WKÖ-Hochhauser: EU-Chemikalienrecht REACH muss KMU-verträglicher werden

Umsetzung von REACH ist aufwändiger und teurer als gedacht - KMU überproportional belastet

Wien (OTS/PWK424 ) - Drei Jahre nach Infkrafttreten des EU-Chemikalienrechts REACH zieht die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) eine kritische Bilanz und fordert ein umfassendes Maßnahmenpaket, um REACH KMU-verträglicher zu machen und Schaden vom Wirtschaftsstandort Österreich abzuwenden. "Andernfalls könnten sich manche Chemikalien so verteuern, dass deren Herstellung in der EU nicht mehr rentabel ist", warnte die Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Anna Maria Hochhauser, heute bei einem Pressegespräch in Wien.

Ein großer Teil der österreichischen Unternehmen ist entweder direkt (als Hersteller, Händler, Importeur) oder indirekt (als Nutzer von Chemikalien) von den Brüsseler Chemikalienregeln betroffen. "Für die Betriebe geht es nun ans Eingemachte, denn ab 1. Dezember müssen alle benutzten Stoffe ab 1000 Tonnen pro Jahr bei der Europäischen Chemikalienbehörde in Helsinki registriert werden", warnte Hochhauser. Da vor allem in Bereichen wie Metall, Mineralien oder Mineralöl dieses Volumen rasch erreicht ist, "kann in diesem Bereich jedes Unternehmen betroffen sein - selbst ein Malerbetrieb."

In Österreich werden nach Schätzung der Wirtschaftskammer etwa 400 bis 500 Registrierungen notwendig sein. Der größte Brocken sind dabei die Prüfkosten. Frühere Schätzungen sahen dafür allein in Österreich nötige Aufwendungen von etwa 100 Mio. Euro vor. Aktuellen Schätzungen könnten sie sich auf bis zu 250 Mio. Euro belaufen. "Der mit der Registrierung verbundene Verwaltungs- und Organisationsaufwand wurde massiv unterschätzt. Zudem hat die immens hohe Nachfrage nach Prüflabors die Kosten zusätzlich in die Höhe getrieben", so Hochhauser. Hinzu kommen noch Gebühren von 3 bis 5 Mio. Euro. "All das trifft die Unternehmen zu einer Zeit, wo die chemische Industrie ohnehin mit starken Produktionsrückgängen zu kämpfen hat. Vor allem kleine und mittlere Chemieunternehmen sind extrem gefordert. Ihre Absätze sind im Sinkflug, zugleich befinden sich die REACH-Kosten im Steigflug", so Hochhauser.

Exemplarisch dafür ist die Habich GmbH, ein österreichisches Familienunternehmen, das anorganische Pigmente und Pigmentpräparationen erzeugt, die hauptsächlich in der Lack-, Kunststoff- und in der bauchemischen Industrie eingesetzt werden. "Als Spezialanbieter von kleinvolumigen Spezialstoffen sind wir von REACH massiv betroffen - aufgrund der Gebühren und noch mehr aufgrund der enormen Prüfkosten für Daten, die für die Registrierung notwendig sind", erläutert Geschäftsführer Heinrich Michael Wirth. "Die Registrierung von nur einem Produkt kostet zwischen 500.000 und 800.000 Euro, weshalb manche Stoffe nicht mehr wirtschaftlich rentabel hergestellt werden können."

Die Wirtschaftskammer hat vor diesem Hintergrund ein Maßnahmenpaket für eine praxistauglichere Umsetzung von REACH geschnürt. Größter Handlungsbedarf besteht im Hinblick auf eine faire Aufteilung der Prüfkosten zwischen mehreren Herstellern von ein- und derselben Chemikalie. "Es kann nicht sein, dass große Chemieunternehmen denselben Anteil zu tragen haben wie ein kleines Unternehmen mit einer Million Euro Umsatz", fordert Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik der WKÖ.

Zudem müssten die Regeln von REACH vereinfacht und die bestehenden Fristen flexibel gehandhabt werden. "Außerdem sollten KMU bis 250 Mitarbeiter von sämtlichen Gebühren befreit und die nationalen Helpdesks für KMU dringend aufgerüstet werden", so Schwarzer. Viele der Verbesserungsvorschläge könnten ohne neue europäische Gesetze umgesetzt werden. "Rasches Handeln ist gefragt, sonst werden sich manche Chemikalien so massiv verteuern, dass deren Produktion bald nur noch außerhalb Europas stattfinden wird", warnt Schwarzer abschließend. (SR)

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