"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Holenders Vermächtnis"

Ioan Holender wird als Opernchef sehr fehlen - auch als politischer Kopf.

Wien (OTS) - Wer Holender kennt, weiß, dass sich dieser niemals zurückziehen kann. Er wird als Moderator, als Kommentator, als hochkarätiger Senfspender und somit als öffentlich relevante Figur zeitlebens präsent sein. Als Persönlichkeit wird sein Wort weiterhin zählen. Das Gewicht des Opernchefs ist aber bald weg. Ob ihn das wirklich stört? Holender ist stets gleichermaßen engagiert - ob vor Zigtausenden Menschen, in kleinen Gesprächsrunden oder am Tennisplatz.
Mit Holender verabschiedet sich der letzte jener Intendanten, die ihr Amt auch als politische Funktion verstanden haben. Die Peymanns und Mortiers gibt es längst nicht mehr. Im Gegensatz zu diesen hatte Holender eine bedeutend höhere Erfolgsquote.
Er wird nicht nur als Rekordhalter, sondern auch als weltbester Sängerdirektor in Erinnerung bleiben; als Zeltbauer auf dem Dach der Staatsoper; als Hasser des Opernballes; als Verabscheuer der Bussi-Bussi-Gesellschaft; als streitbarer Geist innerhalb und außerhalb der Oper; als Sparmeister; als Widerpart der Regisseure. Unter Ioan Holender war die Wiener Staatsoper eine künstlerisch erstrangige und politisch aktive Institution. Wird's in Zukunft besser oder schlechter? Anders.

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