Wiener Infrastruktur in fordernden Zeiten

FBA Infrastrukturreport erscheint zum zweiten Mal für Wien

Wien (OTS) - Die Stadt Wien stellt sich erneut der Analyse der Infrastrukturinitiative Future Business Austria (FBA). Wie im Vorjahr belegt Wien im Städtevergleich den guten vierten Platz, doch der Abstand zu den Vergleichsländern schrumpft.

Eine hochentwickelte Infrastruktur ist für die Zukunft des Wirtschafts- und Arbeitsstandortes Wien unverzichtbar. Infrastrukturelle Einrichtungen sind die Lebensadern zur Versorgung einer Stadt. Die Bandbreite reicht von der Daseinsvorsorge bis zur Anbindung an internationale Straßen- und Datennetze. Deshalb sind aus volkswirtschaftlicher Sicht zukunftsreiche Investitionen heute wichtiger denn je, um im globalen Standortwettbewerb vorne zu bleiben.

"Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist es wichtig, sich systematisch mit der Weiterentwicklung der eigenen Infrastruktur zu beschäftigen. Dass sich Wien bereits zum zweiten Mal den Untersuchungen des Future Business Austria Infrastrukturreports unterzieht, unterstreicht das hohe Infrastrukturbewusstsein der Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft", so Initiator und Autor des FBA Infrastrukturreports David Ungar-Klein bei der Präsentation des zweiten regionalen Infrastrukturberichtes für Wien am 31. Mai 2010 im Reitersaal der Österreichischen Kontrollbank vor rund 100 geladenen Entscheidungsträgern aus der Infrastrukturbranche. Der Report basiert auf der Konzeptionierung von Create Connections und beinhaltet u. a. Untersuchungen von Univ.-Prof. Dr. Bernhard Felderer (IHS), Meinungsforscher Dr. Peter Hajek und internationalen Städtevergleichs-Daten von Roland Berger Strategy Consultants.

Wien im internationalen Vergleich

Im internationalen Hauptstädtevergleich liegt der Standort Wien auf der guten vierten Position nach Amsterdam, London und Madrid. Beim Durchschnitt aller erhobenen Roland Berger Key Performance Indikatoren (KPIs) hat sich Wien gegenüber 2008 um 3 Skalenpunkte verbessert. Da jedoch auch der europäische Durchschnitt um 4 Skalenpunkte gestiegen ist, hat sich der Abstand Wiens zu diesem von 8 auf 7 Skalenpunkte verringert.

"Die Qualität der Infrastruktur ist ein entscheidendes Kriterium für Unternehmen bei der Auswahl des Headquarter-Standortes. In Mitteleuropa steht hier Wien, das hier als besonders attraktiv zu bewerten ist, in zunehmendem Wettbewerb mit Städten wie Prag oder Budapest. Professionelles Städtemanagement und nachhaltige Infrastrukturinvestitionen werden damit zu zentralen Erfolgsfaktoren", so Dr. Roland Falb, Managing Partner bei Roland Berger Strategy Consultants.

Hohes Infrastrukturbewusstsein

Wiens Entscheidungsträger befürchten, dass aufgrund der Krise und der notwendigen Haushaltskonsolidierungen Investitionen in die Infrastruktur reduziert werden können. 46 % der von Peter Hajek befragten Wiener Manager geben zu Protokoll, dass die steigende Staatsverschuldung sehr starken (negativen) Einfluss auf die Infrastrukturinvestitionen in Österreich haben wird. Nach Meinung von immerhin noch 28 % werden Investitionen unter der Verschuldung "eher leiden".

Das Infrastrukturbewusstsein der Wiener Manager ist jedenfalls außerordentlich hoch: 94 % der Wiener Manager sehen eine gut ausgebaute Infrastruktur als eine wichtige Größe für den Wirtschaftsstandort Wien an. Die Wiener Manager halten dabei die Infrastrukturbereiche IKT und Energie in Wien für deutlich besser als in anderen europäischen Hauptstädten.

Kritik an Infrastrukturpolitik

An der staatlichen Infrastrukturpolitik lassen 72 % der Wiener Manager (2008: 68 %) kein gutes Haar: Sie geben an, keine Gesamtstrategie für Infrastrukturthemen zu erkennen. Nur 23 % (2008:
32 %) sehen hier ein koordiniertes Vorhaben. Für Wien fällt die Beurteilung besser aus: 39 % berichten von einer Infrastruktur-Gesamtstrategie für Wien, 55 % können eine solche nicht erkennen. 64 % halten die Wiener Infrastrukturpolitik für Stückwerk, 28 % sehen eine koordinierte Politik.

