Der Nationale Aktionsplan als Konjunkturpaket und Beschäftigungsmotor

Wien (OTS) - Die Wirtschaftskrise, der damit verbundene defizitäre Staatshaushalt, die hohe Arbeitslosigkeit und eine Reihe von Umweltkatastrophen prägten das Medienbild der letzten Monate. Lösungsansätze zu diesen dringlichen Problemen oder gar langfristige Strategien zu deren Vermeidung finden sich jedoch kaum. Anlässlich der heutigen Pressekonferenz der Erneuerbaren-Energie-Verbände -Österreichischer Biomasse-Verband, IG Windkraft und Photovoltaic Austria - präsentierte man die Antwort: Ein Konjunktur- und Beschäftigungspaket, basierend auf dem Nationalen Aktionsplan der Verbände zum Ausbau der erneuerbaren Energien, der im Gegensatz zur offiziellen Energiestrategie einen engagierten Ausbau vorsieht und so bis 2020 150.000 Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien sichern könnte.

"Der Ausbau der erneuerbaren Energien (EE) nach dem Vorbild des Nationalen Aktionsplans der Verbände ist mit einem gewaltigen Konjunkturpaket vergleichbar. 150.000 Arbeitsplätze im EE-Sektor bis 2020, verbunden mit jährlichen Devisenersparnissen in Milliardenhöhe sowie einem Rückgang der jährlichen CO2-Emissionen um 23 Mio. Tonnen, machen dieses Paket einzigartig. Die Zeit drängt, jede Verzögerung geht auf Kosten von Arbeitsplätzen und Umwelt und damit auch auf Kosten von Lebensqualität und Wohlstand", warnte Hans Kronberger, Präsident von Photovoltaic Austria.

"Wer international auf Dauer erfolgreich sein will, braucht auch einen funktionierenden Heimmarkt. Alleine die österreichische Windkraftbranche exportiert im Jahr Waren und Dienstleistungen im Ausmaß von 350 Mio. Euro", so Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG-Windkraft.

"Der rasche Ausbau der erneuerbaren Wärme würde einem Haushalt im Durchschnitt 300 Euro im Jahr 2020 an Heizkostenersparnis bringen und damit verhindern, dass Armut aufgrund steigender Energiepreise ein neues Problem wird", betonte Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes.

Von der Energiestrategie zum Nationalen Aktionsplan

Kürzlich wurde die österreichische Energiestrategie präsentiert -eine umfassende Darstellung des Energiesystems mit zahlreichen Vorschlägen zur Weiterentwicklung bis 2020. Die Eckdaten sehen vor, dass der Verbrauch gegenüber dem Trend um 200 PJ reduziert und die erneuerbaren Energien bis 2020 um 70 PJ ausgebaut werden sollen.

Was bedeutet die Energiestrategie in puncto Effizienz?

In puncto Effizienz ist der Vorschlag sehr positiv. Es wird große Anstrengungen erfordern, um den Trend zu höherem Energieverbrauch zu brechen und den Verbrauch auf dem jetzigen Niveau zu stabilisieren.

Was bedeutet die Energiestrategie in puncto erneuerbare Energien?

In puncto Ausbau der erneuerbaren Energien sind die Vorschläge dagegen bescheiden. Der Ausbau der Erneuerbaren soll langsamer werden, von knapp 15 PJ/Jahr in den vergangenen drei Jahren auf knapp 6 PJ/Jahr in der Zukunft; der erneuerbare Stromausbau soll in den kommenden 12 Jahren kaum größer sein als in den vergangenen drei Jahren, und das inklusive Wasserkraft. Wenn diese Vorgaben der Energiestrategie die Basis für die künftige Energiepolitik werden, ist zwar ein Fortschritt in puncto Effizienz, aber ein deutlicher Rückschritt beim Ausbautempo der erneuerbaren Energien zu erwarten.

