Wiener Theologen: "Betteln ist ein Grundrecht"

Grazer "Obdachlosenparrer" Pucher kündigt Klage gegen Bettelverbot in Salzburg an - Scharfe Kritik an rechtspopulistischer Politik

Wien, 11.06.10 (KAP) "Betteln ist ein Grundrecht": Und für dieses Recht einzutreten gehört nach den Worten von Dekan Martin Jäggle zum Selbstverständnis der katholisch-theologischen Fakultät an der Universität Wien. Im Rahmen eines zweitägigen interdisziplinären Workshops zum Thema "Betteln in Wien" wurde deutlich, dass sich die dort versammelten Fachleute aus Theorie und Praxis nicht mit der wissenschaftlichen Analyse des Phänomens Bettelei begnügen, sondern gegen diverse Bettelverbote auch konkret Widerstand leisten: Der Grazer "Obdachlosenpfarrer" Wolfgang Pucher kündigte bei der Tagung eine gerichtliche Klage gegen das im Land Salzburg geltende Bettelverbot an - nach dem bereits erfolgreichen Vorgehen gegen das Verbot im steirischen Knittelfeld.

Pfarrer Pucher berichtete von seinem langjährigen Engagement für die vor allem aus der Ostslowakei kommenden Roma-Bettler, die seit 1996 im Grazer Stadtbild präsent sind, und auch von seinem Bemühen um Verständnis in der einheimischen Bevölkerung. Er sei selbst mit Klischees aufgewachsen, dass "Zigeuner" ein "arbeitsscheues Gesindel" und nur auf Diebstahl bedacht seien. Die Wahrheit sei schreckliche Not, die sich z.B. im Heimatdorf der Bettlermigranten, Hostice, gezeigt habe, nachdem Pucher Kontakt mit den Roma gesucht hatte.

Scharfe Kritik übte Pucher an rechtspopulistischen Politikern, die -oft gegen besseres Wissen - mit Unterstellungen gegenüber den Roma-Bettlern auf Stimmenfang gingen. Eine sechsmonatige Recherche der Grazer Polizei, ob es in Graz "organisierte Bettelei" mit dahinter stehenden kriminellen Ausbeutern gibt, habe keine Hinweise erbracht, so Pucher.

O-Töne von Pfarrer Pucher und Dekan Jäggle können in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene heruntergeladen werden.

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