FPÖ-Karlsböck(2): "Managed Care"-System ist Sozialabbau

Wien (OTS) - Das in Österreich nun durch den Versicherungsbauchfleck der SVA herumgeisternde Schlagwort des "Managed Care"-Systems müsse genauer beleuchtet werden, sagte der freiheitliche Ärztesprecher NAbg. Dr. Andreas Karlsböck. "Managed Care ist nichts anderes als brutaler Sozialabbau", fasste Karlsböck zusammen.

"Managed Care wurde in den 1990er-Jahren zur dominierenden Versicherungs- und Versorgungsform in den USA. Dort sind Krankenkassen zu riesigen Konzernen und Aktiengesellschaften mit Milliardengewinnen herangewachsen. Dabei wurde nie das Prinzip, wie wir es in Österreich haben, Menschen bestmöglich zu versichern ohne dabei Gewinn zu machen, angestrebt", so Karlsböck.

Die Versorgung werde sowohl direkt durch Micromanagement (Utilization Management, Leitlinien, Gatekeeping, Case Management, Disease Management usw.) als auch indirekt durch monetäre Anreize (Kopfpauschalen, Bonus-Malus-Systeme usw.) kontrolliert und gesteuert. "In diesem System werden Patienten nicht behandelt, sondern -?gemanagt?", kritisierte Karlsböck. Kostspielige Maßnahmen (wie Diagnostik, Überweisungen zum Spezialarzt, Einweisungen ins Krankenhaus) müssten von der Versicherung genehmigt werden. Dadurch seien Arztwahl und ärztliche Autonomie stark eingeschränkt.

So werde in den USA von den Kassen vorgeschrieben, wie viele Hospitalisationstage sie für eine Krankheit bezahle. Jede Krankenkasse habe "Case Manager", die ans Krankenbett des Patienten gingen und ihn darauf hinwiesen, dass die Krankenkasse nur noch bis und mit diesem oder jenem Tag seinen Aufenthalt im Spital bezahle, so Karlsböck. "Aus Angst, für enorme Summen aufkommen zu müssen, wird der Patient trotz Krankheit lieber das Spital verlassen als einen Tag länger hospitalisiert zu bleiben. Darüber hinaus sind solche "Case manager" nur in Ausnahmefällen Ärzte, sondern Krankenschwestern, Arztsekretärinnen oder Gesundheitsbeamte, die in kurzer Zeit dazu ausgebildet wurden", zeigte Karlsböck auf.

Mit solchen Vorgaben, Vorschriften und Bestimmungen werde die Arzt-Patient-Beziehung empfindlich gestört. Der Arzt sei gezwungen, wider seines Fachwissens und seiner Ethik zu handeln, kritisierte der freiheitliche Ärztesprecher.

Von Managed Care gingen auch Impulse zur Vergrößerung der Versorgungseinheiten und zur Integration der Versorgungselemente aus. Jedoch würden potenzielle Produktivitätseffekte und Vorteile auf den Beschaffungs- und Absatzmärkten tendenziell eher in größtmöglichen Gewinn für die Versicherung, denn in sinkende Beiträge für die Patienten verwandelt werden, warnte Karlsböck.

Die Patienten müssten auf bisherige Wahlfreiheiten bei Ärzten verzichten und unter Umständen eine höhere finanzielle Verantwortung übernehmen. Die Gefahr der Unterversorgung, vor allem bei älteren oder chronisch kranker Patienten, beziehungsweise der Strukturqualität - wie zum Beispiel durch Krankenhauszusammenschlüsse - seien ein besondere Probleme beim "Managed Care"-Modell. "Im schlimmsten Fall könnte es zu einer krassen medizinischen Unterversorgung der SVA-Versicherten kommen", so Karlsböck.

"Mit der Einführung des ?Managed Care?-Systems könnten wir in kürzester Zeit amerikanische Verhältnisse haben, unter denen sich tausenden Versicherte eine Krankenversicherung nicht mehr leisten können, wogegen die Krankenkasse hohe Gewinne verbuchen kann", zeigte Karlsböck den Anschlag der Wirtschaftskammer auf unser bewährtes Sozialversicherungssystem auf.

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