Lebensmittelproduzenten fordern Praxistest für Herkunftsangaben für Lebensmittel

Wien (OTS) - Morgen stimmt das Europäische Parlament über eine verbindliche Angabe der Herkunft von Lebensmitteln ab. Die österreichischen Lebensmittelproduzenten machen sich in diesem Zusammenhang für einen Praxistest stark.

Tatsache ist, dass schon jetzt die Herkunft von Lebensmitteln oder deren Zutaten verpflichtend anzugeben ist, wenn ohne diesen Hinweis die Gefahr der Irreführung der Verbraucher besteht. Darüber hinaus gibt es spezielle Anforderungen für Rindfleisch, Honig oder Bio-Produkte: Ihre Herkunft ist bereits heute schon verbindlich auf dem Etikett zu deklarieren. Mit der EG-Informationsverordnung sollen Herkunftsangaben auf andere Lebensmittelkategorien bzw. Einzelzutaten ausgedehnt werden.

Herkunftskennzeichnung für unverarbeitete Lebensmittel

Die österreichische Lebensmittelindustrie unterstützt eine verpflichtende Herkunftsangabe für unverarbeitete, landwirtschaftsnahe Produkte, lehnt jedoch eine solche bei höher verarbeiteten Produkten ab. Aufgrund globaler Warenströme und saisonaler Ressourcen- und Qualitätsschwankungen kann die Herkunft der eingesetzten Rohstoffe variieren. So müssten etwa bei Wursterzeugnissen Geburts-, Aufzuchts- und Schlachtort der Tiere angegeben werden. Auch bei sogenannten Monoprodukten wie Tee oder Kaffee wäre eine verbindliche Herkunftsangabe in der Praxis kaum umzusetzen. Denn: Diese bestehen aus Kaffe- bzw. Tee-Mischungen (sog. "Blends"), um eine gleichbliebe Qualität und einen spezifischen Geschmack über das ganze Jahr zu gewährleisten. Die einzelnen Kaffebohnen bzw. Teekomponenten in diesen Mischungen können wiederum aus über 50 verschiedenen Ländern stammen (u.a. Brasilien, Kolumbien, Indien etc.). Je nach Qualität der Ernte, Verfügbarkeit des Rohstoffs oder Preisgestaltung kann sich die Herkunft der Zutaten im Saison-oder gar Wochentakt ändern. Eine verpflichtende Herkunftsangabe der eingesetzten Zutaten auf dem Etikett müsste daher mit einem unverhältnismäßig großen Kostenaufwand laufend auf den Verpackungsfolien geändert werden und würde dem Ziel einer vereinfachten Kennzeichnung entgegenstehen. Der Versuch eine Herkunftskennzeichnung von Zutaten auf sog. Hauptzutaten zu beschränken, scheitert in der Praxis oft an der Frage, was überhaupt als eine solche zu betrachten ist. Was ist z.B. die Hauptzutat oder die wertbestimmende Zutat eines höher verarbeiteten Fertiggerichts wie einer "Asiatischen Gemüsepfanne"? Die österreichischen Hersteller unterstützen daher den Vorschlag der Berichterstatterin des Europäischen Parlaments, Frau Dr. Renate Sommer, eine künftige verbindliche Herkunftsangabe vor ihrer Anwendung einem Praxistest zu unterziehen.

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Geschäftsführer des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie
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