Ärztekammer fordert Stationsassistenten zur Entlastung von Spitalsärzten

Damit weniger Bürokratie und mehr Zeit für Patienten

Wien (OTS) - Stress, Bürokratie sowie Arbeitsüberlastung machen immer mehr das Berufsleben eines Spitalsarztes aus. Dies ergab eine aktuelle Wiener Spitalsärztebefragung. Demnach werden bereits 34,2 Prozent der Zeit von Spitalsärzten für administrative Tätigkeiten aufgewendet. Die Ärztekammer fordert nun die rasche Etablierung von so genannten Stationsassistenten aus dem nicht medizinischen Bereich, die vieles an Bürokratie abnehmen könnten und außerdem keinen zu großen Kostenfaktor darstellen. ****

Durchgeführt wurde die Studie vom renommierten Institut für empirische Sozialforschung (IFES). In ihrer Grundaussage belegt die Studie zwar eine "generelle Zufriedenheit" der Wiener Spitalsärzte. Allerdings werden steigende physische und psychische Belastungen, lange Arbeitszeiten, aufreibende Nachtdienste sowie verbesserungswürdige Organisationsabläufe in den Krankenhäusern beklagt.

Der Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres, räumt zwar ein, dass in Wien vor allem in den Spitälern des Krankenanstaltenverbunds die Arbeitszeiten und Nachtdienste weniger häufig überzogen werden. Allerdings machten sich der Anstieg der Patientenzahlen und die kurzen Liegezeiten stärker bemerkbar als in den meisten anderen Bundesländern. Hinzu komme die spezifische Situation im Wiener AKH, wo im Schnitt mehr Überstunden geleistet werden, um den Ansprüchen von Forschung und Lehre "wenigstens zu einem Minimum" gerecht zu werden.

Generell steige die Belastungskurven bei den Spitalsärzten, der Verantwortungsdruck werde von vielen als subjektiv stärker als noch vor vier beziehungsweise sieben Jahren empfunden (ähnliche IFES-Befragungen sind in Wien bereits 2003 und 2006 durchgeführt worden, Anm.), die Ausbildungssituation werde vor allem von Turnusärzten als "nicht zufriedenstellend" bezeichnet, so Szekeres.

56-Stunden-Woche im Schnitt für alle Spitalsärzte

Die aktuelle Befragung hat weiters ergeben, dass Ärztinnen und Ärzte im Schnitt 56 Stunden pro Woche und damit nahezu doppelt so viel wie der Durchschnitt der österreichischen Bevölkerung (38 Stunden pro Woche) arbeiten. Turnusärzte arbeiten durchschnittlich 60,8 Stunden pro Woche (mit einem Spitzenwert von 78,5 Stunden), Oberärzte 55,2 Stunden und Fachärzte 52,3 Stunden, wobei es beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Disziplinen gibt.

Mit den Arbeitszeiten in direktem Zusammenhang steht die zusätzliche Arbeitsverdichtung aufgrund von massiven Frequenzzunahmen im stationären, teilstationären und ambulanten Bereich sowie im Besonderen während der Nacht. Nachtdienste werden von den Spitalsärzten vielfach sogar als gesundheitsgefährdend eingestuft. Mit dem Stress in der Nacht gehen Burn-out, Selbstmordgefährdung, Bluthochdruck sowie vermehrte Herzinfarkte einher.

Szekeres befürchtet, dass angesichts der prognostizierten demografischen Entwicklungen der nächsten Jahre die Spitalslandschaft auch in Wien vor einem großen Umbruch stehen könnte. "Wir werden angesichts der Überalterung in spätestens 15 Jahren in der Bundeshauptstadt einen eklatanten Ärztemangel haben", warnt Szekeres. Auch werde es notwendig sein, die Bettenkapazitäten umzuschichten:
"Weniger Akutbetten, dafür mehr Pflegebetten und Investitionen in die klinische Nachbehandlung von älteren Menschen." (hpp)

(Forts.)

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