Gaza: Kritik aus kirchlichen Reihen nach Angriff auf Hilfskonvoi

Früherer Jerusalemer Patriarch Sabbah: Gewaltsame Kaperung "schweres Vergehen" - Mindestens 19 Aktivisten getötet

Jerusalem, 31.05.10 (KAP) Nach einer israelischen Militäraktion gegen einen internationalen Schiffskonvoi mit Hilfsgütern für den Gazastreifen, bei der am Montag laut Armeeangaben mindestens 19 Aktivisten getötet und 26 verletzt wurden, gibt es scharfe Kritik aus kirchlichen Reihen. Der frühere lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, erklärte, die gewaltsame Kaperung der Schiffe mit Hilfsgütern für ein notleidendes Gebiet sei ein schweres Vergehen. Auch die katholische Friedensbewegung "Pax Christi" zeigte sich "entsetzt" über den Vorfall.

Die Aktivisten hätten den Blick der Weltöffentlichkeit auf das grundliegende Unrecht im Gazastreifen richten wollen, sagte Sabbah. Das Embargo gegen das von der Hamas kontrollierte Gebiet sei ein "Verstoß gegen das Menschenrecht von eineinhalb Millionen Zivilisten, in Würde leben zu können", so der katholische Geistliche. Die humanitäre Krise im Gazastreifen komme daher, dass "die Menschen ihrer fundamentalsten Rechte wie Freiheit oder Selbstversorgung beraubt" würden.

Statt die Bevölkerung einer "Kollektivstrafe" zu unterwerfen, müsse eine politische Lösung zwischen Israel, Hamas und Ägypten gefunden werden. Frieden im Nahen Osten werde es erst geben, wenn eine auf gegenseitigem Respekt basierende politische Lösung gefunden werde, meinte der Alt-Patriarch. Israel habe ein Recht auf "Existenz in Freiheit". Dasselbe Recht müsse aber auch den Palästinensern zugestanden werden.

Die israelische Armee erklärte am Montag, das Feuer sei eröffnet worden, nachdem ihre Soldaten mit Messern und Schlagstöcken attackiert worden seien. Die sechs Schiffe seien geentert worden, weil sie die über den Gaza-Streifen verhängte Seeblockade durchbrechen wollten. Die Organisatoren von "Free Gaza" erklärten hingegen, die Enternden hätten ohne Vorwarnung und auch auf Schlafende geschossen.

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