"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Mit harten Regeln gegen Lohn-Sexismus" (Von Nina Werlberger)

Ausgabe vom 29. Mai 2010

Innsbruck (OTS) - Die Geheimniskrämerei bei den Löhnen und die Idealisierung der Hausfrau gehören endlich aufgebrochen.

Es ist ein entmutigendes Ergebnis für Österreichs Frauen: Sie sind so gut gebildet wie nie, haben die Männer bei der Qualifikation überholt, und mehr Frauen als je zuvor sind berufstätig. Trotzdem:
Die Ungerechtigkeit bei den Löhnen wird nicht weniger, die Einkommensschere geht sogar weiter auf. Das ist das ernüchternde Ergebnis des jüngsten Frauenberichts.

Die Diskriminierung scheint in Österreich einzementiert. Noch schlechter bezahlt werden Frauen im Vergleich zu den Männern europaweit nur in Estland. Beim Gleichstellungs-Ranking "Global Gender Gap Index" liegt Österreich hinter Kirgistan, Uganda und Botswana auf dem 42. Platz. In Tirol verdienen Männer um 50 % mehr als Frauen, eine Stunde Frauenarbeit ist den Firmen 25 % weniger wert.

Hier helfen nur harte Maßnahmen, alle Lippenbekenntnisse sind gescheitert. Vor allem drei Aspekte müssen angegangen werden. Einer ist die von Frauenministerin Heinisch-Hosek angekündigte Offenlegung der Einkommen. Nur wenn Frauen wissen, was ihre Arbeit wert ist, können sie Forderungen stellen. Wer sich wie die ÖVP dagegen sperrt, besiegelt die Diskriminierung.

Zweites Problem ist die Idealisierung der Hausfrau als Betreuungsideal. Solange Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen als Rabenmütter verteufeln, wenn diese ihren Nachwuchs in Krippen betreuen lassen, ist keine realistische Arbeitsteilung möglich. Frauen müssen begreifen, dass es nicht gottgegeben, sondern gesellschaftlich erzwungen ist, sich zwischen Karriere und Kindern entscheiden zu müssen. An der viel zu niedrigen Geburtenrate sieht man die Folgen: Zumindest relativieren könnte man das durch Investitionen in Betreuungsplätze statt in Cash für die Familien. Schließlich führt auch kein Weg an Frauenquoten in männerdominierten Branchen vorbei. Nicht, weil das besonders elegant ist, sondern weil schlicht nichts anderes funktioniert.

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