Moosbrugger: Milchbauern fordern höhere Erzeugermilchpreise

Weniger Anlieferung und mehr Exporte schaffen positive Marktverhältnisse

Wien (OTS) - "International ziehen derzeit die Erzeugermilchpreise an. So ist es nur logisch, dass sie auch in Österreich angepasst werden. Wir müssen jetzt die stabilen Marktverhältnisse nützen, um zumindest einen Teil des Einkommensverlustes aus dem Vorjahr wieder wettzumachen. In den vergangenen Wochen haben nämlich mehrere internationale Handelsketten Preisanpassungen bei einzelnen Milchprodukten angekündigt oder bereits vorgenommen. Dies ist offenbar eine Reaktion auf sinkende Lagerbestände bei Butter und Käse. Mitverantwortlich dafür ist einerseits die weltweit verhaltene Milchproduktion und andererseits der schwache Euro. Dieser macht europäische Produkte am Weltmarkt wieder konkurrenzfähiger, wie man an den steigenden Exportzahlen sieht", verlangt Josef Moosbrugger, Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft der LK Österreich und Präsident der LK Vorarlberg, höhere Erzeugermilchpreise auch für die heimischen Milchbauern.

Weniger Milch erzeugt

In der EU wurde die verfügbare Quote von 146 Mio. t im vergangenen Milchwirtschaftsjahr um 10 Mio. t unterliefert. Das ist mehr als die dreifache Milchmenge, die in Österreich produziert wird. Vor allem die neuen Mitgliedstaaten bleiben deutlich hinter der Quotenlinie zurück. Rumänien erfüllt die Kontingente gar nur mehr zu 65%. Auch die österreichischen Nachbarstaaten Slowakei, Tschechien, Ungarn und Slowenien erzeugen durchwegs um 10 bis 20% weniger Milch, als es ihnen die Quote erlaubt.

Einkommensverlust ausgleichen

"Man darf nicht vergessen, dass die Milchbauern aus dem Vorjahr einen Rucksack mit einem Einkommensminus von rund 25% mitschleppen. Aufgrund der schwierigen Situation geben täglich zwei Bauern ihre Milchlieferung auf. Daher sind alle Anstrengungen zu unternehmen, die Einkommensverluste auszugleichen", unterstreicht Moosbrugger. Ein erster Schritt dazu sei die Auszahlung der Mittel aus dem Milchfonds. EUR 6,05 Mio. würden Ende Juni aliquot zur betrieblichen Quote an die Betriebe ausbezahlt, wobei ein Mindestbetrag von EUR 50,- je Quotenbesitzer vorgesehen sei.

Versorgung sicherstellen

"Angesichts der aktuellen Marktlage sollten positive Signale beim Produzentenmilchpreis verhindern, dass weitere Milchbauern ihre Erzeugung einstellen. Wenn weiterhin eine flächendeckende Bewirtschaftung gewünscht wird und die Landwirtschaft den Produktionsauftrag für hochwertige heimische Milchprodukte erfüllen soll, dann sind dafür wirtschaftliche Erzeugerpreise notwendig", fordert Moosbrugger.

Quotenerhöhung rasch zuteilen

"Im Lichte der aktuellen Marktsituation sollte auch die einzelbetriebliche Zuteilung der Quotenaufstockung, wie im Health Check 2008 beschlossen, umgehend in Angriff genommen werden", verlangte der Milchexperte. Für 2009 wurde diese aufgrund der angespannten Situation am Milchmarkt bekanntlich ausgesetzt. "Die Zuteilung zum jetzigen Zeitpunkt ist ein weiterer Beitrag für eine stabile Marktentwicklung und ein klares Signal, dass Überliefern nicht gefördert wird", so Moosbrugger. Für die aliquote Zuteilung stehen mittlerweile 2% Quotenaufstockung (für 2009 und 2010) zur Verfügung, es geht dabei um insgesamt 58.000 t.

EU-Expertengruppe

Seit Oktober 2009 arbeitet eine EU-Expertengruppe an Maßnahmen zur Unterstützung des Milchsektors. Im Abschlussbericht spricht sie sich nunmehr einerseits für Maßnahmen zur Stärkung der Verhandlungsmacht der Milcherzeuger, aber auch für die Beibehaltung der Intervention von Butter und Magermilchpulver in den nächsten Jahren aus. Moosbrugger begrüßte diese Entscheidung, denn "gerade in Zeiten, in denen die Märkte zunehmend sprunghafter reagieren, können wir nicht auf wirkungsvolle Marktinstrumente verzichten".
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