Mankell im NEWS-Interview über Israel und den neuen Antisemitismus

Weiterer Wallander-Roman ist doch möglich

Wien (OTS) - "Wir überlegen, Israel vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen. Was die gemacht haben, ist Piraterie und Kidnapping. Und sie filmten uns als Gefangene. Das ist gegen die Genfer Konvention. Jeder spricht von den tapferen israelischen Soldaten, aber das sind Diebe. Sie haben uns alles gestohlen. Mein Geld, meine Kreditkarte, meine Kleider, alles ist weg. Das muss bestraft werden. Die Soldaten waren genau auf uns vorbereitet. Die wussten, wer ich bin. Einer der Soldaten gab besonders Acht, dass mir nichts passiert. Die wussten alles über jeden." So kommentiert der schwedische Autor Henning Mankell in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe seine Verhaftung durch israelische Truppen.

Mankell sieht im Gefolge der Aktion die Gefahr eines neuen Antisemitismus: "Das Risiko ist sehr groß. Die Israelis haben dem Antisemitismus die Türen geöffnet. Aber ich werde dagegen kämpfen." Könnte er nicht selbst als Frontfigur dieser Entwicklung missbraucht werden? "Man geht immer ein Risiko ein, wenn man eine Meinung hat. Aber ich habe keine Angst davor. Ich werde weiter den Dialog suchen." Auch Attacken, wie Peter Handke sie nach seinem Engagement im Jugoslawien-Krieg erdulden musste, fürchtet er nicht: "Mir ist das egal. Ich stehe, wofür ich stehe. In Deutschland waren mehr als tausend Leute bei meinen Lesungen. Sie reagierten total positiv. Warum sollte ich mir Sorgen machen? Aber ich verstehe nicht, weshalb ich der einzige Schriftsteller an Bord war. Natürlich kann ich von keinem Kollegen etwas verlangen. Aber als Intellektueller muss man Aktionen setzen, nicht nur Worte."

Zuletzt lässt Mankell in seiner Eigenschaft als Autor aufhorchen:
Bisher hatte er stets ausgeschlossen, dass sein an Alzheimer erkrankter Kommissar Wallander nach dem aktuellen Band "Der Feind im Schatten" nochmals wiederkommen könnte. Nun sagt er zu NEWS: "Er hat noch immer ein paar Jahre vor sich. Und er würde mich noch erkennen. Er ist noch nicht ganz tot und könnte 105 Jahre werden. Aber er wird in seine eigene Welt gehen." Die Frage, ob ein weiterer Band möglich wäre, beantwortet Mankell mit "vielleicht".

Rückfragen & Kontakt:

Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NES0001