Gesamtkonzept für wohnortnahe Gesundheitsversorgung ist gefragt

Präsident der NÖ Ärztekammer bekräftigt die Bedenken des Landeshauptmanns zu geplanten Krankenhausschließungen

Wien (OTS) - "Regionale Bedürfnisse in Bezug auf die Gesundheitsversorgung eines Bundeslandes müssen in jedem Fall bei der Planung berücksichtigt werden", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. Damit schließt er sich den Aussagen von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll an, der massive Kritik an den Schließungsplänen von Spitälern unter 300 Betten geäußert hat. "Unser erfahrener Landeshauptmann weiß ganz genau, was die Menschen brauchen. Nämlich wohnortnahe Versorgung in allen medizinischen Bereichen. Hier kann sicherlich der Wiener Zentralraum nicht mit dem Waldviertel über einen Kamm geschoren werden", so der Ärztekammerpräsident.

Juristen und Bürokraten ziehen abstrakte Grenzen

Die von Bürokraten und so genannten Ökonomen erdachte 300-Betten-Grenze für eine angebliche Rentabilität von Krankenhäusern ist für Präsident Dr. Reisner genauso abstrakt wie etwa die 6-Kilometer-Grenze zu öffentlichen Apotheken für den dauerhaften Bestand von ärztlichen Hausapotheken. "Die individuelle geografische und strukturelle Situation erfordert eine Einschätzung nach Augenmaß. Und nicht eine sinnentleerte Verfügung von oben rein nach messbaren Größen, was in unterschiedlichen Gebieten Österreichs für die Patientinnen und Patienten zu dramatisch unterschiedlichen Auswirkungen führt. Wenn etwa zum Beispiel im Waldviertel alle Spitäler unter 300 Betten geschlossen würden, wären die Probleme für die Bevölkerung massiv."

Diese Diskussion steht für Präsident Dr. Reisner jedoch nicht im Widerspruch zu Gedanken, im Zuge von Neubauten Krankenhäuser auch zusammenzulegen, wenn das medizinisch und in Bezug auf die Versorgung Sinn macht. "Man muss jedoch in jedem Fall ganzheitlich denken, also auch die immer schwieriger werdende Besetzung von Planstellen im ärztlichen Bereich in diese Gedanken mit einbeziehen."

Nur regional abgestimmte Gesamtkonzepte führen zum Ziel

Aus der Diskussion ist für Präsident Dr. Reisner auch erkennbar, dass die Rolle des niedergelassenen Bereichs für die wohnortnahe Versorgung ebenfalls mitbedacht werden muss. "Die Stärkung der Struktur durch Sicherung der Kassenplanstellen ist ebenfalls unentbehrlich. Nur wenn dies parallel durchdacht wird, wird man zu einer funktionsfähigen Gesamtstruktur kommen."

Er bekräftigt somit die Meinung des Landeshauptmanns, wonach nur ein Gesamtkonzept abgestimmt auf regionale Besonderheiten zum gewünschten Ziel führt: "Nicht die Größe von Spitälern ist entscheidend, sondern deren sinnvolle Einbindung in die bestehende medizinische Versorgung. Wir bieten in diesem Zusammenhang gerne eine Diskussionsrunde auf medizinischer Expertenebene im Rahmen der NÖ Ärztekammer an", fasst Präsident Dr. Reisner zusammen.

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