Wirtschaftsfaktor Gesundheitswesen 3: IHS - Studie zu Wertschöpfungs- und Wachstumseffekten von Gesundheit 2

Wachstumseffekte von Gesundheit

Wien (OTS) - Durch eine Anhebung des Gesundheitsniveaus der österreichischen Bevölkerung wird die Produktivität des Faktors Arbeit erhöht. Zur Quantifizierung der volkswirtschaftlichen Effekte wurden zwei Ansätze herangezogen: der Humankapital-Ansatz und TaxLab, ein am IHS entwickeltes Gleichgewichtsmodell, das die österreichischen Institutionen der Makroökonomie abzubilden vermag.

Der Humankapital-Ansatz beantwortet die Frage, inwieweit die österreichische Volkswirtschaft an Produktivkraft verlöre, lägen heute die Gesundheitsverhältnisse der Bevölkerung wie im Jahr 1980, 1990 und 2000 vor. Diese ceteris paribus-Betrachtung erfasst die Effekte, welche durch Änderungen in den Krankenständen und der vorzeitigen Sterblichkeit aus dem Arbeitsprozess verursacht werden. Insgesamt sind Veränderungen der Morbidität produktivitätsrelevanter, da ein hoher Teil der durch medizinische Interventionen gewonnenen Lebenszeit im nicht-erwerbsfähigen Alter anfällt. Das durchschnittliche BIP pro Kopf dient zur Bewertung der jetzigen Wirtschaftsleistung der eingesetzten Arbeitskraft. Die Ergebnisse im Kern: Herrschten die Anwesenheiten und Sterblichkeiten der Jahre 1980, 1990 bzw. 2000 in der Gegenwart vor, so wäre das BIP im Jahr 2007 um 5,2%, 3,2% bzw. 1,8% niedriger ausgefallen. Der statische Humankapital-Ansatz vermag jedoch im Gegensatz zum TaxLab-Modell Auswirkungen auf wichtige Indikatoren für Wachstum wie bspw. Beschäftigung, Kapitalstock und Konsumverhalten nicht abzubilden.

Mit Hilfe des makroökonomischen Gleichgewichtsmodells TaxLab wurden daher die Auswirkungen von unspezifisch reduzierten Gesundheitsausgaben und des dadurch verursachten schlechteren Gesundheitsniveaus der Bevölkerung auf die österreichische Wirtschaft simuliert. In den jeweiligen Varianten wurde eine 5%-ige Reduktion der öffentlichen Gesundheitsausgaben zusammen mit einer kompensierenden Steuersenkung unterstellt. Die Auswirkungen auf Bevölkerung, Beschäftigung und BIP variieren mit den jeweiligen Annahmen hinsichtlich der Form der Finanzierung und Wirkungsgrad der Gesundheitsausgaben auf den Gesundheitszustand. Bspw. würde gemäß der Variante mit Pauschaltransfers zu den privaten Haushalten und 50% Wirkungsgrad das BIP pro Erwerbsfähigem um 0,25% sinken, das BIP pro Kopf stiege hingegen um 0,26%. Grund für die unterschiedliche Entwicklung des BIP pro Kopf und BIP pro Erwerbsfähigem liegt in der Schrumpfung der österreichischen Bevölkerung. In der Variante mit Umsatzsteuerreduktion legt das BIP pro erwerbsfähiger Person um 0,1% leicht zu. Das Makro-Modell vernachlässigt dabei jeweils den Nutzen, den eine längere Lebenserwartung für die Personen selbst bedeutet, und der in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen wäre.

Die in dem Modell angenommene Reduktion der öffentlichen Gesundheitsausgaben erfolgte unspezifisch, d.h. es wurden effiziente sowie ineffiziente Mitteleinsätze gleichermaßen reduziert. Es ist allerdings aufgrund der evidenten Ineffizienzen im österreichischen Gesundheitswesen davon auszugehen, dass es beträchtliche Einsparungs-und Umschichtungspotenziale gibt, die ohne negative Wirkungen auf Gesundheit und Wirtschaft zu realisieren sind. (Schluss)

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