Entwicklung des Fachhochschulsektors ist eine Erfolgsgeschichte Wissenschaftsausschuss diskutiert über Bericht des Fachhochschulrats

Wien (PK) - Zwar sei der österreichische Fachhochschulsektor noch relativ jung, doch habe er sich in den letzten 15 Jahren sehr dynamisch entwickelt, so das Fazit des Berichts des Fachhochschulrats (III-132 d.B.), dessen Diskussion den Eingang
in die heutige Tagesordnung des Wissenschaftsausschusses bildete.

Diesem Resümee schlossen sich auch die beiden vom Ausschuss geladenen Experten Leopold März (Präsident des Österreichischen Fachhochschulrates) und Kurt Koleznik (Generalsekretär der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz) an. Im Rahmen ihrer einleitenden Stellungnahmen sprachen sie sich nicht nur für die geplante Novelle des Fachhochschulstudiengesetzes (FHStG),
sondern auch für die Implementierung eines Systems zur Qualitätssicherung aus. Geht es nach März, so solle die Abänderung des FHStG dem Fachhochschulrat (FHR) auch stärkere Eingriffsmöglichkeiten im Zuge der Etablierung neuer Betreiber zugestehen. Koleznik forderte in diesem Zusammenhang vor allem
die Wahrung der organisatorischen Flexibilität, die Stärkung der Autonomie der Fachhochschulen und eine wirksamere Einbindung der Studierenden.

Was die Implementierung einer Qualitätssicherung für den gesamten tertiären Bereich anbelange, so müssten hier die Prinzipien Unabhängigkeit und Gleichheit im Vordergrund stehen, zeigten sich die Experten einig. Außerdem sei es wichtig, von einem modernen Verständnis von Qualitätssicherung auszugehen, indem man
Kontrolle als Chance zur Prozessoptimierung begreife, stellte
März fest. Im Rahmen der Ausarbeitung eines neuen Fachhochschulplans gelte es, so der Präsident des FHR, u.a. an
der Verbesserung der regionalen Koordinierung und der Forcierung
der bereits gut funktionierenden fachhochschulischen Forschung zu arbeiten. Koleznik sprach sich außerdem für eine moderate Erhöhung bei den FH-Studienplätzen aus.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl zeigte sich mit der
Entwicklung des Fachhochschulsektors in hohem Maße zufrieden. Seinen Erfolg führte sie auf das Bestehen eines umfangreichen berufsbegleitenden Angebots, große Praxisnähe, die vorhersehbare Studiendauer und die Klarheit des Berufsbildes, auf das ein FH-Studiengang hinauslaufe, zurück. Sie wolle das Angebot an FH-Studienplätzen deshalb bis 2030 schrittweise auf 50.000 Plätze erweitern. Mit dieser Erhöhung reagiere man vor allem auf den von Seiten der Wirtschaft angemeldeten Bedarf an Fachkräften, so
Karl. Die Vielfalt, die den österreichischen Hochschulraum charakterisiere, solle jedoch bewahrt werden, weshalb es im Zuge
der Erstellung eines Hochschulplans darum gehe, klare Funktionen
und Ziele für die einzelnen Hochschultypen zu definieren. Trotz
der Bewahrung ihrer Eigenheiten müssten Universitäten und Fachhochschulen aber verstärkt im Rahmen wissenschaftlicher Kooperationen zueinander finden, betonte Karl. Es gelte deshalb auch, die Durchlässigkeit zwischen den hochschulischen Institutionen zu optimieren.

Dass die Entwicklung des Fachhochschulsektors eine
Erfolgsgeschichte ist, stand für alle Fraktionen fest. Dennoch nahmen vor allem FPÖ und Grüne kritisch auf die Zahlen des Berichts Bezug. Unter Hinweis auf den diesbezüglichen Rechnungshofbericht, der bei den Fachhochschulen eine zu niedrige Mitfinanzierungsquote der Wirtschaft konstatiert hatte, kam Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) unter anderem auf die
schwierige budgetäre Situation mancher FH-Standorte zu sprechen.
Er erkundigte sich daher nach Maßnahmen zur Behebung dieser Schieflage. G-Abgeordneter Kurt Grünewald sprach von "rührender Bescheidenheit" des FHR, was seine Wünsche an die
Bundesministerin anbelange. Ein "moderater Ausbau" des FH-Sektors sei keine großartige Zielsetzung, so der Redner. Dass sich der Bericht des FHR in seinen Fußnoten selbst relativiere, zeige ihm, dass die hier präsentierten Zahlen hinterfragt werden müssen. Das berufsbegleitende Angebot der FH sei grundsätzlich gut, doch
müsse eine ausgewogene Mischung zwischen Teil- und
Vollzeitstudien gewährleistet sein. Für die Universitäten könnten umfangreiche berufsbegleitende Angebote derzeit kein Thema sein,
da die vorhandenen Personalressourcen dafür nicht ausreichten, hielt Grünewald in Richtung der Ministerin fest.

