aber nicht getan sein. Zukunftsweisende Ideen sind gefragt, wie in die Angebotsentwicklung zu investieren: Im Burgenland beschäftigen sich Experten damit, Tourismuskonzepte zu erstellen, die sich auf infrastrukturelle und regionale Gegebenheiten beziehen, die sich durch die eigene Interpretation einer Region vom Umfeld abheben.

Vielleicht wäre das eine oder andere Gebet angebracht, um bald mehr von derart innovativen Ideen zu hören. Der Tourismus und das Land könnten es gut brauchen.

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