"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Tourismus unter Strom" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 03.06.2010

Wien (OTS) - Die Wirtschaftsforscher drängen auf eine weitere Privatisierung der Landes-Elektrizitätsgesellschaften; mit dem Erlös könnten Schulden zurückgezahlt oder Zukunftsinvestitionen in die Bildung finanziert werden.

Die Länder wehren sich mit Händen und Füßen, und wer die jüngsten Entwicklungen in Vorarlberg verfolgt, versteht die Gründe: "Es gibt Gespräche des Landes mit der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV), sich über die Illwerke-Gruppe mit einer Kapitalerhöhung bei der Hochjochbahn im Montafon stärker zu engagieren", hat Landeshauptmann Herbert Sausgruber kürzlich erklärt. Damit sollte verhindert werden, dass die BTV zum Alleineigentümer der Hochjochbahnen wird.

Die Illwerke-Gruppe als verlängerter Arm der Landesregierung? Nach dem Aktiengesetz geht das nicht: Vorstandsmitglieder müssen eigenverantwortlich handeln und sind an keinerlei Weisungen gebunden. Theoretisch zumindest: Ein Vorstand, der die erklärten (oder zumindest leicht erahnbaren) Wünsche des Mehrheits- oder gar Alleineigentümers ignoriert, wird bald Probleme bekommen.

Das mag auch erklären, warum der Stromkonzern seinerzeit auf Wunsch des Landes den ÖBB den Bregenzer Hafen abgekauft hat. "Investitionen in Grund und Boden sind in Krisenzeiten eine sichere Wertanlage", argumentierte jüngst Illwerke-Direktor Ludwig Summer. Mag sein. Ob das auch für Hafenanlagen gilt, ist zweifelhaft. Sicherheitshalber definiert die Landeselektrizitätsgesellschaft den Tourismus (neben der Stromproduktion) jedenfalls als "Kerngeschäft" der Gruppe.

So geht?s natürlich auch. Ehrlicher und politisch korrekter wäre es, würde das Land selbst die Verantwortung für durchaus berechtigte touristische oder stadtplanerische Anliegen übernehmen und die Illwerke/Vkw-Gruppe das tun lassen, was sie am besten kann: Strom produzieren und verkaufen. Bei anderen Aktivitäten ist sie schon mehrfach und kräftig auf die Nase gefallen.

Ausbaden müssen das die Stromkunden, und zwar auch dann, wenn sie sich als Vorarlberger nicht beklagen können: Die Illwerke/Vkw sind trotz diverser Verlustgeschäfte österreichweit unter den billigsten Stromanbietern.

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