"Starke u.unabhängige Zentralbanken garantieren Preis- u. Finanzstabilität"

"Regierungen müssen Tragfähigkeit öffentl.Finanzen gewährleisten"

Wien (OTS) - Volkswirtschaftliche Tagung der OeNB erörtert Rolle der Zentralbanken nach der Krise

Die traditionell im Frühjahr stattfindende Volkswirtschaftliche Tagung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) bietet Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft sowie der interessierten Öffentlichkeit ein Forum zur Erörterung aktueller wirtschaftspolitischer Themen. Die diesjährigen Konferenz ist dem Thema "Zentralbanken nach der Krise: Aufgaben, Strategien und Instrumente" ("Central Banking after the Crisis: Responsibilities, Strategies, Instruments") gewidmet.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny ging in seiner Eröffnungsrede auf die große Verantwortung und Herausforderung der Zentralbanken ein, sowohl für eine nachhaltige Geldpolitik als auch für die Stabilität des Finanzsystems sorgen zu müssen. Mittlerweile gelte es als unbestritten, dass der vor 2007 bestehende aufsichtsrechtliche Rahmen für die Identifizierung und Bekämpfung von Risiken auf Systemebene, d. h. Risiken, die nicht durch die Analyse von Einzelinstituten bzw. einzelner Märkte allein erkannt werden können, unzureichend war. Im Rahmen der nun auf europäischer und internationaler Ebene entstehenden neuen Regulierungsarchitektur werden die Notenbanken eine entscheidende Rolle spielen.

Durch diese deutlich gewachsene Verantwortung für die Finanzstabilität sehen sich die Zentralbanken einer Reihe neuer Herausforderungen gegenüber. Wie können etwa die Aufgaben der Notenbanken im Bereich Finanzstabilität optimal von jenen der Aufsichtsbehörden abgegrenzt werden? Wie kann eine effiziente und effektive Zusammenarbeit zwischen den Behörden gewährleistet werden? Für die Zentralbanken stehen dabei ihre Reputation und damit die Grundlage ihrer Unabhängigkeit auf dem Spiel. "Notenbanken müssen ihre Unabhängigkeit Tag für Tag aufs Neue behaupten", betonte Nowotny; es gelte, diese Unabhängigkeit zu bewahren, denn sie "ist Teil des Erfolgsrezepts für geldpolitische Stabilität." Der beste Beweis dafür sei die Tatsache, dass es dem Eurosystem gelungen ist, die Inflation seit der Einführung des Euro auf einem stabil niedrigen Niveau zu halten. Auch bei der Bewahrung der Finanzstabilität, insbesondere im Rahmen der Regulierung auf Systemebene, sei die Notenbankunabhängigkeit unverzichtbar, so Nowotny weiter, um die richtigen Entscheidungen ohne Einflussnahme einzelner Interessensgruppen treffen zu können.

Was die Strategien von Notenbanken und Regulierungsbehörden zur Verhinderung neuerlicher Finanzkrisen betrifft, stellte Nowotny fest, dass "eine bessere Regulierung des bestehenden Finanzsystems nicht ausreiche; weitere, grundlegende Reformen werden folgen müssen. Österreich hat - mit Ausnahme einzelner, kleinerer Problemfälle, die jedoch erfolgreich unter Kontrolle gebracht wurden - glücklicherweise ein eher konservatives Bankensystem. Hingegen ist der Finanzsektor auf globaler Ebene im Lauf der Zeit in dramatischem Ausmaß gewachsen, und dementsprechend haben sich auch die Risiken erhöht. Verantwortlich dafür waren in erster Linie übermäßiger Leverage und oftmals zweifelhafte Finanzinnovationen." Aus diesem Grund, so Nowotny, sei es nicht ausreichend, sich bei Regulierungsreformen auf einige technische Details zu konzentrieren. Vielmehr müssen grundlegende Fragen zur Größe und Struktur des Finanzsektors gestellt und auch beantwortet werden.

Zur Debatte über die Intervention des Eurosystems am Markt für Staatsanleihen betonte Nowotny, es sei die ureigenste Aufgabe der Notenbanken, "in Zeiten allgemeiner Unsicherheit Liquidität bereitzustellen. Dabei darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass Zentralbanken zwar Liquiditätskrisen abfedern, nicht aber Solvenzkrisen lösen können." Nowotny verwies in diesem Zusammenhang auf Parallelen zu den Liquiditätsmaßnahmen, die die Notenbanken 2008 und 2009 zur Stützung des Bankensystems ergriffen hatten. "Die Zentralbanken sorgten damals für die dringend benötigte kurzfristige Hilfe; es war aber Aufgabe des Bankensektors selbst, die erforderlichen langfristigen Reformen in Angriff zu nehmen. Das bedeutet in der gegenwärtigen Situation, dass das Eurosystem dafür sorgen kann und wird, dass vorübergehende Volatilität und Spekulationswellen an den Finanzmärkten die Anstrengungen der Euro-Länder zur Budgetkonsolidierung nicht gefährden. Es liegt jedoch in der Verantwortung der Regierungen, die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen sicherzustellen."

Abschließend betonte Nowotny die Notwendigkeit, die klare wirtschaftspolitische Aufgabenteilung auf EU-Ebene beizubehalten. "Das vorrangige Ziel des Eurosystems ist Preisstabilität. In dem gegenwärtigen, von Unsicherheit geprägten Umfeld ist die Festigung des Vertrauens in die langfristige Stabilität des Euro der beste Beitrag, den die EZB zur Förderung von wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum sowie - in weiterer Folge - nachhaltig gesunden öffentlichen Finanzen leisten kann. Wir können Ihnen garantieren: Das Eurosystem bleibt auf Kurs", schloss Nowotny.

Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43-1 404 20/6666
http://www.oenb.at

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Mag. Oliver Huber
Tel.: +43-1 404 20/6622
oliver.huber@oenb.at
www.oenb.at

Mobil: +43 664 122 13 76

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB0001