Offener Brief an die Islamische Glaubensgemeinschaft

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Präsident Schakfeh,
Sehr geehrte Damen und Herren,

In Bezug auf mehrere Erklärungen von Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft, wie Präsident Schakfeh, stellt die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) fest:

Die Dialogkultur zwischen den Glaubensgemeinschaften in Österreich ist in der Tat gefährdet. Nicht jedoch durch das Aufzeigen antisemitischer Vorkommnisse sondern durch das Zulassen und Verharmlosen.

Veranstaltern von Kundgebungen kommt dabei eine besondere gesetzliche und moralische Verantwortung zu, die von ihren Führungskräften aber nicht wahrgenommen wird.

Die IKG hat gerade in den letzten Tagen viele Anrufe und Besuche von Muslimen - insbesondere von solchen, die in ihren Heimatländern politischer Verfolgung ausgesetzt waren - erhalten, die ihre Entrüstung über die während einschlägigen Demonstrationen in Wien vorgebrachte Hetze gegen Juden und Israel äußerten und auf die bedauerliche Duldung und Verharmlosung dieser Vorkommnisse durch offizielle Organe der Muslime hinwiesen.

Die IKG nimmt die Gespräche mit Muslimen weiterhin sehr ernst. Ohne Interna der Islamischen Glaubensgemeinschaft beurteilen zu wollen, möchte die IKG darauf hinweisen, dass ihre Vertretungsbehörden demokratisch, bei einer Wahlbeteiligung jeweils zwischen 50 und 60 %, legitimiert sind. Vielfach wurden wir auf den Umstand hingewiesen, dass dies auf Seite der IGGÖ nicht der Fall ist.

In der Antisemitismusdefinition des EUMC der EU wird die Hetze und Verunglimpfung des Staates Israel in den Antisemitismusbegriff inkludiert:
- Denying the Jewish people their right to self-determination, e.g. by claiming that the existence of a State of Israel is a racist endeavor.

- Applying double standards by requiring of it a behavior not expected or demanded of any other democratic nation.

- Using the symbols and images associated with classis anti-Semitism to characterize Israel or Israelis.

- Drawing comparisons of contemporary Israeli policy to that of the Nazis

- Holding Jews collectively responsible for actions of the State of Israel

In genau dieser Weise wurde auf den Kundgebungen agiert. Gemeinderat Omar Al-Rawi spielte in seiner Rede auf eine gleichzeitige Israel-solidarische Kundgebung an. Allein ein Vergleich der Rede-bzw. Videoaufnahmen der Redebeiträge zeigt, wo gehetzt und wo zum Frieden aufgerufen wurde.

Weiters wurden auf den Kundgebungen Fahnen der Hamas, die bekanntlich die palästinensische Organisation der Moslembrüderschaft ist und auf internationalen Terrorlisten steht, getragen. Seit Jahren wird für Frontorganisationen der Hamas in Wien Geld gesammelt.

Die IKG wurde mehrmals von Muslimen auf die personelle Identität von Funktionären der Islamischen Glaubensgemeinschaft mit der Moslembrüderschaft hingewiesen.

Daher geht die IKG davon aus, dass der antisemitische Inhalt der Charta der Hamas , etwa Artikel 7, bekannt ist:
'Die Stunde des Gerichts wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Sträuchern verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: "Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!"'

Der Holocaust wird von der Hamas als Lüge bezeichnet (z.B. Abdel al-Rantisi: The Holocaust - The Greatest of Lies Funded by the Zionists, 2003.)

Bereits in der Vergangenheit hat die IKG auf die Gefahr von islamistischen Hasspredigern hingewiesen, wurde deswegen angegriffen und wenig später von den tatsächlichen Entwicklungen bestätigt.

All dies Erwähnte kann nicht mit "Israelkritik" abgetan werden, die vollkommen legitim ist, sofern sie nicht mit "doppelter Moral" gegenüber anderen politischen Diskursen erfolgt.

Die Teilnehmer einer gemeinsamen Kundgebung von antisemitischen Islamisten, rechtsradikalen Grauen Wölfen und Linksradikalen als "Antifaschisten" zu bezeichnen, ist lächerlich.

Soll ein interkonfessioneller Dialog sinnvoll sein, kann er nicht gleichzeitig mit der Duldung antisemitischer (oder besser antijüdischer) Hetze erfolgen. In diesem Sinn hat die muslemische Seite auch eine Bringschuld hinsichtlich der Aufarbeitung antisemitischer Stellen im Koran, die auf christlicher Seite hinsichtlich des Neuen Testaments weitgehend erfolgt ist.

Die Belastung des Dialogklimas erfolgt nicht auf Grund unterschiedlicher Meinungen zu Fragen des Nahen Ostens sondern durch Zulassen von Antisemitismus (oder wenn Sie wollen Antijudaismus).

Dr. Ariel Muzicant
Präsident der IKG

Mag. Raimund Fastenbauer
Generalsekretär der IKG

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Israeltische Kultusgemeinde, Tel: (01) 531 04 - 105

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