Wirtschaftsfaktor Gesundheitswesen 2: IHS - Studie zu Wertschöpfungs- und Wachstumseffekten von Gesundheit 1

Wien (OTS) - In der öffentlichen Wahrnehmung spielt das Gesundheitswesen in Österreich vor allem als Kostenfaktor und "Problemkind" eine Rolle. Tatsächlich sind Anreize zu Effizienz in der Leistungserbringung und eine modernisierte Steuerung wichtige Bereiche einer zukünftigen Reform. Gleichzeitig ist das Gesundheitswesen aber auch integrativer Bestandteil der österreichischen Wirtschaft und wichtig für den Erhalt der Produktivitätskraft der Erwerbstätigen. Zwei von der Österreichischen Ärztekammer beauftragte Studien des Instituts für Höhere Studien -IHS haben diese Aspekte nun eingehend untersucht.

Das Gesundheitswesen kann in mehrfacher Hinsicht ökonomisch relevante Effekte erzeugen. Zum ersten deckt es den Bedarf der Bevölkerung nach Hilfe und Behandlung im Krankheitsfall. Zum zweiten ist das Gesundheitswesen Wirtschaftssektor der österreichischen Wirtschaft und Teil der Wertschöpfungskette, wodurch Arbeit direkt in Bezug auf Gesundheit aber auch in anderen Sektoren geschaffen wird. Zum dritten ist der Output des Gesundheitswesens, nämlich die Gesundheit der Menschen, ihrerseits ein wichtiger Inputfaktor für die gesamte Wirtschaft - Erhaltung der Arbeitskraft - und Voraussetzung für die hohe Produktivität der österreichischen Arbeitskräfte.
Somit entfaltet das Gesundheitswesen in Österreich abgesehen vom individuellen Nutzen aus Gesundheit zusätzlich Wertschöpfungs- und Wachstumseffekte, welche wir in den genannten Studien quantifizieren konnten.

Wertschöpfungseffekte von Gesundheit

Der Gesundheitsbetrieb selbst bewirkt Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte, sowohl direkt durch die im Gesundheitswesen beschäftigten Personen und die von ihnen produzierten Leistungen, als auch indirekt durch Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte bei vorgelagerten Gütern und Dienstleistungen. Weiters gelangt ein Teil des dadurch zusätzlich verfügbaren Einkommens über den Konsum in die in- und ausländische Wirtschaft. Daraus folgen wiederum Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte. Auch fiskalische Effekte werden durch höhere Beschäftigung und Wertschöpfung sowohl direkt, indirekt als auch konsuminduziert erzielt.
Der ökonomische Nutzen, der von den Ausgaben des österreichischen Gesundheitswesens ausgelöst wird, wurde in der vorliegenden Studie für das Jahr 2006 quantifiziert. Dabei wurden die laufenden Gesundheitsausgaben, die Investitionen des österreichischen Gesundheitswesens sowie die Exporte von österreichischen Gesundheitsdienstleistungen und -gütern untersucht. Als Methode wurde die Input-Output-Analyse eingesetzt, um die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen und in den einzelnen Wirtschaftszweigen berücksichtigen zu können.
Folgende Ergebnisse konnten ermittelt werden: Die 2006 insgesamt getätigten Gesundheitsausgaben (laufende Ausgaben, Investitionsausgaben, Exporte) lösten in Österreich einen Wertschöpfungseffekt in Höhe von 22,5 Milliarden Euro aus. Dies entspricht etwa 9,7 Prozent der gesamtösterreichischen Wertschöpfung im Jahr 2006. Weiters wurden durch die Gesundheitsausgaben mehr als 445.000 Vollzeitarbeitsplätze generiert, was einem Anteil von 12,5 Prozent an der gesamtösterreichischen vollzeitäquivalenten Beschäftigung entspricht. Zudem flossen 10,4 Milliarden Euro in Form von Steuern und Abgaben an die öffentliche Hand zurück, dies entspricht etwa 9,3 Prozent der gesamten öffentlichen Einnahmen an Steuern und Sozialbeiträgen. (Forts.)

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