Brav gelernt, aber trotzdem auf der zweiten Spur - von Liane Pircher

Kassa, Wahl oder Spital: Junge Ärztinnen werden benachteiligt. Von selbst wird sich nichts ändern. Es braucht Unterstützung.

Innsbruck (OTS/TT) - Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für den Arztberuf. Beim Medizinstudium ist der Anteil der Studentinnen von unter 50 Prozent in den 80er Jahren auf zuletzt 60 Prozent gestiegen. Bei der politisch umstrittenen ärztlichen Turnusausbildung beträgt der weibliche Anteil über 60 Prozent. Das ist gut. Diese vielen jungen, motivierten Frauen haben alles richtig gemacht:
Matura, Studium, Praxis in der Klinik. Keine von ihnen rechnet wahrscheinlich damit, dass sie in einigen Jahren hinter ihren männlichen Kollegen herrennen wird.
In der Realität wird es aber so sein. Egal, ob niedergelassene Medizinerin oder Spitalsärztin. Frauen haben schlechtere Chancen. Von den 14.132 Spitalsärzten sind in Österreich 6861 Frauen. Damit ist knapp die Hälfte der Spitalsärzteschaft weiblich, jedoch ist nur jede Zehnte eine Primaria. Wenig Frauen gibt es in operativen Fächern, in der Chirurgie und der Urologie. Seitens der Österreichischen Ärztekammer heißt es, dass man bestrebt sei, dies zu verbessern. Von Tiroler Seite heißt es, dass sich das "von selbst regeln wird". Schließlich würden die jungen Medizinerinnen automatisch nachrücken, wenn in den nächsten Jahren viele Ärzte in Pension gehen. Diese Aussage ist zu einfach, wenn nicht gar naiv optimistisch. Die Hierarchie der Ärzteschaft ist zu sehr nach alten, patriarchalen Strukturen gestrickt. Ein System, das für Medizinerinnen vor allem zum Stolperstein wird, wenn sie auch Zeit für ein Kind haben wollen. Nicht zuletzt deshalb sind Frauen lieber Wahlärztinnen. Da haben sie freie Zeiteinteilung und können Familie und Arbeit besser organisieren. Auch die Spitalsträger werden nicht auskommen, mit Förderprogrammen und neuen Arbeitszeitmodellen das verkrustete System in ein modernes Zeitalter zu heben. Der Druck dahingehend wird größer werden. Er wird von der Mehrzahl einer neuen Ärztegeneration kommen:
den Frauen.

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