WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Qualität kommt immer noch vor Quantität - von Isabell Widek

Gewinne sind schön, politische Maßnahmen sind besser

Wien (OTS) - Es gibt zwei Gruppen von Arbeitslosen: Die einen -
der weitaus größere Teil - ächzen und stöhnen, wenn der Berater beim Arbeitsmarktservice mehr oder weniger freundlich zur Absolvierung eines Kurses rät. Die andere - weitaus kleinere - Gruppe freut sich hingegen über jedes einzelne Schulungsangebot des AMS - hilft es doch dabei, die im Übermaß vorhandene freie Zeit totzuschlagen.

Doch egal, wie jemand zu den Schulungen des Arbeitsmarktservice steht, sicher ist, dass sie die Steuerzahler jedes Jahr hunderte Millionen Euro kosten.

Es wird aber kaum darüber nachgedacht, wo dieses Geld schlussendlich landet. Denn beim Geschäft mit der Arbeitslosigkeit gibt es einen eindeutigen Gewinner. Einen, der sich auch im monetären Sinne so bezeichnen darf: privatwirtschaftlich geführte Unternehmen, die Lehrwerkstätten, Qualifizierungs- und Aktivierungsmaßnahmen und vieles andere mehr für das Arbeitsmarktservice veranstalten (siehe auch Artikel auf Seite 4).

Das ist alles andere als verwerflich: Wo ein Bedarf ist, ist auch der Markt dafür.

Und wenn AMS-Chef Johannes Kopf coram publico davon spricht, dass bereits 50 Prozent seiner Kunden keinen Pflichtschulabschluss vorweisen können, steht außer Frage, dass Qualifizierungsmaßnahmen hierzulande absolut notwendig sind. Dass diese vom Arbeitsmarktservice millionenfach gefördert und in einem annähernd gleichen Ausmaß gewinnbringend für die Unternehmen der Bildungsbranche sind, liegt somit in der Natur der Sache.

Es ist aber ein Trugschluss zu glauben, dass ausschließlich mit umfangreichen Ausschreibungen und dem massiven Bemühen des Bundesvergabegesetzes Qualität gewährleistet werden kann. Beschwerden von Kursteilnehmern über Mängel bei Betreuung und Inhalt gibt es sonder Zahl - und wenig Bereitschaft bei den Verantwortlichen, hier irgendetwas zu ändern. Dabei sollte an einem Wirtschaftsstandort wie Österreich schon aus Gründen seines internationalen Rufs Qualität allemal vor Quantität kommen.

Auch wenn wir unseren Unternehmen das Geschäft mit der Arbeitslosigkeit durchaus gönnen, stellt sich doch die Frage, warum nicht mehr politische Maßnahmen im Vorhinein ergriffen werden, um die Beschäftigungslosigkeit effektiv zu bekämpfen.

Gut, wir nehmen den Unternehmen damit ein paar hunderttausend Euro Umsatz weg, aber das sollten uns ein paar tausend Arbeitslose weniger allemal wert sein.

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