Hauptversammlung Bundesarbeitskammer gegen unbezahlte Praktika 9

Wien (OTS) - Die Hauptversammlung der Bundesarbeitskammer spricht sich im Interesse von SchülerInnen, Studierenden und AbsolventInnen -einstimmig mit den Stimmen von FSG, ÖAAB, FA und AUGE - gegen eine missbräuchliche Nutzung von Praktika aus. Auch fordert sie die Abschaffung von unbezahlten Praktika sowohl in Bezug auf die - in vielen Ausbildungsordnungen vorgeschriebenen - Pflichtpraktika als auch für Praktika, die dem Berufseinstieg nach einer abgeschlossenen Schul- oder Hochschulausbildung dienen. Darüber hinaus verlangt die Hauptversammlung überprüfbare Qualitätsstandards für Ausbildungspraktika in Lehr- und Studienplänen sowie die Absicherung von Praktika durch sozial- und arbeitsrechtlichen Mindeststandards.

Nach Schätzungen absolvieren in Österreich allein jährlich etwa 130.000 SchülerInnen in den Ferien ein Pflicht- oder fakultatives Praktikum bzw einen Ferienjob. In den letzten Jahren sind Pflichtpraktika zunehmend in die Studienpläne der Hochschulen aufgenommen worden. Darüber hinaus werden Praktika immer mehr zur "Regel", wenn es für Schul- oder HochschulabsolventInnen darum geht, in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Für viele hochqualifizierte MaturantInnen und AkademikerInnen in bestimmten Feldern (zB kreative und soziale Berufe, Medien, NGOs) ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt nur über ein- oder sogar mehrere unbezahlte Praktika möglich.

Bei den Praktika steht nicht immer die Ausbildung oder die Einarbeitung im Vordergrund, sondern die PraktikantInnen übernehmen Hilfstätigkeiten und zum Teil auch qualifizierte Tätigkeiten. Sie erhalten dafür mitunter nicht einmal ein Entgelt oder lediglich ein "Taschengeld" und es fehlen die arbeits- und sozialrechtlichen Absicherungen. Bei den in den Ausbildungen vorgesehenen Praktika mangelt es zusätzlich häufig an einer angemessenen Vor- und Nachbereitung seitens der Bildungsinstitutionen sowie an einer adäquaten Betreuung seitens der Praktikumsanbieter.

Deshalb fordert die Hauptversammlung der Bundesarbeitskammer:
+ Volle arbeits- und sozialrechtlichen Absicherung der PraktikantInnen,
+ Klare Definition von Praktika, (Pflichtpraktikum während der Ausbildung, Praktika nach der Ausbildung sowie die konkreten Inhalte dazu)
+ Festlegung von Standards sowie ein kollektivvertraglicher Mindestlohn und die volle Sozialversicherungspflicht
+ Regelungen in den ausbildungsrechtlichen Vorschriften (Lehrplänen), wonach die hier vorgesehenen Praktika entsprechend vor- und nachbereitet werden
+ Zuständigkeit der Bildungseinrichtungen für die Unterstützung der PraktikantInnen während des Praktikums
+ Klare Regelungen für den Ersatz des Praktikums und Angebot von Ersatzmöglichkeiten an den Bildungsinstitutionen, wenn kein Praktikumsplatz gefunden wird bzw. wenn die arbeits- und sozialrechtlichen Mindeststandards im Rahmen des Praktikums vom Betrieb nicht eingehalten werden.
+ Die Verankerung von arbeits- und sozialrechtlichen Grundwissen in den Ausbildungsplänen der entsprechenden Bildungsformen
+ Das Verbot von unbezahlten Praktika nach einer erfolgreichen facheinschlägigen Ausbildung

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