Greenpeace-Kritik am Gentechnik-Vorstoß der EU-Kommission

Nur wenn Europa gentechnikfrei wird, kann es auch Österreich dauerhaft bleiben

Brüssel/Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert den aktuellen Vorschlag der EU-Kommission, den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) zukünftig von den Mitgliedsstaaten selbst entscheiden zu lassen. Greenpeace zufolge würde dieser Vorschlag in Zukunft nämlich eindeutig zu mehr Anbau von GVO in Europa führen.

Nachdem der Handel mit Saatgut und Lebensmitteln grenzüberschreitend stattfindet, würde die Gefahr von Verunreinigungen in Österreich deutlich steigen. "Da kommt ein Wolf im Schafspelz auf uns zu, denn Gentechnik macht an keiner Landesgrenze halt", meint Gentechnik-Sprecher Philipp Strohm von Greenpeace. "Internationalen Problemen mit nationalen Lösungsvorschlägen zu begegnen, ist ganz sicher der falsche Weg. Die EU-Kommission sollte vielmehr ihre Hausaufgaben machen und endlich die einstimmige Forderung des EU-Umweltrates nach einer Verbesserung der Risikoabschätzung umsetzen", so Strohms Forderung.

Der aktuelle EU-Vorstoß sieht zwar vor, gentechnik-kritische Länder wie Österreich den Anbau national leichter verbieten zu lassen. Umgekehrt heißt das aber, dass gentechnik-affine Staaten deutlich einfacher GVO-Saatgut einsetzen könnten - wodurch der Anbau europaweit steigen würde. Ein einschlägiges Beispiel dafür ist die lange Zeit unentdeckt gebliebene Aussaat von Genmais in gleich sieben deutschen Bundesländern, wie Greenpeace vor kurzem erst aufdeckte. Überdies ist noch nicht endgültig geklärt, ob nationale Verbote überhaupt den Regeln der Welthandelsorganisation WTO standhalten können.

Bereits im Dezember 2008 forderte der EU-Umweltrat die Kommission einstimmig auf, die Risikoabschätzung zu verbessern, regionale Unterschiede zu berücksichtigen und die Auswirkungen von Pestiziden, die im Kontext mit Gentechnik eingesetzt werden, zu untersuchen. Nichts davon ist bislang geschehen. Doch erst wenn die Risikoabschätzung auf europäischer Ebene verbessert wird, kann darüber nachgedacht werden, ob nationale Anbauverbote nun sinnvoll sind oder nicht. Ansonsten landen die Versäumnisse der Europäischen Union über sämtliche Ländergrenzen hinweg letztlich doch noch in unseren heimischen Lebensmitteln.

"Wir brauchen auf europäischer Ebene deutlich mehr Engagement, um ein gentechnikfreies Europa erreichen zu können", appelliert Greenpeace-Sprecher Strohm. "Die Ratsempfehlungen müssen endlich umgesetzt werden, denn nur wenn Europa gentechnikfrei wird, kann es auch Österreich auf Dauer bleiben", so Strohm abschließend.

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Mag. Philipp Strohm, Greenpeace CEE; Tel.: 0664-6126721

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