"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Frauen verdienen mehr als nur ein Transparenzchen" (Von NINA WERLBERGER)

Ausgabe vom 3. Juni 2010

Innsbruck (OTS) - Meilenstein ist die gesetzlich verordnete Einkommenstransparenz ab 2011 keiner. Aber sie ist ein Anfang.

Alle Firmen mit mehr als 25 Beschäftigten hätten intern offenlegen sollen, wie viel ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdienen. Weigerten sich die Chefs, sollte es Sanktionen hageln. Mit diesem Plan wollte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek für einen Großteil der Frauen Einkommenstransparenz schaffen. Nun haben die Mühlen der Sozialpartnerschaft das Ansinnen der Ministerin gründlich gemahlen und übrig bleibt: ein Transparenzchen à la Österreich, das dem Großteil der Arbeitnehmerinnen vorerst nicht helfen wird.

Nur Großbetriebe, solche mit mehr als 1000 Mitarbeitern, müssen die Gehälter ab 2011 offenlegen. Im Endausbau sollen ab 2014 alle Unternehmen ab 150 Beschäftigten die Gagen auszeichnen. Sanktionen gibt es keine. Daher dürfte in den Chefetagen kein großes Zittern ausbrechen. Die Hoffnung der Ministerin, dass ein "Schneeballeffekt" auch in den kleinen Firmen für Transparenz sorgen wird, ist angesichts des bisherigen Platzens aller Lippenbekenntnisse jedenfalls eines: optimistisch.

Ein Schritt in die richtige Richtung ist der verpflichtende "Einkommensbericht" für Großbetriebe trotzdem allemal. Bleibt offen, ob er ausreichen wird, um der Rekordgehaltsschere in Österreich wirklich etwas entgegenzusetzen.

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