GPA-djp Katzian fordert flächendeckende Überprüfung der Callcenter-Branche

Gewerkschaftliche Aktivitäten für faire Arbeitsbedingungen gehen in die nächste Runde

Wien (OTS) - (GPA-djp/ÖGB) Die Gewerkschaft der
Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) setzt sich seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen in österreichischen Callcentern ein. Mit der Umwandlung zahlreicher Umgehungsverträge in echte Angestelltenverhältnisse ist ein Etappensieg gelungen. Jetzt geht es in die nächste Runde: Die GPA-djp wird sich dafür einsetzen, dass bei Callcentern die Einhaltung der im Kollektivvertrag festgelegten Bestimmungen verstärkt durch die Gebietskrankenkassen und das Arbeitsinspektorat überprüft werden. ++++

"Entgegen der landläufigen Meinung gilt auch für Callcenter-Beschäftigte ein Kollektivvertrag, nämlich der Kollektivvertrag für das Allgemeine Gewerbe. Wir werden in den nächsten Monaten sowohl bei den Gebietskrankenkassen als auch beim Arbeitsinspektorat eine flächendeckende Überprüfung der Callcenter-Branche einfordern", erklärt GPA-djp Vorsitzender Wolfgang Katzian anlässlich einer Pressekonferenz zu Arbeitsbedingungen in Callcentern am 21. Juni in Wien.

Durch eine groß angelegte Informationskampagne im Jahr 2006 konnte die GPA-djp die Zahl der Umgehungsverträge in der Callcenter-Branche deutlich eindämmen. Laut Statistik des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger konnte die Zahl der Dienstnehmer mit freien Dienstverträgen von April 2006 bis April 2010 Österreich weit in etwa halbiert werden. Einige Callcenter Agents, vor allem in externen Callcentern, werden aber nach wie vor nicht angestellt, sondern nur als freie DienstnehmerInnen beschäftigt. Dabei handelt es sich jedoch in fast allen Fällen um Umgehungsverträge.

Aus der täglichen Beratungstätigkeit wissen wir weiters, dass es häufig Praxis ist, entgegen den Bedingungen eines ordentlichen Anstellungsverhältnisses, einfach einen fixen Stundenlohn für geleistete Arbeitzeit zu zahlen, egal wann gearbeitet wird oder wie lange jemand bereits im Callcenter arbeitet - sozusagen flexibles Gehalt und KAPOVAZ durch die Hintertür.

Den Beschäftigten werden damit die im Kollektivvertrag festgelegten Zuschläge und Sondervergütungen für Arbeit in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen vorenthalten. Außerdem werden derzeit Callcenter-Angestellte immer wieder in einer zu niedrigen Verwendungsgruppe eingestuft. Auch die Vorrückungen in die nächste Gehaltsstufe und die Anrechnung von Vordienstzeiten werden Beschäftigten häufig vorenthalten.

Viele Unternehmen beauftragen externe Callcenter. Wir appellieren an alle Unternehmen, bei der Auftragsvergabe verantwortungsvoll vorzugehen und darauf zu achten, ob das jeweilige Callcenter seine Beschäftigten fair behandelt. Jedes Unternehmen wird auch an seinen Geschäftspartnern gemessen. Die GPA-djp schließt auch Verfahren wegen unlauteren Wettbewerbs gegen einzelne Auftraggeber nicht mehr aus.

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