Sima: Millionenstadt Wien als Lebensraum für Tiere und Pflanzen

"Natur ist in. In Wien.": Tag der Artenvielfalt am 12. Juni in Wien

Wien (OTS) - "Wien ist mittlerweile zu einem echten Hotspot der Artenvielfalt geworden", zieht Umweltstadträtin Ulli Sima anlässlich des bevorstehenden "GEO-Tag der Artenvielfalt" am 12. Juni eine positive Bilanz über die Maßnahmen zum Erhalt der vielfältigen Lebensräume für Tiere und Pflanzen in Wien.

"Natur ist in. In Wien.": Mehr als die Hälfte der Stadtfläche ist Grünraum

Wien zählt mit über 51 Prozent Grünfläche zu den "grünsten" Millionenstädten der Welt. "Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Grünraumpolitik der Stadt. Wir werden mit gezielten Maßnahmen den Grünraum weiter ausbauen und auch für die nächsten Generationen schützen," versicherte Ulli Sima.

"Unter dem Titel 'Natur ist in. In Wien' wollen wir gemeinsam mit den Wienerinnen und Wienern die Grünräume in Wien noch weiter ausgestalten, damit die Artenvielfalt in der Millionenstadt fördern und somit die Lebensqualität in unserer Stadt weiter steigern", ergänzte Sima. So fördert die Stadt Wien beispielsweise 1.000 neue Alleebäume, verdoppelte den Fördertopf für Dach- Innenhof- und Vertikalbegrünung, forciert die Fassadenbegrünung und verteilte für diesen Zweck sogar 20.000 Gratis-Kletterpflanzen.

Sechs Arten - sechs Beispiele für Artenschutz in Wien

Amphibientunnel für die Erdkröte

Die Erdkröte ist in Wien nach der Wiener Naturschutzverordnung streng geschützt und steht auf der "Roten Liste" Österreichs. Voll ausgewachsen erreichen die Weibchen eine Körperlänge von bis zu 15 cm, die Männchen sind nur halb so groß. Man findet sie unter anderem im Prater, im Wienerwald, in der Lobau oder am Bisamberg. Kröten sind hervorragende Schädlingsbekämpfer im Garten. Sie ernähren sich von Würmern, Schnecken, Asseln, Spinnen und Insekten.

Die Stadt Wien schützt Erdkröten und andere Amphibien durch Tunnelanlagen und Leitsysteme (im Prater in der Aspernallee und am Exelberg) bei ihren Frühjahrswanderungen vor dem Tod durch den Straßenverkehr.

Ideale Lebensräume für die Smaragdeidechse

Diese große und schlanke Eidechse bevorzugt trockene Waldränder, Weinberge sowie Felssturzflächen. Sie erreicht eine Gesamtkörperlänge bis zu 40 Zentimeter. Die anfangs hellbraunen Jungtiere erhalten ihre Namen gebende Farbe erst im Laufe der ersten Lebensjahre. Die Smaragdeidechse benötigt trockene und warme Lebensräume. In Wien findet man sie z. B. im Weinbaugebiet im 19. Bezirk und in Wien-Mauer.

Die Wiener Umweltschutzabteilung hat im Rahmen von "Netzwerk Natur", dem bereits vor zehn Jahren entwickelten Wiener Arten- und Lebensschutzprogramm, eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz von Eidechsen entwickelt. Gemeinsam mit freiwilligen HelferInnen und Weinbauern und -bäurinnen wurden z. B. in den Weingärten in Liesing sogenannte Lesesteinhaufen freigelegt und dadurch neue Biotope geschaffen. Weinbauern werden ausführlich darüber informiert, was die Smaragdeidechse und andere Eidechsenarten zum Überleben brauchen. Reisig und Steine wurden in den Weingärten aufgetürmt, zusätzlich wurden Hundsrosen- und Brombeersträucher gepflanzt.
Das Land Wien führt auch Projekte im Rahmen der ländlichen Entwicklung in der Wiener Weinbaulandschaft durch. Diese umfassen Trockensteinmauerbau, Obstbaumpflanzungen und spezielle, standortgerechte Heckenpakete. Dabei handelt es sich um von der EU und vom Bund ko-finanzierte Projekte. Weitere Projekte für 2010 und die folgenden Jahre sind in Planung.

