"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Die Kardinal-Fragen"

Die massive Austrittswelle verlangt den Bischöfen nachhaltige Antworten ab.

Wien (OTS) - Bis zu 80.000 Katholiken werden heuer der Kirche für immer den Rücken kehren. Die jüngste Prognose eines Austrittsrekords steht am Anfang entscheidender Tage für die Kirche in Österreich. Nicht einmal als der Missbrauch-Skandal des Wiener Kardinals Hans Hermann Groer 1995 ruchbar wurde, haben so viele Menschen die Kirche verlassen. Jetzt rächt sich die unaufgearbeitete Vergangenheit in Sachen Gewalt- und Kindesmissbrauch. Fünfzehn Jahre danach meldeten sich noch immer mehrere Hundert Opfer mit Fällen, die meist bereits Jahrzehnte zurückliegen. Für viele Gläubige war es unglaublich, dass dies mitten unter ihnen passieren und so lange verschwiegen werden konnte. Die jüngste Enthüllungswelle löste so eine wahre Massenflucht aus.
Im zweiten Anlauf hat Kardinal Christoph Schönborn mit der Einrichtung einer Untersuchungskommission angemessen reagiert. Bei ihrer Sommertagung wollen die Bischöfe nun ein Maßnahmenpaket für Opfer und Täter erarbeiten. Wenn sie wollen, dass der Damm gegen die Austrittswelle nachhaltig wirkt, werden sie um verbindliche Antworten zu zwei Kardinalfragen nicht herumkommen: Wie hoch wollen sie die Opfer wirklich entschädigen? Und was passiert ganz konkret mit den Tätern?

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