Heinisch-Hosek: "Männer reden wie Parade-Feministen und sind in Wahrheit im Alltag Machos"

Der neue Frauenbericht 2010 zeigt, dass Frauen gut ausgebildet sind, viel weniger verdienen und kaum in Top-Positionen vertreten sind

Wien (OTS) - "Frauen sind gut ausgebildet, Frauen sind
berufstätig, Frauen können Beruf und Familie besser vereinbaren, aber verdienen viel weniger als die Männer und sind an der Spitze der Wirtschaft kaum vertreten. Daher sage ich: Ja wir sind auf dem richtigen Weg, und nein, es geht noch viel zu wenig schnell. Denn oft bläst uns ein Gegenwind entgegen, der kein Lüfterl, sondern eher ein Sturm ist", sagte Frauenministerin bei der Präsentation des ersten Frauenberichts seit 1995.

Der Bericht zeige, dass sich die Situation der Frauen in den letzten Jahren in vielen Bereichen verbessert habe. Es gebe mehr Kinderbetreuungsplätze als jemals zuvor, die Frauen seien so gut ausgebildet wie nie zuvor und so viele Frauen wie nie zuvor seien berufstätig. Allerdings würden 40 Prozent Teilzeit arbeiten. Der wunde Punkt im Frauenbericht sei, dass die Einkommensschere noch weiter aufgehe. Österreich liege mit diesem Verhältnis am vorletzten Platz der EU.

"Lippenbekenntnisse für gleichen Lohn für gleiche Arbeit reichen nicht mehr aus, daher müssen endlich die Durchschnittsgehälter von Frauen und Männern offen gelegt werden", so die Ministerin. Denn Frauen würden bis zu 18 Prozent weniger verdienen als Männer, einfach nur weil sie Frauen sind. Sie würden ein Instrument brauchen, um gegen diese Diskriminierung vorzugehen.
"Ich möchte daher Einkommenstransparenz in den Betrieben gesetzlich verankern. Gemeinsam mit den Sozialpartnern, dem Sozialminister und dem Wirtschaftsminister werden wir das umsetzen", so Heinisch-Hosek.

"Männer erzählen mir ständig, wie viel sie ihre Frauen daheim unterstützen und im Betrieb fördern", so die Ministerin weiter. Allerdings sehe die Realität anders aus. "Daher sage ich: Männer reden zwar wie Parade-Feministen, sind aber in Wahrheit im Alltag Machos". Ein Blick in den Frauenbericht genüge, um sich davon zu überzeugen.

Es sei unhaltbar, dass 90 Prozent der Entscheidungsträger in der Wirtschaft Männer seien, obwohl es so viele gut ausgebildete Frauen gäbe. Mehr Frauen an der Spitze seien gut fürs Geschäft. Denn warum sonst sollte die deutsche Telekom 30 Prozent ihrer Toppositionen mit Frauen besetzen. Unternehmen, die eine Frauenquote einführen, würden sich handfeste wirtschaftliche Vorteile versprechen. Und das sei gut und richtig so, sagte die Ministerin.

"Es geht nicht ohne verpflichtende Quote. Aber ich habe gelernt, dass die Quote nicht von heute auf morgen durchzusetzen ist" so Heinisch-Hosek weiter. Daher habe sie dem Koalitionspartner einen Stufenplan vorgelegt, um Schritt für Schritt mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen. Bis 2013 sollen es 25 Prozent und bis 2018 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten sein.

Der Frauenbericht zeige auch, dass nach wie vor die Familien- und Hausarbeit meist von den Frauen übernommen wird. "Männer machen es sich gern bequem, wir Frauen sollten aber auf uns selbst nicht vergessen", sagte die Frauenministerin. "Und liebe Männer, fürchtet euch nicht! Denn auch ihr habt etwas davon, wenn ihr euch am Kochen, Waschen, Putzen und an der Kindererziehung beteiligt. Eure Beziehung bleibt länger glücklich."

Die Frauenministerin versprach an Schluss: "Ich verspreche allen Frauen in unserem Land, dass ich mit voller Kraft, Leidenschaft und Engagement daran weiterarbeiten werde, dass Frauen mehr verdienen und es mehr Kinderbetreuungsplätze gibt. Und ich verspreche den Männern, dass ich lästig bleiben werde. Ich weiß, dass ich mit meiner Beharrlichkeit manchen Männern auf die Nerven gehe, aber uns Frauen nervt auch schon lange, dass wir seit vielen Jahren mit so wenig Lohn abgespeist werden".

Der Frauenbericht ist im Internet unter
http://www.frauen.bka.gv.at/site/7207/default.aspx abrufbar.

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Mag. Dagmar Strobel
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