"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "An der Nebenfront"

Die Fusion von Krankenkassen klingt gut, bringt aber herzlich wenig.

Wien (OTS) - Die Bauern haben eine; auch die Eisenbahner, ja
selbst Angestellte der Landeshauptstädte Linz und Graz dürfen eine eigene Krankenkasse konsultieren. 35 Krankenversicherungsträger gibt es im Land, sie alle brauchen Personal, verursachen Kosten.
Auf den ersten Blick erscheint es sinnvoll, den Kantönligeist zu beenden und Kassen zu fusionieren.
Wer hofft, man könne die finanziellen Probleme im Gesundheitssystem damit beheben, irrt aber gewaltig. Denn unter allen Ausgaben sind die Verwaltungskosten mit drei bis vier Prozent eine vernachlässigbare Größe.
Nicht falsch verstehen: Jeder Euro, den man hier spart, zählt -er bleibt den Patienten. Die "großen Brocken" aber sind andere: Die Spitäler (ein Drittel der Ausgaben, rund vier Milliarden Euro) sowie Ärzte und Medikamente.
Wollen wir das Gesundheitssystem nachhaltig reformieren, müssen wir uns endlich darüber unterhalten, warum Bundesländer innerhalb weniger Kilometer Krankenhäuser betreiben - obwohl Schwerpunktspitäler medizinisch wie ökonomisch klüger wären. Und wir sollten darüber reden, warum niedergelassene Ärzte danach bezahlt werden, wie viele Eingriffe sie vornehmen - obwohl sie eigentlich für medizinische Qualität belohnt gehören. Die "Fusionsdebatte" ist bloß eine Nebenfront.

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