Ein wichtiges Anliegen ist den Wiener Managern das Ausschöpfen der Produktivitätspotenziale durch eine exzellente Infrastruktur. Die durchschnittliche Produktivitätssteigerung in Wien, die bei einer dem internationalen Benchmark entsprechenden Infrastruktur erzielt werden könnte, liegt aus der Sicht der Wiener Manager bereits bei 11 %.

IKT: Mangelnder Breitbandausbau bringt Nachteile für Standort

74 % der Befragten beurteilen das Breitbandangebot in Wien als gut (26 % sehr gut; 48 % eher gut). Wer Verbesserungspotenzial beim Breitbandausbau feststellt, verbindet mit mangelnden Investitionen ganz konkrete Gefahren. Enorme 50 % der Wiener Manager befürchten, dass der Wirtschaftsstandort hinter anderen zurückbleibt, 43 % sehen darin ein Hemmnis für den Technologiefortschritt, 31 % fürchten um Arbeitsplätze, 20 % erwarten sinkende Auslandsinvestitionen, 10 % prognostizieren eine sinkende Forschungsquote und 8 % sehen negative Konsequenzen für den Börseplatz.

Luftfahrt: Angst um Standort

Der FBA Infrastrukturreport Wien zeigt, dass der AUA-Verkauf die Wiener Manager intensiv beschäftigt: Obwohl 71 % der Wiener Manager den Flughafen Wien nach dem Verkauf der AUA an die Lufthansa weiterhin als internationale Drehscheibe sehen, befürchten 86 % negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Wien (56 % "sehr negativ" und 30 %"eher negativ"), wenn der Flughafen Wien seine Stellung als internationale Drehscheibe verliert.

Energie: Hohes Öko-Bewusstsein

Von der Wiener Politik erwarten sich die Wiener Manager die Forcierung erneuerbarer Energien (42 %) und von Energieeffizienz (26 %) sowie das Aufrechterhalten der Versorgungssicherheit (18 %). Große Potenziale im Bereich der Energieeffizienz warten im Wohnbau auf ihre Nutzung.

Straße: Freie Fahrt Richtung Osten

Absolute Priorität hat für Wiener Manager der Ausbau der Straßenverbindungen nach Osteuropa, gefolgt von Ausbau und Modernisierung des Straßennetzes allgemein sowie der Förderung öffentlicher Verkehrsmittel. Während nur jeder fünfte österreichische Manager den Ausbau der Straßen nach Osteuropa einfordert, tut dies jeder dritte Wiener Befragte. Dies unterstreicht die Wachstumsorientierung in Richtung Osteuropa. Weiters wichtig: Der Güterumschlag vor Ort muss gestärkt werden. Neben der Schleife Laaer Berg (Kledering) sind Güterterminals an den Grenzen Wiens (in Inzersdorf sowie im Norden) zu forcieren. Das Verkehrskonzept der Bundeshauptstadt wird von 54 % als positiv bewertet.

Schifffahrt: Fokus auf Hafeninfrastruktur und Umschlagplätze

In der Rangliste der Wünsche der Wiener Manager an die Politik im Teilbereich Schifffahrt in Österreich führen die bessere Anbindung an Schiene und Straße bei 43 % der Befragten (2008: 48 %), die verstärkte Kooperation mit den Nachbarländern bei 18 % (2008: 28 %), der Ausbau der Hafenanlagen bei 13 % (2008: 11 %) sowie mehr und bessere Umschlagplätze im Güterbereich bei 8 % (2008: 4 %). Hafeninfrastruktur und Güterumschlagplätze haben damit klar an Bedeutung gewonnen.

Schiene: Positives Zeugnis

Die Entwicklung der Bahninfrastruktur in Wien beurteilen Wiens Manager mit 53 % mehrheitlich positiv. Den Wiener Linien stellen 74 % der befragten Wiener Manager ein positives Zeugnis aus. Als jeweils gut qualifizieren 54 % der Befragten Zugausstattung und Servicequalität, 60 % das Fahrplanangebot. Auf besonders große Resonanz stößt der CAT (City Airport Train): 72 % der Wiener Manager bewerten den CAT positiv.

