Österreichische Rohstoffplattform warnt vehement vor einer "Rohstoffkrise nach der Krise"

Fordert rasche Umsetzung der EU-Rohstoffinitiative - Nachhaltige Rohstoffversorgung der Industrie in Europa braucht freien, fairen Zugang zu internationalen Rohstoffquellen

Wien (OTS/PWK488) - Die Importabhängigkeit Europas von ausländischen Rohstoffquellen bei mineralischen Rohstoffen ist enorm:
70 bis 90 Prozent aller Rohstoffe in der EU werden importiert, bei vielen Metallerzen und Hochtechnologie-Metallen wie Seltenen Erden ist Europa gar zu nahezu 100 Prozent abhängig von Importen. Diese mineralischen Rohstoffe sind jedoch die Basis für die europäische Grundstoffindustrie.

Einige rohstoffreiche Länder beschränken jedoch systematisch den Zugriff auf die Rohstoffquellen, kaufen massiv zu und dominieren so den Zugang und den Preis auf den Rohstoffmärkten. Die Folge:
Rohstoffe für Europa werden immer knapper und teurer. Die EU-Kommission hat 2008 auf diese Entwicklung mit der so genannten "EU-Rohstoffinitiative" reagiert. Sie soll die langfristige Versorgung der europäischen Industrie mit Rohstoffen sicherstellen. Zwar wurde eine Liste mit den für die Versorgung kritischen Rohstoffen erstellt, konkrete Umsetzungsmaßnahmen fehlen jedoch.

Vor diesem Hintergrund wurde auf Initiative des Fachverbandes Bergbau-Stahl der Wirtschaftskammer Österreich die "Österreichische Rohstoffplattform" gegründet. Die Rohstoffplattform hat zum Ziel, alle Unternehmen und Organisationen, die Interesse an der Förderung und Nutzung mineralischer Rohstoffe haben, zu bündeln und zu vertreten.

"Rohstoffe sind die Basis für die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich und daher gleichermaßen für Forschung, Unternehmen und deren Beschäftigte wichtig", unterstreicht Fachverbands-Geschäftsführer Stiftner bei einer Pressekonferenz heute, Dienstag, mit Thomas Fahnemann, Vorstandsvorsitzender der RHI AG und Sprecher der Rohstoffplattform: "Die derzeitige Situation ist bei vielen Rohstoffen klar wettbewerbsverzerrend. Die Rohstoffinitiative der EU ist eine gute Grundlage. Aber sie muss rasch umgesetzt werden und vor allem auf politischer Ebene müssen aktiv Schritte gesetzt werden."

Weiters müsse in der EU-Rohstoffinitiative der Sekundärrohstoff-/Recycling-Sektor thematisiert werden: "Den heimischen Betrieben geht ein wesentlicher Teil der Sekundärrohstoffe durch nicht-gesetzeskonforme Ausfuhren von Schrott in Drittländer verloren. So werden Bemühungen zunichte gemacht, im jeweiligen Heimatland umweltfreundlich und CO2-schonend zu produzieren", führt Stiftner aus.

Von der "European Minerals Conference" der spanischen EU-Präsidentschaft, die von 16. bis 18. Juni in Madrid stattfindet, erwartet sich die Österreichische Rohstoffplattform wesentliche nächste Schritte. Sie fordert dringend ein:

  • die Beendigung der wettbewerbsverzerrende Situationen im Außenhandel auf politischem Weg
  • langfristige Handelsvereinbarungen mit rohstoffreichen Ländern
  • rasche Umsetzung von Maßnahmen für kritische Rohstoffe sowie für die Gewinnung mineralischer Rohstoffe in Europa
  • Mehr Augenmerk auf Förderung der Recycling-Industrie, Stichwort: Ressourceneffizienz

Darüber hinaus müsse die Versorgung mit Rohstoffen aus heimischen Quellen auch in Zukunft sichergestellt werden", unterstreicht Stiftner. "Dabei müssen die heimischen Bergbaubetriebe - wie auch im Rahmen der EU-Rohstoffinitiative vorgesehen - faire Bedingungen für den Abbau und die Weiterverarbeitung der Rohstoffe vorfinden und die Hürden für die Rohstoffgewinnung sind zu reduzieren. So muss bei der Raumordnung die Möglichkeit der Rohstoffgewinnung und damit die Sicherheit der Arbeitsplätze gleichwertig mit anderen Interessen berücksichtigt werden. Denn gerade österreichische Bergbaubetriebe sind es, die im Bereich Umwelt- und Naturschutz als Vorbild gelten:
Die Gewinnung von Rohstoffen erfolgt im internationalen Vergleich Energie- und CO2-arm. Darüber hinaus wird auf Sicherheit und Gesundheit der im Bergbau tätigen Menschen aktiv Wert gelegt", so Stiftner. Weiters steht die Plattform für die steuerliche Anerkennung der Suche nach und der Untersuchung von Lagerstätten als Forschung.

Die Bedeutung der mineralischen Rohstoffproduktion ist groß: Sie liefert die für die Produktion alltäglicher Gebrauchsgegenstände wie Handys, Autos aber auch für Infrastruktur wie Häuser, Straßen, etc. nicht ersetzbare Rohstoffe. Durch seinen immanenten Einfluss auf die nachgelagerten Industriezweige trägt der Sektor mehr als 30 Prozent zum österreichischen BIP bei.

"Jetzt ist Zeit zu handeln. Denn der Rohstoffbedarf wird in Zukunft sicher nicht kleiner, im Gegenteil", appelliert Stiftner, und Fahnemann ergänzt: "Unternehmen wie RHI brauchen einerseits für ihre Bergbaubetriebe in Österreich optimale Rahmenbedingungen und andererseits EU-weite Maßnahmen in der Rohstoffpolitik, um die Rohstoffversorgung langfristig abzusichern und damit den Produktionsstandort Europa zu erhalten." (JR)

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