Tschechien - Neuorientierung nach den Wahlen

Künftige Regierung wird wirtschaftsfreundlichen Kurs fortsetzen - bilateraler Handel zwischen Tschechien und Österreich erholt sich nach Krisenjahr 2009 wieder

Wien (OTS/PWK428) - Nach den Parlamentswahlen beginnen in
Tschechien nun Gespräche für eine Regierungsbildung. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Tschechien künftig von einer Mitte-Rechts-Koalition aus der bürgerlichen ODS, der TOP 09-Partei des früheren Außenministers Karel Schwarzenberg und der populistischen Gruppierung "Öffentliche Angelegenheiten" regiert wird. "Mit einer wirtschaftsfreundlichen Politik ist auch unter einer neuen Regierung zu rechnen, mit einer Euroeinführung jedoch nicht vor 2015", berichtet Nikolaus Seiwald, österreichischer Handelsdelegierter in Prag.

Für das erfolgsgewohnte Tschechien war 2009 ein schwieriges Jahr. Die weltweite Rezession führte zu einem für Tschechien ungewohnten Wirtschaftseinbruch (-4,1%), herben Exportverlusten (-14,1%) einem explodierendem Budgetdefizit (-5,9% zum BIP) und einem drastischen Anstieg der Arbeitslosen (8,2%). Seiwald: "Die Anzeichen zu Jahresbeginn 2010 deuten aber bereits auf eine leichte Erholung hin. Allerdings ist angesichts der Folgen der Wirtschaftskrise die Lage derzeit alles andere als rosig." Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im ersten Quartal dieses Jahres nach einer vorläufigen Schätzung des Statistikamts nur um 1,2% gegenüber dem Vorjahresquartal gewachsen und lag damit unter den Erwartungen. Für das Gesamtjahr 2010 wird mit einem Wirtschaftswachstum von knapp 2% gerechnet.

In den Fokus der Aufmerksamkeit ist vor allem die Haushaltsverschuldung gerückt, denn neben den längst fälligen Strukturreformen gilt die Rückführung des Staatsdefizits als Tschechiens größte Herausforderung. Von der Mitte-Rechts-Koalition wird auch ein strenger Sparkurs mit Ausgabenkürzungen erwartet - die potenziellen Regierungsparteien haben in ihrem Wahlkampf eine Senkung des öffentlichen Haushaltsdefizits, eine Gesundheits- und Pensionsreform, Studiengebühren, eine Reduzierung der Angestellten im öffentlichen Dienst und die Senkung des Arbeitslosengeld angekündigt. Steuern sollen grundsätzlich nicht erhöht werden.
Der österreichisch-tschechische Außenhandel, der in den vergangenen 15 Jahren ohne Unterbrechung in beide Richtungen dynamisch gewachsen ist, wurde von der Wirtschaftskrise ebenfalls hart getroffen: 2009 fielen die österreichischen Exporte nach Tschechien um -22,1% auf 3,43 Milliarden Euro und die österreichischen Importe aus Tschechien um -20,2% auf 3,38 Milliarden Euro. Die jüngsten Zahlen (Jänner bis Februar 2010) deuten jedoch auf eine leichte Erholung des bilateralen Handels hin; die österreichischen Exporte nahmen gegenüber der Vorjahresperiode um 3,5% zu, die österreichischen Importe um 5,6%. "Die Talsohle scheint vorerst durchschritten zu sein. Für das Gesamtjahr 2010 wird für die österreichischen Exporte nach Tschechien mit einem moderaten Wachstum von ca. 5-7% gerechnet", erwartet Seiwald.

Beim bilateralen Handelsvolumen nimmt Tschechien hinter Deutschland, Italien und der Schweiz den 4. Rang ein. Seiwald: "Für Österreich ist Tschechien also weiterhin der wichtigste Handelspartner sowie der größte Exportmarkt in Mittel- und Osteuropa." Mit einem Bestand an österreichischen Direktinvestitionen von rund 10,8 Milliarden Euro ist Österreich mit einem Anteil von 13% nach den Niederlanden (30%) und Deutschland (14%) drittgrößter Investor in Tschechien. (BS)

Rückfragen & Kontakt:

Außenhandelsstelle Prag
Dr. Nikolaus Seiwald
Tel.: +420 222 21 02 55
prag@wko.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0001