Forschungsinfrastruktur: Internationale Vernetzung wichtig

Auch zum neu in den Infrastrukturreport aufgenommenen Bereich Forschungsinfrastruktur gibt es positive Rückmeldungen. Nach den Erhebungen des FBA Infrastrukturreports halten Wiener Manager den Bereich Forschung in Wien zu 50 % für "sehr wichtig" und zu 34 % für "eher wichtig". Laut der Meinung der Manager ist es wichtig, die internationale Vernetzung zu forcieren und den Forschungsstandort für internationale Forscher attraktiver zu machen.

Für die erhobene Kennzahl "F&E-Ausgaben pro Einwohner" schneidet Wien gegenüber den Hauptstädten seiner Wirtschaftspartner sehr gut ab. So liegt die Stadt bei den Ausgaben der Forschung auf dem zweiten Platz.

Klare Positionen zu Wiener Infrastruktur

Die Infrastrukturinitiative Future Business Austria (FBA) präsentiert am 31. Mai 2010 im Reitersaal der Österreichischen Kontrollbank zum zweiten Mal den Wiener FBA Infrastrukturreport. Im Rahmen eines Business Breakfast diskutierte eine hochkarätige Runde aus Experten und Entscheidungsträgern der heimischen Infrastrukturbranche vor rund 100 Gästen die standortpolitischen Herausforderungen für Wien. Das Podium wurde moderiert von David Ungar-Klein, Initiator des Future Business Austria und Autor des Infrastrukturreports.

Dr. Hannes Ametsreiter, Generaldirektor, Telekom Austria Group:
"Eine gut ausgebaute IKT-Infrastruktur ist die Basis für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts. Wir brauchen in Wien bestmögliche Rahmenbedingungen, um den Ausbau und Investitionen in Glasfaser-Infrastruktur forcieren zu können."

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Felderer, Direktor, Institut für Höhere Studien (IHS): "Städte sind multifunktionelle Dienstleistungs- und Produktionszentren für ganze Wirtschaftsregionen. Deshalb spielt die Infrastrukturausstattung von Städten im europäischen Standortwettbewerb eine wichtige Rolle. Gerade in der dynamischen mittel- und osteuropäischen Region ist es für Standorte wichtig, u.a. durch eine leistungsfähige Infrastruktur attraktiv für Unternehmen bzw. Konzernzentralen zu sein."

Dr. Peter Hajek, Geschäftsführer Peter Hajek Public Opinion Strategies: "Standorte sind gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gut damit beraten, ihre Qualität auf Basis objektiver Analysen weiterzuentwickeln und damit ihre Attraktivität für die Zukunft zu sichern."

KommR. Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien:
"Optimale Infrastrukturangebote, besonders im Straßen-, Schienen- und Flugnetz, stehen für Betriebe bei Standortentscheidungen an erster Stelle. Bund und Länder müssen ihre Investitionspolitik so ausrichten, dass die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestärkt wird. Die Bedürfnisse und Erwartungen der Wirtschaft sind evident."

Ing. Mag. (FH) Andreas Matthä, Vorstandssprecher der ÖBB-Infrastruktur AG: "Mit dem Wiener Hauptbahnhof erhält Wien einen hochwertigen Knoten im Infrastrukturnetz. Investitionen in Infrastruktur rechnen sich auch in schwierigen Zeiten. Sie sind die Basis für Wachstum und Wohlstand."

Ing. Mag. Helmut Miksits, Vorstandsmitglied Geschäftsbereich Energie, Wiener Stadtwerke Holding AG: "Um die sichere Energieversorgung des Standortes zu gewährleisten, sind laufende Investitionen und Verbesserungen notwendig. Wien Energie investiert allein in den nächsten fünf Jahren 2 Milliarden Euro in die Zukunft Wiens."

DI Rudolf Schicker, Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr:
"Die Stadt Wien war gegen die große Krise bestens gewappnet: Die Infrastruktur-Projekte, vor allem im Bereich der Bahn, waren und sind wichtige Impulse. Mit dem 'Flaggschiff' Hauptbahnhof, der ja eine zentraleuropäische Rolle spielt, dem innerstädtischen Projekt Wien-Mitte, der Bahnhofcity am Westbahnhof und dem Lainzer Tunnel sowie dem trimodalen Knoten für den Güterverkehr beim Hafen Wien und dem geplanten Terminal Inzersdorf springen wir logistisch ins 21. Jahrhundert. Was jetzt im Straßennetz noch dringend nötig ist: die Fertigstellung der Nordostumfahrung mit Tunnels unter der Donau und der Lobau."

Presseunterlagen: www.fba.or.at/presse

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