"KURIER"-Kommentar von Ricardo Peyerl: "Beschämend"

Die Opfer sind nicht auf Geld aus, prompt speist sie die Kirche mit Almosen ab.

Wien (OTS) - Bei der Klasnic-Kommission zur Klärung der Missbrauchsfälle in der Kirche haben sich in den ersten sechs Wochen seit ihrem Bestehen 193 Opfer gemeldet (Bericht im Chronik-Teil ab Seite 21).
"Nur" 193? Abgesehen davon, dass jeder Missbrauch in jedem einzelnen Fall ein Leben zerstört hat, darf der mäßige Zustrom nicht wundern. Zu schmerzlich ist noch in Erinnerung, wie 1995 mit dem ehemaligen Zögling umgegangen wurde, der Kardinal Groer des Übergriffes beschuldigte: Die Kirche unterstellte dem Opfer damals sexuelle Fantasien.
Viele Opfer können die Hemmschwelle, sich jemandem anzuvertrauen, nicht überschreiten. Manche können nicht einmal mit ihrem Ehepartner darüber reden.
Wenn sie den Schritt eines Tages doch schaffen, wie jene 193 Opfer bei der Klasnic-Kommission, sind sie in erster Linie nicht auf eine Anzeige oder Bestrafung des Täters aus. Auch nicht unbedingt auf Schadenersatz. Sie wollen, dass endlich die Wahrheit ans Licht kommt, dass man ihnen glaubt, dass jemand die Schuld bekennt.
Trotzdem sind die 100.000 Euro, welche die Kirche - nein, nicht gleich, erst nach gemächlicher Absegnung durch die Bischofskonferenz - in einen Opferfonds einzuzahlen bereit ist, ein beschämendes Almosen.

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