Dass die Wirtschaft nicht mehr zur Finanzierung beitrage, sei bedauerlich, meinte Koleznik, doch dürfe man nicht übersehen,
dass von dieser Seite umfangreiche Leistungen in den FH-Sektor fließen. So stellten Unternehmen Praktikumsplätze und stützten die fachhochschulische Forschung. Wenn man von einem "moderaten Ausbau" spreche, stelle man nicht zu geringe Forderungen an die Bundesministerin. Den Fachhochschulen müsse es auch möglich sein, jene Studienplätze "abzuholen", die man von Seiten der Politik bereitgestellt bekomme. Außerdem habe die Entwicklung der letzten 15 Jahre gezeigt, dass langsames Wachstum positive Effekte habe
und die Herausbildung von Massenfächern verhindere.

Was das Bereitstellen berufsbegleitender Angebote anbelange, so hätten auch die Universitäten in einigen Fächern Möglichkeiten gefunden, verstärkt Berufstätige anzusprechen, meinte Bundesministerin Karl. Der Ausbau von E-Learning und Blended-Learning, für den man den Universitäten finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt habe, solle ebenfalls auf eine bessere Vereinbarkeit von Studium und Beruf abzielen, so Karl. Für März stand hingegen fest, dass die Bereitstellung berufsbegleitender Angebote für die Universitäten zukünftig kein so großes Thema sein werde wie die Frage der Durchlässigkeit. Hier gelte es vor allem Maßnahmen zu setzen, um den Übertritt von einer Universität auf eine Fachhochschule und umgekehrt zu erleichtern. Diese Auffassung teilte auch Abgeordneter Kurt Grünewald (G), der forderte, den Universitäten in dieser Hinsicht "auf die Finger zu schauen". Darüber dürfe man aber nicht die schwierige personelle Situation an den Universitäten aus den Augen verlieren, die durch solche "Übertritte" noch verschärft werde.

Die Frage von Ausschussobmann Martin Graf (F), wo ein "moderater Ausbau" ansetzen werde, beantwortete die Bundesministerin unter Hinweis auf noch durchzuführende Bedarfserhebungen. Grundsätzlich wolle man dort erweitern, wo die Wirtschaft einen Bedarf an AbsolventInnen anmelde, hielt sie in Richtung Abgeordnetem Grünewald fest, der darauf verwiesen hatte, dass die BewerberInnenquote klar zeige, wo es weiterer Studienplätze bedürfe. FHR-Präsident März ortete einen solchen Bedarf bei den technischen Fächern, doch seien die Bedürfnisse regional unterschiedlich, weshalb er in diesem Bereich die Regionalpolitik gefordert sah.

V-Abgeordnete Anna Franz zeigte sich erfreut darüber, dass die Fachhochschulen eine gute soziale Durchmischung bei ihren Studierenden erreicht haben, obwohl es in diesem Bereich Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren gebe. S-Abgeordnete Andrea Kuntzl bewertete auch die im Vergleich zu den
Universitäten hohe Zahl an Studierenden mit nicht klassischem Bildungszugang positiv. Für Karl stand fest, dass diese
Entwicklung auf das andere Zugangssystem zurückzuführen sei: Bei den Fachhochschulen bestimme schließlich nicht die abgebende Einheit über eine Aufnahme, sondern die aufnehmende.

B-Abgeordneter Rainer Widmann verlieh seiner Sorge Ausdruck, dass enge wissenschaftliche Kooperationen zwischen Fachhochschulen und Wirtschaft zu einer Vernachlässigung der Grundlagenforschung führen könnten. FHR-Präsident März warnte in diesem Zusammenhang explizit davor, Grundlagenforschung zu einem Hauptthema für die Fachhochschulen zu machen, da sonst eine Verwässerung des ihnen zugrundeliegenden Konzepts drohe. Dieser Auffassung schlossen
sich auch Kurt Koleznik und Bundesministerin Karl an, die sich
für Kooperationen zwischen Universitäten und Fachhochschulen im Forschungsbereich aussprachen.

Was den ebenfalls von Widmann angesprochenen Anteil von FH-AbsolventInnen betreffe, die direkt nach Abschluss ihres Studiums einen Arbeitsplatz finden, konnte Koleznik keine genauen Zahlen nennen, doch stellte er fest, dass Arbeitslosigkeit in diesem
Sektor kein großes Thema darstelle. Auch gebe es kein Problem mit leer stehenden Studienplätzen, merkte März in Beantwortung einer Frage von Abgeordnetem Walter Rosenkranz (F) an, man sei voll ausgelastet.

Kritik am noch nicht Vorliegen des neuen Fachhochschulplans äußerte S-Abgeordnete Andrea Kuntzl. Sie wollte daher wissen, welche Vorbereitungen in diesem Zusammenhang getroffen wurden. Wissenschaftsministerin Karl versicherte, das Prozedere werde
noch vor dem Sommer abgeschlossen. Es sei ihr wichtig gewesen,
den Plan zusammen mit dem FHR und der Fachhochschulkonferenz zu erarbeiten. Kuntzl erkundigte sich außerdem nach den Änderungen
am Entwurf über das Qualitätssicherungssystem und wollte das Papier zur Novelle des FHStG dem Parlament zugeleitet wissen -
eine Forderung, der sich auch Ausschussobmann Martin Graf (F) anschloss. Die Bundesministerin stimmte der Vorlage des Papers
zu, bat jedoch um Verständnis, über laufende Gespräche über das FHStG und das Qualitätssicherungssystem noch keine Auskunft erteilen zu können.

Der Bericht des Fachhochschulrats 2008 wurde schließlich
einstimmig zur Kenntnis genommen.(Fortsetzung)

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