Trockenrasen für Frühlings-Adonisröschen

Das streng geschützte Frühlings-Adonisröschen kommt aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Die Blütezeit reicht von April bis Mai. Man findet es in Wien auf den Trockenrasen am Bisamberg oder auf der Himmelwiese in Wien-Mauer.

Um die gefährdeten Trockenrasen und deren Artenvielfalt erhalten zu können, ist eine regelmäßige Pflege notwendig, wie sie z. B. im LIFE-Natur Projekt Bisamberg durchgeführt wird. Durch das Entfernen des Buschwerks, so genannten Schwendungsmaßnahmen, werden die Trockenrasen wiederhergestellt.
Hervorragende Arbeit leisten in diesem Zusammenhang Ziegen. Seit dem Frühjahr 2007 wird von der MA 49 eine Ziegenherde am Bisamberg eingesetzt und betreut.

Artenreiche Wiesen bieten Lebensraum für Aurorafalter

Er ist der hübscheste "Weißling" Mitteleuropas. Die Flügeloberseiten beider Geschlechter sind weiß, bei den Männchen befindet sich auf der Spitze der Vorderflügel der Namen gebende orange Fleck - Aurora, Göttin der Morgenröte.

Artenreiche Wiesen bieten Lebensraum für zahlreiche Schmetterlingsarten. Um den Artenreichtum auf den Wiener Wiesen zu fördern, hat das Forstamt der Stadt Wien Pflegepläne erarbeitet, die festlegen, wann und wie oft eine Wiese gemäht und wann ein Einsatz von Kompost erfolgen soll. Besonders deutlich wird der Artenreichtum im Mai, wenn viele der vom Aussterben bedrohten Orchideenarten in der Lobau blühen.

Auch die Wiener LandwirtInnen tragen als PartnerInnen der Stadt Wien dazu bei, die Artenvielfalt zu erhalten. Im Projekt "Lebensraum Acker" werden von der Wiener Umweltschutzabteilung Verträge mit Wiener LandwirtInnen abgeschlossen. Diese nehmen Felder ganz oder teilweise aus der Nutzung. Durch entsprechende Pflegemaßnahmen verwandeln sich diese in artenreiche Wiesen.

Wien, die Hauptstadt der Fledermaus

Wien ist eine der fledermausreichsten Großstädte Europas. Von den 26 in Österreich vorkommenden Fledermausarten leben 21 in Wien, von der so genannten Mopsfledermaus über das "Große Mausohr" bis hin zum "Kleinen Abendsegler." Alle in Wien vorkommenden Fledermausarten stehen unter strengem Naturschutz. Bei den jährlich veranstalteten "Fledermausnächten" können die Tiere bei der Insektenjagd beobachtet und mittels Ultraschall-Detektoren sogar gehört werden.

Für einige ausgewählte in Wien lebende Fledermaus-Arten werden im Rahmen von "Netzwerk Natur" Schutzprogramme durchgeführt. Im Bereich städtischer Wohnhäuser und Grünanlagen wurden bei Renovierungsarbeiten die Lebensräume für Fledermäuse mitbedacht. So wurden z. B. am Hernalser Friedhof und bei einer Wohnhausanlage in der Hirschstettner Straße Nistkästen für Fledermäuse angebracht. Die ExpertInnen der MA 22 arbeiten auch beratend mit Wiener Wohnen zusammen.

Ansiedlung des Habichtskauz

Um den Habichtskauz in den Wiener Wäldern wieder anzusiedeln, arbeitet das Forstamt der Stadt mit dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zusammen. Die Auswahl der österreichischen Freilassungsorte fiel auf die Schutzgebiete "Biosphärenpark Wienerwald" und "Wildnisgebiet Dürrenstein", die aufgrund ökologisch besonders wertvoller Waldbestände den Neuankömmlingen optimale Überlebensbedingungen bieten.

Große Vielfalt auf kleiner Fläche

Wien nimmt mit einer Fläche von 415 km2 nur rund 0,5 Prozent der Gesamtfläche Österreichs ein. Auf dieser vergleichsweise kleinen Fläche sind viele in Österreich vorkommenden Tierarten zu finden. So sind etwa von den 109 in Österreich vorkommenden Säugetier-Arten rund 68 Prozent in Wien vertreten, darunter Biber, Ziesel, Feldhamster, Dachs und Haselmaus. 36 Amphibien- und Reptilienarten gibt es Österreich. Rund 78 Prozent dieser Arten kommen auch in Wien vor, wie z. B. Zauneidechse und Smaragdeidechse. In Wien leben heute 278 Vogelarten und 131 verschiedene Tagfalter. Über 2.400 verschiedenen Pflanzenarten bietet die Stadt Lebensraum.

