"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Spitäler und die leeren Kassen" (Von MICHAEL SPRENGER)

Ausgabe vom 9. Juni 2010

Innsbruck (OTS) - Hat Österreich zu viele Kleinspitäler? Die Experten sagen Ja, die Länderchefs streiten dies ab. Naturgemäß.

Wenn von Reformen die Rede ist, macht sich ein Unbehagen breit. Verständlich, brachten doch viele Reformen der vergangenen Jahre Verschlechterungen. Diese jüngste Erfahrung paart sich zudem mit einem Alles-soll-so-bleiben-wie-es-ist-Konservativismus der Funktionärsriege. Insofern wundert es wenig, dass die Aussagen von SPÖ-Staatssekretär Andreas Schieder über die gesundheitspolitische und ökonomische Sinnhaftigkeit von Kleinspitälern gleich auf Ablehnung stößt.

Wie schon bei früheren Spitalsreform-versuchen sind es auch dieses Mal die Länder, die aufschreien. Gehören doch die Spitäler zu den Prestigeobjekten der Landeshauptleute. Diese sind es auch, die dann gleich einen versuchten Anschlag auf den Föderalismus und die Versorgung der Bevölkerung erkennen.

Doch die Politik weiß aufgrund vieler Expertenpapiere schon lange, dass es in Österreich zu viele Kleinspitäler gibt. Für den früheren Tilak-Direktor und langjährigen Spitalsmanager Max Laimböck befindet sich die Gesundheitspolitik "in einer Sackgasse". Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Österreich eines der besten Gesundheitssysteme habe, verweist Laimböck auf eine OECD-Studie, wonach die Österreicher für das fünftteuerste Gesundheitssystem der Welt "nur durchschnittliche Ergebnisse" erhalten. Doch darüber will niemand reden.

Natürlich haben jene Landespolitiker Recht, die behaupten, dass es nicht sein kann, einfach Kleinspitäler zu schließen - und so einen Bezirk auszuhungern. Doch dies hat Schieder auch nicht behauptet. Aber die Prüfung der Sinnhaftigkeit von manch einem Kleinspital muss erlaubt sein, der Druck der leeren Kassen wird dies auch erzwingen. Um es mit den Worten Lampedusas zu sagen: "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert."

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