ORF-DialogForum: "Wie wichtig ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk für Europa?"

Podiumsdiskussion mit ZDF-Intendant Schächter, ORF-Generaldirektor Wrabetz u. a. / zukunft.ORF.at: ORF-Public-Value-Bericht erstmals auch online

Wien (OTS) - Europa befindet sich trotz zahlreicher aktueller Krisenerscheinungen mitten in einem umfassenden Integrationsprozess. Zuverlässige Information und eine kritische Erörterung sind für das Verständnis von Zusammenhängen, Abhängigkeiten und Perspektiven entscheidend. Welchen Beitrag können und sollen gemeinwohlorientierte Medien dazu leisten? Diese Fragen diskutierten unter der Leitung von ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher Claudio Cappon, Vizedirektor der EBU, Gottfried Langenstein, Präsident von ARTE, Markus Schächter, Intendant des ZDF, und Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF, im Rahmen des achten ORF-DialogForums zum Thema "Wie wichtig ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk für Europa?" am Montag, dem 31. Mai 2010, im Haus der Europäischen Union in Wien. Präsentiert wurde ebenfalls der neue ORF-Public-Value-Bericht 2009 "Wert über Gebühr", der erstmals ab 1. Juni 2010 unter zukunft.ORF.at auch online zur Verfügung steht.

ZDF-Intendant Markus Schächter ortete im Rahmen der Diskussion für die Zukunft eine noch größere Bedeutung der Öffentlich-Rechtlichen:
"In dem Ausmaß, in dem die privaten Sender künftig mit verschiedenen neuen Geschäftsmodellen experimentieren, statt auf publizistische Expansionen zu setzen, fällt den öffentlich-rechtlichen Sendern eine immer größere Bedeutung und Verantwortung für unsere Gesellschaft zu. Der Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Europa wird also gerade in der digitalen Welt relevant und aktuell bleiben. Medienunternehmen wie das ZDF müssen der Gesellschaft ein Forum für den Interessen- und Meinungsaustausch bieten und damit unserer Demokratie dienen. Sie müssen den gesellschaftlichen Fliehkräften entgegenwirken und das stärken, was uns im Inneren zusammenhält. Sie müssen ein Libero für die Sicherung der Vielfalt sein. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat allen Alters- und Gesellschaftsgruppen ein frei zugängliches Programmangebot mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung zu machen und darf sich keinesfalls in eine Programmnische abdrängen lassen."

Für ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz stehen Öffentlich-Rechtliche in ganz Europa vor großen Herausforderungen:
"Die österreichische Medienlandschaft und damit auch der ORF durchlaufen einen nachhaltigen Veränderungsprozess, ausgelöst durch die Verschärfung des Wettbewerbs, die Digitalisierung und die Wirtschaftskrise. Der ORF hat mit einem umfassenden und wirkungsvollen Maßnahmenpaket reagiert. Es geht nun darum, durch einen raschen Beschluss des ORF-Gesetzes klare Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung des ORF zu schaffen. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Erstens muss der ORF auch auf neuen Plattformen präsent sein und neue Technologien nutzen dürfen. Zweitens muss der ORF ein breites Programmangebot machen dürfen und nicht auf ein Nischenprogramm reduziert werden. Umfassende Information ist Voraussetzung für die Teilhabe an Europäischen Themen. Diese Informationsleistung können nur Öffentlich-Rechtliche erfüllen. Dazu gehören aber auch Kultur und Unterhaltung. Der eben erschienene Public-Value-Bericht des ORF dokumentiert dies."

ARTE-Präsident Gottfried Langenstein unterstrich die wichtige kulturelle Funktion öffentlich-rechtlicher Medienunternehmen: "In Europa wird derzeit zu viel auf wettbewerbsrechtliche Fragen und zu wenig auf die kulturelle Leistung Öffentlich-Rechtlicher geachtet, die auch einen erheblichen wirtschaftlichen Faktor darstellt. Kommerzielle Medien werden die europäische Filmindustrie, Autoren und Produzenten niemals in der Weise unterstützen, wie dies durch Öffentlich-Rechtliche geschieht. Wir beschäftigen Journalisten, Autoren, Schauspieler und Regisseure und erbringen dadurch eine unverzichtbare Kultur- und Informationsleistung für die Öffentlichkeit. In der journalistischen Praxis ist es gerade in der aktuellen Situation wichtig, auch die positive stabilisierende Rolle Europas und des Euro stärker herauszuarbeiten, ohne die die Entwicklung noch viel schwieriger wäre. Aber auch Unterhaltungsprogramme sind für uns sehr wichtig, um das Publikum dadurch für andere öffentlich-rechtliche Inhalte zu interessieren. Wobei wir einem völlig neuen Phänomen gegenüberstehen: Das Publikum will Information heute rasch und erhält diese aus dem Netz. Dazu kommen die kommunikativen Netzwerke, die sehr rasch eventhafte Information transportieren. Daran muss sich auch unsere Fernsehprogrammierung stärker orientieren."

EBU-Vizedirektor Claudio Cappon betonte die enge Verbindung zwischen Europa und den Öffentlich-Rechtlichen: "Italien war immer ein proeuropäisches Land, die Europäische Idee ist integraler Bestandteil des italienischen Selbstverständnisses. Die RAI ist eines der erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen in Europa und auch wenn die kommerzielle Konkurrenz groß ist, so ist das Vertrauen des Publikums nach wie vor sehr hoch. Dieses Vertrauen müssen wir nutzen, um allen Bevölkerungsschichten Zugang zu Information, Kultur und Unterhaltung zu machen und so sozialen Ausgleich zu schaffen."

ORF-Public-Value-Bericht 2009 auch online

Der ORF-Public-Value-Bericht 2009, der ebenfalls im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurde, gibt unter dem Titel "Wert über Gebühr" anhand von Programmen, Daten und Fakten einen umfassenden Überblick über die Programmproduktion des vergangenen Jahres. Persönliche Berichte und Kommentare von Programmmacherinnen und -machern beschreiben Wert und Nutzen der ORF-Angebote. Erstmals erscheint der Public-Value-Bericht, parallel zur Printversion, auch online. Unter zukunft.ORF.at stehen ab 1. Juni 2010 ergänzend zu den Materialien des Printberichts mehr als 100 Video-, Audio- und Textfiles zur Verfügung, die die ORF-Programmarbeit im Berichtszeitraum illustrieren.

Das ORF-DialogForum

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative im Rahmen der ORF-Public-Value-Maßnahmen, um das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Zivilgesellschaft zu beleben. Im Mittelpunkt der Diskussionsreihe stehen Herausforderungen und Perspektiven gesellschaftlicher Verantwortung in den unterschiedlichen Lebensbereichen der Menschen.

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