Der Verbändevorschlag zum Nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energien

Der kürzlich präsentierte Nationale Aktionsplan der Erneuerbare-Energie-Verbände - Österreichischer Biomasse-Verband, IG Windkraft Österreich, Kleinwasserkraft Österreich, Photovoltaic Austria, Austria Solar, ARGE Kompost & Biogas Österreich, proPellets Austria - zeigt, dass die positiven Beschäftigungseffekte nur voll ausgeschöpft werden können, wenn auch das volle Ausbaupotenzial der Erneuerbaren - 180 PJ bis 2020 - genutzt wird. Die Energiestrategie berücksichtigt mit 70 PJ deutlich geringere Potenziale. Die folgende Tabelle zeigt eine Gegenüberstellung:

Tab1.: Ausbauvorschläge erneuerbare Energie bis 2020 PJ

Energiestrategie Verbandsvorschlag +70PJ (34%) + 180 PJ (50%) Strom 16,9 79 Wärme 37,0 87 Treibstoffe 16,1 14 Summe 70,0 180

Quelle: Energiestrategie, Bewertung Nationaler Aktionsplan der Verbände

Eine Bewertung zeigt, dass beide Varianten zu Einsparungen für Konsumenten im Wärmebereich, zu einem Rückgang der Devisenausgaben für Energie und zu einer Senkung der C02-Emissionen führen. Im Falle der Variante +180 PJ sind diese Effekte allerdings wesentlich höher, diese Variante führt zu einer Senkung der Ausgaben für Wärme um 1.600 Mio. Euro, zu Devisenersparnissen um 5.900 Mio. Euro und zu einem Rückgang der C02-Emissionen um 23 Mio. Bei einem verlangsamten Ausbau sind diese Effekte wesentlich geringer.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien als Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm

Der wichtigste Gesichtspunkt zur Bewertung der verschiedenen Varianten ist der Effekt auf die Konjunktur und Beschäftigung. Der Verbändevorschlag von plus 180 PJ erneuerbare Energie bis 2020 bedeutet, dass zusätzlich zu 2008 weitere 64.000 Arbeitsplätze entstehen - im Vergleich zu 15.000 im Falle der Variante laut Energiestrategie. Diese Arbeitsplätze entstehen überwiegend durch Nutzung neuer Technologien und verbessern auch die Exportchancen der Wirtschaft.

Es zeigt sich, dass die Umsetzung des Aktionsplans der Verbände jährliche Investitionen von etwa 8 Mrd. Euro, überwiegend aus privaten Mitteln und über Banken finanziert, auslösen könnte. Neben den bereits genannten Arbeitsplatzeffekten wären diese Mittel auch für die heimische Zulieferindustrie von enormer Bedeutung.

Die verstärkte Verwendung öffentlicher und privater Mittel zur Verbesserung der Energieeffizienz und zum Ausbau der erneuerbaren Energien ist daher das beste Konjunktur-, Technologie- und Beschäftigungsprogramm, das zusätzlich einen wichtigen Beitrag zu erhöhter Energiesicherheit bringt. Mit allen Nebeneffekten einschließlich Export werden bis zu 150.000 Arbeitsplätze gesichert.

Der rasche Ausbau erneuerbarer Wärme schafft außerdem die Möglichkeit, auf Heizöl im Wärmesektor schrittweise zu verzichten -eine notwendige Strategie angesichts der eben entstehenden globalen Umweltkatastrophe als Folge der Ölförderung in immer riskanteren Gebieten.

Eine ausführliche Fassung sowie eine Zusammenfassung des Nationalen Aktionsplanes der Verbände für erneuerbare Energie -Österreichischer Biomasse-Verband, IG Windkraft Österreich, Kleinwasserkraft Österreich, Photovoltaic Austria, Austria Solar, ARGE Kompost & Biogas Österreich, proPellets Austria -kann im Internet unter www.biomasseverband.at oder www.igwindkraft.at abgerufen werden.

Rückfragen & Kontakt:

DI Christoph Pfemeter,
Österreichischer Biomasse-Verband,
Tel: +43 1 533 07 97-32,
pfemeter@biomasseverband.at

Mag. Martin Fliegenschnee
IG Windkraft:
Tel: +43 699 1887 78
m.fliegenschnee@igwindkraft.at

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