"Artenschutz bedeutet vor allem, dass wir den Lebensraum für Tiere und Pflanzen schützen müssen. Dazu haben wir in Wien auch hervorragende gesetzliche Instrumente. Geplante Eingriffe in Landschaftsschutzgebiete werden von uns geprüft und gegebenenfalls auch verboten. Wir wollen aber auch die Herzen der Menschen erreichen und vermitteln, dass sich Natur in Wien nicht nur in den Schutzgebieten, sondern auch in kleinen Grünoasen inmitten der Stadt entwickeln kann", so Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung - MA 22.

Briefmarkenblock zur Artenvielfalt in Wien

Gemeinsam mit Georg Pölzl, Generaldirektor der Österreichischen Post, wurde rechtzeitig zum Tag der Artenvielfalt auch die Briefmarken-Edition "Artenvielfalt in Wien" vorgestellt. Der aus 20 unterschiedlichen Marken bestehende Markenblock zeigt in Wien heimische Tiere und Pflanzen und ist zu einem Preis von 19.90 Euro in ausgewählten Postfilialen erhältlich. "Auch die Österreichische Post AG will zum 'Internationalen Jahr der Artenvielfalt' ihren Beitrag leisten. Mit einer limitierten Auflage von 3.000 Exemplaren wurden 20 Motive aus der Flora und Fauna von Wien auf einem Briefmarkenblock abgebildet. Auf Briefen und Postkarten aufgeklebt tragen sie dazu bei, Wiens Artenvielfalt noch bekannter zu machen", so Post-Generaldirektor Pölzl. Alle Motive stammen von Wienerinnen und Wienern, die als Sieger eines Fotowettbewerbs zum Thema Artenvielfalt hervorgegangen sind.

Tag der Artenvielfalt: Größte Feldforschungsaktion in Mitteleuropa

Der Tag der Artenvielfalt, 1999 durch das Magazin GEO ins Leben gerufen, will Menschen für die Naturvielfalt in ihrer nächsten Umgebung sensibilisieren.

Der Tag der Artenvielfalt hat sich in den letzten Jahren zur größten Feldforschungsaktion in Mitteleuropa entwickelt. Im Jahr 2009 haben weltweit mehr als 25.000 Naturbegeisterte mitgemacht.

Am Tag der Artenvielfalt, Samstag, 12. Juni findet von 13.00 bis 18.00 Uhr das "Fest der Artenvielfalt" mit einem umfangreichen Kinder- und Familienprogramm auf der Pappelteichwiese im Maurer Wald statt. ExpertInnen stehen Rede und Antwort bei Fragen rund um die Natur und deren Schutz. Neben Tipps zum Erhalten und Fördern der Artenvielfalt im eigenen Garten oder am Balkon, können beim Pflanzenmarkt Raritäten für den Obst- und Gemüsegarten erstanden werden. Während des ganzen Nachmittags gibt es Führungen zum Erkunden der Naturvielfalt in Mauer.

Wien-Mauer: Ein "Hot Spot" der Artenvielfalt in Wien

Wien-Mauer liegt im Süden von Wien und ist einer von vielen "Hot Spots" der Artenvielfalt in Wien. Natürliche oder renaturierte Fließgewässer, Teiche, Tümpel und Wiesenbäche, Feuchtwiesen, Trockenrasen, Weingärten, Eichen-Tannen-Wälder, Buchenwälder und viele Lebensräume mehr sind die Grundlage für eine außergewöhnliche Vielfalt. Einige Tier- und Pflanzenarten kommen in Wien sogar nur hier vor. Zu den Raritäten des Gebietes zählen Orchideen-Ehrenpreis, Südliches Lungenkraut, Silber-Rohrkolben, Steinröserl, Mauereidechse, Wachtelkönig und Blauauge.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder

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Dr. Mathilde Urban
Wiener Umweltschutzabteilung - MA 22
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