Voodoo - Klassenmedizin durch Kassenmedizin!

Wien (OTS) - Da wurde uns also von der SVA zur Kenntnis gebracht, wie innovativ und menschlich von der SVA an die Bedürfnisse der Kranken herangegangen wird. Es wurde eine zuwendungsorientierte Medizin propagiert, durch welche der Behandlungserfolg verbessert werden soll.

Nun wollen wir doch einmal die Zuwendungsmedizin analysieren, der hier ganz offensichtlich der Vorrang vor der angeblich im Vordergrund stehenden Apparatemedizin gegeben werden soll. Es gibt Patienten mit Krankheiten aus dem seelischen Bereich, die einer intensiven Betreuung bedürfen und die nicht alleine medikamentös, sondern auch mit zeitaufwendigen Gesprächen behandelt werden müssen - also Zuwendungsmedizin. Dafür mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen erscheint mir ein Gebot der Stunde zu sein, weil unter anderem der mitverantwortliche psychische Druck am Arbeitsplatz immer größer wird.

Aber bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, bei Herzkrankheiten, Nierenkrankheiten, neurologischen Krankheiten, um nur eine kleine Auswahl der in den Ordinationen hauptsächlich anzutreffenden Krankheiten zu nennen, wird die fromme Zuwendung nicht ausreichen, um eine Besserung herbeizuführen. Gerade hier ist die Apparatemedizin gefragt, hier wird die moderne Medizin mit all ihren technischen Möglichkeiten benötig - vom umfassenden Labor über EKG, Ultraschalltechnik, Radiologie bis hin zur Magnetresonanztomographie. Der Erfolg dieser Medizin ist unübersehbar!

Die Patienten würden sich schön bedanken, wenn man die Therapie eines Bandscheibenprolaps oder einer Meniskusläsion ohne entsprechende Abklärung durch die modernsten medizintechnischen Methoden alleine der Zuwendungsmedizin zuführen würde. Das wäre nicht moderne Medizin sondern Rückbesinnung in Richtung Voodoo!Aber vielleicht steckt Strategie dahinter: Zuwendungsmedizin kostet primär auf jeden Fall weniger als die diversen Abklärungsmethoden der Schulmedizin, das sekundäre Siechtum als Folge des Mangels an moderner Medizin, wie es noch vor 100 Jahren unvermeidlich war, wird natürlich nicht kommuniziert.

Ich habe den Eindruck, dass man knallharte Sparmaßnahmen, Einschränkung moderner Diagnostik und Therapieformen zur Gewinnsteigerung im Kassenbereich, durch Ablenkung auf wohlklingende Traumbilder schönreden möchte. Zuwendungsmedizin ist also mit Einsparung moderner Medizin zu übersetzen

Es ist nicht populär, den Patienten eine MRT des Kniegelenkes oder eine CT des Gehirns zu verweigern, wenn zB. gerade diese Untersuchungen als das Nonplusultra der Diagnostik in den Medien propagiert wurden. Das möchte man lieber uns überlassen.

Über eines müssen wir uns im Klaren sein:
wenn all diese Methoden nicht mehr eingesetzt werden sollen und moderne Medikamente nicht mehr verabreicht werden dürfen, uns also die Segnungen der schwer erkämpften modernen Medizin nicht mehr zur Verfügung stehen sollen, resultiert daraus die Extremform der Zwei-Klassenmedizin: die Vermögenden leisten sich die Segnungen der modernen Medizin und die Armen bekommen den Voodoodzauber der Zuwendungsmedizin zu spüren.

So ist es also um eines der reichsten Länder der Welt bestellt! Das neue Motto: Klassenmedizin durch Kassenmedizin

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